Einmal Luftschloss bauen & retour

Ibsens „Peer Gynt“ als herausfordernde Inszenierung in Helfenberg

Ein Bassin und der Traum vom gesellschaftlichen Aufstieg: Ljubisa Lupo Grujcic als Peer Gynt
Ein Bassin und der Traum vom gesellschaftlichen Aufstieg: Ljubisa Lupo Grujcic als Peer Gynt © Reinhard Winkler

Sommertheater setzen oft auf – durchaus niveauvolle – Unterhaltung. Leichte Kost für laue Abende. Nicht so die Kulturfabrik Helfenberg. Hier hat man Henrik Ibsens Drama „Peer Gynt“ in Angriff genommen. Schwere Kost für Schauspielteam und Publikum. Dieses zeigt aber nach fast drei Stunden mit Pause, dass es nicht nur Unterhaltsames verdauen will. Premiere war am Mittwoch.

Peer Gynt ist ein armer Bauernsohn irgendwo in Norwegen. In seiner Hütte träumt er sich seine eigene Realität zusammen, baut Luftschlösser, in denen er der „Kaiser der Welt“ wird. Peer Gynt schafft tatsächlich den sozialen Aufstieg, wenn auch mit Mitteln fernab von ethischen Werten. Im Kreis vermeintlicher Freunde ist er der Held, der „König“. Diese Freunde und der Untergang seines Schiffes sind es, die Peer Gynts Abstieg einläuten. Er landet, wo er herkam – in der armseligen Hütte.

Schon diese rudimentäre Darstellung des fünf Akte umfassenden Stücks zeigt dessen Aktualität auch für das Heute. Man hat, dank einer schlüssigen Regie, recht bald das Gefühl, erst gestern in den Seitenblicken, in den Societyjournalen und im Internet von den Peer Gynts des 21. Jahrhunderts in Gesellschaft, Wirtschaft oder Politik gehört und gelesen zu haben. Von Leuten, die sich selbst inszenieren, bei denen Schein und Show das Sein ersetzen. „Zwiebel-Menschen“ werden sie bei Ibsen genannt: Nur Schale und kein Kern. Das fatale Ende haben sie mit Peer Gynt gemeinsam, dieser findet aber wenigstens die Liebe einer Frau.

Eine Herausforderung

Die Inszenierung im alten Fabriksgemäuer von Helfenberg lag in den Händen von Andreas Baumgartner, der auch eine Stückbearbeitung vorgenommen hat. Im Wesentlichen wurde aber die Übersetzung von Christian Morgenstern aus der vorletzten Jahrhundertwende übernommen. Womit eine gewisse Antiquiertheit der Sprache vom Publikum ein gerüttelt Maß an Aufmerksamkeit erfordert. Mindestens genauso fordernd ist der Text aber auch für die Schauspielerinnen und Schauspieler, sie bewältigen die Herausforderung durchwegs gut.

Regisseur Baumgartner lässt das Ganze in einer relativ einfachen Szenerie spielen (Bühnenbild Harald Bodingbauer), ein Bassin mit Wasser in der Mitte ist reizvoll und sorgt für gelegentlich feuchte Auftritte. Die Musik von David Baldessen ordnet sich dem Geschehen nicht nur unter, sondern verleiht ihm auch wesentliche Elemente der Spannung und der Emotionen. Was die Länge des Abends betrifft, hätte man straffen können. Zum Beispiel Peers Aufeinandertreffen mit den Trollen ist zwar fein inszeniert, fällt aber heute einigermaßen aus der Zeit. Alles in allem eine gelungene Mutprobe der Helfenberger Theaterleute, das Publikum dankte mit langem und intensivem Applaus.

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Von Werner Rohrhofer

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