Einlassen auf eine andere Welt

„Malala — Mädchen mit Buch“ feierte live im Netz Premiere

Friedrich Eidenberger taucht als Autor in die Welt von Malala ein.
Friedrich Eidenberger taucht als Autor in die Welt von Malala ein. © Philip Brunnader

Vor neun Jahren erschütterte das Schicksal von Malala Yousafzai, einer pakistanischen Kinderrechtsaktivistin, die Welt. Das damals 14-jährige Mädchen war in den Fokus von Terroristen geraten, nachdem sie sich für das Recht, als Mädchen die Schule zu besuchen, eingesetzt hatte. Auf dem Weg mit dem Schulbus nach Hause wurden sie und zwei weitere Mädchen von einem Taliban angeschossen. Die Geschichte des mutigen und mittlerweile mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichneten Mädchens erzählt die aktuelle Netzbühne-Live-Produktion des Linzer Landestheaters. Dabei wird unsere, die westliche Sicht reflektiert. Am Freitag feierte „Malala — Mädchen mit Buch“ von Nick Wood in der Inszenierung von Martin Philipp für Publikum ab 13 Jahren gelungene Premiere.

Tief schürfender Monolog

Friedrich Eidenberger — bereits ausgezeichnetes Ensemblemitglied des Jungen Theaters am Landestheater — schlüpft in dem rund einstündigen Einpersonen-Stück versiert in die Rolle eines Autors, der an dem Tag beschließt, über dieses besondere Mädchen zu schreiben, an dem er von dem Anschlag auf sie erfährt. Kein einfaches Unterfangen bei den vielen Fragen, die da auftauchen. In seiner Rolle erzählt Eidenberger nicht nur die Geschichte von Malala, er versucht auch, in ihren Alltag, ihre Gefühle und Gedanken einzutauchen, dem Zuseher ihre Welt zu erschließen, die geprägt ist von Krieg, Verfolgung, Flucht, Angst — und dem Kampf um Bildung.

Eidenberger gestaltet den Monolog spannend, berührend, erschütternd. Drei Kameras haben ihn als Autor in seinem kleinen Büro und einem Raum, der Malalas Zimmer andeutet (Bühne und Kostüme: Olivia Kudlich), ständig und oft sehr nah im Visier. Blog-Beiträge, die Malala für BBC verfasst hat, Informationen zu ihrem Herkunftsland und ihrer Religion oder auch ein Bekennerschreiben der Taliban sind Puzzleteile eines Bildes, das für uns wohl nie komplett wird. Wie kann jemand, der im Westen aufgewachsen ist, so eine Geschichte begreifen? Wie bringt man diesen Mut auf? Wie ist es, wenn Angst zum ständigen Begleiter wird? Hat die westliche Welt dieses Mädchen missbraucht und ungeschützt zur Zielscheibe gemacht? Fragen, die der Autor sich, aber auch dem Publikum stellt. Lässt dieses sich darauf ein, dann kann es hier nicht nur viel erfahren, auch spannende Diskussionen werden möglich. Das Stück ist eine tief schürfende Auseinandersetzung mit einer anderen Welt, die zu mehr Verständnis und Offenheit verhilft. Da braucht man eigentlich nicht erwähnen, dass es sich für Schulklassen besonders empfiehlt.

Von Melanie Wagenhofer

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