Elementares, Hörbares & Tesla

„Time Out.09“: Junge Medienkunst aus Linz im Ars Electronica Center

Clemens Niels „convulsion_01“
Clemens Niels „convulsion_01“ © AEC/R. Bauernhansl

Von Mariella Moshammer

Die einfachen weißen Jalousien an den Fenstern der Linzer Kunstuni wirkten inspirierend auf Clemens Niel. Er habe aber auch ein spezielles Interesse an der Umdeutung von Alltagsgegenständen, sagt Kristina Maurer vom Ars Electronica Center, zuständig für die Ausstellungsreihe „Time Out“, bei der Arbeiten Studierender gezeigt werden. Der Studiengang Zeitbasierte und Interaktive Medien (Leitung: Gerhard Funk) präsentiert diesmal im ganzen Haus verteilt Beispiele junger Medienkunst aus Linz.

Aus der Bürodecke gerissen ins Museum

Ihrer eigentlichen Funktion, die sich auf „offen“ oder „geschlossen“ begrenzt, beraubt, sind die via WLAN gesteuerten Lamellen bei Niel zu eigenem Leben erweckt und folgen einer Choreografie.

Ebenfalls aus ihrem angestammten Umfeld einer kargen Bürodecke gerissen, funktionieren die Leuchtstoffröhren, die Marlene Reischl für ihre Arbeit „Field“einsetzt. Als dreidimensionale Skulptur leuchten sie ganz ohne die sonst elementare Stromleitung. Die fast hypnotisierend wirkenden Lichtwellen, die sich durch die Röhren bewegen, werden von den Hochspannungsfeldern der eingebauten Teslaspulen angetrieben.

„Wie kann man die Verbindung von Mensch und Natur revitalisieren?“, fragt sich Moritz Rathke und antwortet mit gleich mehreren, auch visuell sehr ansprechenden, Installationen. Zum individuellen Baum-Menschen wird der Besucher durch eine interaktive Projektion. Die beinharte Verschmelzung zeigt die Arbeit „Ritual“: Mit einem Skalpell und Samen eines Mammutbaums werden Pflanze und Mensch durch einen archaischen Akt der Blutsverbrüderung eins.

Gegensätze zwischen weiblichem und geschlechtsneutralem Verhalten zeigt Sophia Hochedlinger in ihrer spannenden Arbeit „Am I A Girl Yet?“. Gemeinsam mit Mutter und Schwester hat Hochedlinger Szenen aufgenommen, in denen sie stehen, sitzen, tanzen, … — einmal geschlechtsneutral, einmal typisch weiblich. Der Betrachter entscheidet, was er sieht.

Ganz persönliche Einblicke gibt Angelika Wonisch mit „Tabula Rasa“. Die Entwicklung einer Freundschaft nimmt für jenen Besucher, der sich Zeit nimmt, auf leeren Buchseiten Gestalt an.

Aus Schallwandlern, Metallplatten und Sand hat Philipp Feichtinger ein akustisch und optisch erlebbares Werk geschaffen. Während sphärische Klänge hörbar werden, bilden die Sandkörner pixelgleich Bilder.

„Anti-Internet mit der Technologie des Internets“ hat Bene Reiter mit „mindFi“ geschaffen. Mit einer Steckdose und einem lokalen Wi-Fi-Hotspot — der sich für rund 5 Euro selber bauen lässt — entsteht ein Netz, das ausschließlich ortsabhängig funktioniert.

Der ganz eigene Sound der Eisenbahnbrücke

Ein Stück Linzer Stadtgeschichte arbeitet Ute Hackl mit ihrer „Tonbrücke“ auf. „Die Linzer Eisenbahnbrücke hat einen ganz eigenen Sound gehabt“, sagt die Künstlerin, die das Geländer der eingerissenen Brücke sicherte. Verbunden hat sie diese wortwörtlich mit Erinnerungen behafteten Teile mit Originalgeräuschen. Berührt man nun in der Ausstellung die Brückengeländer, werden die Erinnerungen hörbar, die unverkennbare Geräuschkulisse wieder erlebbar. Bis Jänner 2019.