Einst das „Herz Norwegens“

Die Stadt Trondheim assoziiert man hierzulande vor allem mit sportlichen Highlights. Mit dem örtlichen Fußball-Klub Rosenborg BK, seines Zeichen 26-facher Meister und Stammgast im Europacup, mit der WM-erprobten Wintersportanlage „Granasen Skisenter“, wo alljährlich der Skisprung-Weltcup (heuer am 12. März) gastiert oder mit der derzeit laufenden Handball-Europameisterschaft, wo die Gruppen C und D ausgetragen werden. Die Stadt in Mittelnorwegen, die mit rund 196.000 Einwohnern eine ganz ähnliche Dimension wie Linz aufweist, hat aber noch einige andere Highlights zu bieten und ist auch abseits des Sports durchaus einen Besuch wert.

Der LASK fixierte Ende November in Trondheim den Einzug in die K.o.-Phase der Europa League, Michael Hayböck stellte 2015 einen Schanzenrekord auf und Andreas Goldberger gewann ebendort anno 1997 WM-Bronze auf der Normalschanze.

Ja, Trondheim war schon für so manchen Oberösterreicher ein guter Boden, doch es ist auch abseits der Sportanlagen eine sehenswerte Stadt. Das beginnt mit der Lage an der Mündung des Flusses Nidelv. Der Kern liegt auf einer Halbinsel, womit das Wasser allgegenwärtig ist und dieses der Stadt viel Charme verleiht.

Unseren Spaziergang durch die drittgrößte Stadt Norwegens, die auch noch rund 30.000 Studenten beherbergt und nach wie vor wächst, beginnen wir beim Nidarosdom. Der lag einst ein wenig außerhalb des mittelalterlichen Stadtkerns auf einem kleinen Hügel.

Weil hier der Schrein von Olaf dem Heiligen hinter dem Hochaltar stand, trug die Kathedrale auch den Beinamen „Herz Norwegens“. Im Mittelalter sowie von 1818 bis 1906 war der Nidarosdom auch die Krönungsstätte für insgesamt sieben norwegische Könige. Ihre letzte Ruhestätte fanden hier sogar zehn gekrönte Häupter.

Landestypische Holzhäuser

Weiter geht’s zur „alten Stadtbrücke“ (norw. Gamle bybroen) aus dem Jahre 1862, die die Zentrumshalbinsel mit dem alten Stadtteil Bakklandet verbindet. Der ist für seine Kais und Speicherhäuser entlang des Flusses Nidelva sowie die vielen kleinen, landestypischen Holzhäuser, die heute unzählige Cafés, Werkstätten und Boutiquen beherbergen, bekannt.
Den Fluss schon einmal überquert ist der Aufstieg zur Kristiansen Festung zwar kurz, aber steil und nichts desto trotz Pflicht. Denn als Lohn für die Mühen wartet ein toller Blick über Trondheim und sein hügeliges Umland.

Zurück im Zentrum der im 17. Jahrhundert geschaffenen neuen Innenstadt wartet als lohnendes Finale der Marktplatz, in dessen Zentrum seit 1920 auf einer 17 Meter hohen Säule eine Statue des Stadtgründers (997 n. Ch.) und Wikingerkönigs Olav I Tryggvason thront. Ein Abstecher zum Stifstgarden, dem größten Holzpalais Skandinaviens, oder zur angrenzenden mittelalterlichen „Church of Our Lady“ lohnt sich ebenfalls.

Einkaufsmöglichkeiten sowie Bars und Restaurants gibt es hier ebenfalls in Hülle und Fülle.
Wessen Tripp nach Mittelnorwegen länger dauert, dem stehen eine Reihe von Museen wie das Ringve (Nationalmuseum für Musik und Instrumente), Galerien und Kulturangeboten offen, ist doch Trondheim Heimat des Trondelag Symphonieorchesters und des Trondelag Theaters.

Ausflugsmöglichkeiten

Dazu locken auch der Fernsehturm mit einer Aussichtsplattform und einem sich drehenden Restaurant und natürlich eine Fülle an Ausflugs- (Seeadler-Safari oder Besuch einer Fisch-Farm) und Sportmöglichkeiten ins Umland. Die nördlichste Straßenbahn der Welt, Grakallbanen, bringt Sie ins Naherholungsgebiet Bymarak.

Und mit dem Schiff geht es halbstündig auf die Insel Munkholmen. Sie war einst Kloster, später Munitionslager und Gefängnis, schließlich Standort von Fliegerabwehrkanonen und wird heute von Einheimischen im Sommer gerne zum Sonnenbaden und Schwimmen genutzt.

Für die Anreise empfiehlt sich der Flug von Wien (via Amsterdam oder Oslo) nach Trondheim, denn auf dem Landweg sind es von der Hauptstadt Oslo noch 600 Kilometer.

Von Roland Korntner

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