Elis Noa wollten ihre Songs „einfach entstehen lassen“

Auf ihrem Debüt haben sich Elisa Godino und Aaron Hader mit Wünschen und Sehnsüchten beschäftigt, nun geht das heimische Popduo Elis Noa andere Wege: Das am Freitag erscheinende „I Was Just About To Leave“ widmet sich dem Prozess des Loslassens in verschiedenen Formen. „Es sind zwei komplett unterschiedliche Phasen“, so Godino, die nicht zwingend einen Gegensatz darin erkennt. „Wir wollen in unserer Musik einfach einen ehrlichen Zugang finden zu einem emotionalen Zustand.“

Ihren Ausgangspunkt nahmen die elf neuen Stücke im ersten Corona-Lockdown 2020. Keine einfache Zeit für die zwei in Wien lebenden Musiker, die sich während ihrer Studienzeit in der Jazzabteilung der Musikuni kennengelernt haben. Immerhin erschien damals die erste große Single „Still Nothing“, im Sommer folgte dann die Platte „What Do You Desire?“. Durchstarten während Corona? Eine schwierige Angelegenheit, vor allem aufgrund fehlender Liveauftritte. „Ich habe mich damals nicht wirklich geärgert, es gibt einfach wichtigere Sachen“, rekapituliert Hader im APA-Interview. „Man musste erst eine Perspektive dafür bekommen.“

So sehr den beiden die Konzerte fehlten, nutzten sie dennoch die Zeit und ihre Energie, um schon vor Erscheinen des ersten Albums an neuem Material zu tüfteln. „Das hat sich schon komisch angefühlt“, schmunzelt Hader. „Eigentlich ist man ja im Studio und geht dann auf Tour. Wir sind aber wieder zurück ins Studio.“ Letztlich habe es aber bis vergangenen Herbst gedauert, bis „I Was Just About To Leave“ in seine endgültige Form gebracht wurde. „Viele Songs waren textmäßig schon fertig, wir wussten aber noch nicht genau, wie sie klingen sollen. Dann haben wir alles zusammengefügt und es kam das Gefühl: Ah, jetzt sieht man’s!“

Vor allem kann man es hören: Wie schon auf dem Debüt, sind die neuen Songs reduzierte Popperlen, die sich mit elektronischem Unterfutter und sparsamem Klavierspiel in einer Zwischenwelt bewegen, mal an zeitlosen Soul und Jazz erinnern, dann aber auch ganz heutig aus den Boxen tropfen. Nur selten wird das Tempo angezogen wie in „Animal“ oder dem verspielten „Mad About You“, stattdessen rückt ein ums andere Mal Godinos einnehmende Stimme ins Zentrum, die den Hörer sofort in den Bann zieht.

Hat man ein Konzeptalbum wie dieses vor sich, stellt sich ja schnell die Frage, was zuerst da war: Texte oder die Musik? „Ah, zuerst die Henne oder das Ei?“, lacht Godino. „Vielleicht gibt es bei anderen Leuten eine Formel, bei uns gibt es die nicht. Manchmal haben wir eine Songskizze und ich spiele sie am Klavier. Dann wieder kommt Aaron mit einem Sample oder einem anderen Element daher und wir bauen darauf auf. Songwriting, Texte und Produktion sind so miteinander verknüpft, dass es keinen bestimmten zeitlichen Ablauf gibt. Es ist ein dauerndes Hin und Zurück.“ Und ihr Bandpartner wirft ein: „Wir haben schon probiert, dass ein Song steht und wir ihn nur noch produzieren müssen. Aber das funktioniert einfach nicht.“

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So kann es viel eher vorkommen, dass sogar im Aufnahmeprozess noch etwas umgeworfen und verändert wird. So etwa bei den Lyrics, die auf eine intensive Auseinandersetzung Godinos mit ihren Texten schließen lassen. „Ich bin eine Liebhaberin von Worten und glaube, dass man viel Power durch das richtige Setzen erzeugen kann. Aber der Text ist nicht fertig, bis wir musikalisch fertig sind.“ Komme es am Ende noch zu einem Twist („Warum machen wir das nicht so?“), sei das ebenfalls reizvoll. „Ich liebe das!“, nickt Godino.

Das Thema des Loslassens könne man so auch auf die Stücke selbst ummünzen: Wann ist ein Song fertig? „Das ist ein Grundgefühl, wenn man ihn hört“, sinniert die Sängerin. „Aber wirklich fertig ist es ja nie. Es gibt immer etwas, was du machen könntest.“ Spätestens, wenn man beim Bearbeiten merke, „dass der Song nicht besser wird, sondern sogar etwas verliert“, müsse man aufhören, betont Hader. „Immer nur mehr dazugeben, bringt ja auch nichts.“ Er habe beim neuen Album versucht, aus einer Entspannung heraus zu arbeiten. „Mir war ganz wichtig, dass ich nicht so rein verkrampfe. Ich wollte nicht zu viel darüber nachdenken, sondern es einfach entstehen lassen.“ Also auch hier wieder: loslassen.

Wieder anfreunden dürfen sich die beiden jedenfalls mit dem Gedanken an Konzerte, steht doch bereits am 2. Juni die Albumpräsentation im Wiener Porgy & Bess an. „Ich freue mich sehr auf diesen Sommer und Herbst“, strahlt Hader. „Live spielen wir mit einem Drummer. Die Songs sind in der Essenz die gleichen, aber wir öffnen gewisse Sachen.“ Könne man im Studio unzählige Spuren übereinanderlegen oder Takes einfach immer wiederholen, gehe es auf der Bühne mehr um den Moment als solchen. Und Godino durchlebt ihrerseits die Texte aufs Neue: „Ich steige jedes Mal wieder in das Gefühl ein. Das ist schon sehr intensiv. Ich habe überlegt, wie es auch anders gehen könnte. Aber dann ist es aus meiner Sicht nicht so authentisch.“ Elis Noa versprechen jedenfalls eine „ganz andere Erfahrung“ als auf Platte, meint Godino mit einem Augenzwinkern. „Es lohnt sich also, zum Konzert zu kommen!“

(Das Gespräch führte Christoph Griessner/APA)

(S E R V I C E – Elis Noa live: 2.6. Porgy & Bess Wien, 26.6. Spielboden Dornbirn, 2.7. Perspektiven Attersee, 29.7. Mühlenrauschen Festival St. Veit an der Glan, 29.9. Kammgarn Hard, 1.10. Die Bäckerei Innsbruck; weitere Termine und Infos unter )

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