Einigkeit im Haider-Gedenken

Vor zehn Jahren starb Jörg Haider — FPÖ-Obmann Strache erhält Haider-Medaille

Das letzte Foto von Jörg Haider — aufgenommen am 10. Oktober 2008 bei einem Interview für die Kleine Zeitung.
Das letzte Foto von Jörg Haider — aufgenommen am 10. Oktober 2008 bei einem Interview für die Kleine Zeitung. © APA/Eggenberger

11. Oktober 2008, 4.23 Uhr: „Landeshauptmann Jörg Haider ist Samstag früh bei einem Autounfall in Kärnten ums Leben gekommen“, lautet die Blitz-Meldung der Austria Presse Agentur. Die Sonne sei an diesem Tag vom Himmel gefallen, sollte sein Nachfolger als Landeshauptmann, Gerhard Dörfler, über das Unglück sagen, von einem Weltuntergang sprach Haiders damaliger Pressesprecher Stefan Petzner.

Die Fakten zu Haiders Tod: Er hatte sich mit 1,8 Promille an das Steuer seines Dienstwagens — eines VW Phaeton gesetzt —, um spätnachts von Klagenfurt ins Bärental zu fahren, wo die Familie am nächsten Tag den 90. Geburtstag von Haiders Mutter feiern wollte. Der Unfall passierte auf der Loiblpass-Bundesstraße in der Ortschaft Lambichl, das Auto war bei weit überhöhter Geschwindigkeit — der Tacho blieb bei 142 km/h stecken — von der Straße abgekommen. Haider erlag seinen schweren Verletzungen im Kopf- und Brustbereich noch an der Unfallstelle.

Für Heinz-Christian Strache war am Mittwoch ein besonderer Tag: Der FPÖ-Bundesparteiobmann erhielt auf dem Anwesen der Familie Haider im Kärntner Bärental die „Jörg Haider Medaille“ überreicht — und zwar von der Witwe des am 11. Oktober 2008 bei einem Autounfall ums Leben gekommenen Jörg Haider. Damit wird wohl auch signalisiert, dass das freiheitliche Lager zehn Jahre nach Haiders Tod endgültig wieder zusammengeführt ist. Immerhin war es der nunmehrige Vizekanzler Strache, der im Jahr 2005 nach der Gründung des BZÖ durch Haider die durch die Koalition mit der ÖVP schwer gebeutelte und in der Wählergunst abgestürzte FPÖ als Obmann übernommen hatte. Und sie dorthin geführt hat, wo sie schon einmal war — in die Bundesregierung. Damit begründet auch der Stifter der „Jörg Haider Medaille“, der ehemalige BZÖ-Chef Gerald Grosz, die Auszeichnung für Strache — die übrigens für „Verdienste um die politische Erneuerung“ vergeben wird.

Emotionale Elemente und Konflikte waren wichtig

Womit sich der Kreis schließt, denn wenn der Name Jörg Haider für etwas steht, dann wohl für gravierende politische Umwälzungen — und wohl auch Erneuerungen — in Österreich. Haider, so sagen Politologen und Meinungsforscher, habe die politische Kommunikation in Österreich stark verändert, für ihn seien emotionale Elemente und das Suchen von Konflikten wichtige Hilfsmittel gewesen.

Wobei Konflikte auch innerparteilich ständige Wegbegleiter des am 26. Jänner 1950 in Bad Goisern geborenen Haiders waren. Der studierte Jurist kam 1976 als FPÖ-Landesparteisekretär nach Kärnten, übernahm 1983 die Kärntner Blauen als Obmann und putschte beim Innsbrucker Parteitag 1986 Bundesparteiobmann Norbert Steger weg. 1989 wurde er erstmals Landeshauptmann in Kärnten, nach zwei Jahren wurde er wegen seines Ausspruchs von der „ordentliche Beschäftigungspolitik“ im Dritten Reich abgewählt — um 1999 wieder zu kommen. Nach dem Eintritt in die Koalition mit der ÖVP im Jahr 2000 übergab er den Parteivorsitz an Susanne Riess-Passer, nach dem Wirbel von Knittelfeld im Jahr 2002 gründete Haider das BZÖ — heute eine Fußnote in der Polit-Geschichte Österreichs. Das politische Erbe lässt sich vielmehr am Kärntner Schuldenberg bemessen, den Haider und seiner Nachfolge angehäuft haben.

Im Befund der Politologen über Haiders Politik findet sich, dass dieser Rechts- und Linkspopulismus kombiniert habe und das Korsett der „Kompromissdemokratie“ — Stichwort Proporz — aufgebrochen habe. Gescheitert sei er letztlich strategisch am Wechsel in die Regierungsrolle, so Peter Filzmaier, „und natürlich auch daran, dass die Populismen an Grenzen stoßen“.

Das offizielle Kärnten gedenkt Haiders am Donnerstag mit einer Kranzniederlegung am Grab im Bärental, die FPÖ lädt am Abend um 18.15 Uhr zu einem Gedenkgottesdienst in den Klagenfurter Dom.