Eltern: Probleme mit Laptops und Tablets an Schulen

Wegen „Funktionsmängeln“ bei den bestellten Windows Tablets wartet ein Viertel der Jugendlichen, die das Bildungsministerium in diesem Schuljahr bei seiner Digitalisierungsoffensive erstmals mit günstigen Laptops und Tablets ausstatten wollte, noch immer auf ein Gerät. Doch auch bei den Schülerinnen und Schülern der 5. und 6. Schulstufe, die bereits beliefert wurden, sehen Elternvertreter Verbesserungsbedarf: Die Laptops und Tablets würden nämlich zu selten genutzt.

250 Mio. Euro hat das Bildungsministerium für die Laptops und Tablets in die Hand genommen. Die Schüler übernehmen ein Viertel der Kosten, dafür gehen die Geräte in ihr Eigentum über. Im Unterricht seien die Geräte allerdings zum Teil im vergangenen Wintersemester nur ein einziges Mal eingesetzt worden, kritisierte der Sprecher des Bundesverbands der Elternvereine an mittleren und höheren Schulen (BEV), Christoph Drexler, am Mittwoch im Ö1-„Morgenjournal“. „Einmal im Semester ist doch etwas wenig für das, dass die Geräte viel gekostet haben und dann natürlich auch sinnvoll eingesetzt werden sollten.“

93 Prozent der Schulen haben sich im ersten Jahr an der Geräteinitiative beteiligt, über die künftig jedes Jahr die Schülerinnen und Schüler der 5. Schulstufe (1. Klasse Mittelschule bzw. AHS) günstige IT-Geräte erhalten sollen. Voraussetzung dafür ist ein Konzept, wie die Geräte im Unterricht eingesetzt werden sollen. Die Elternvertreter hätten allerdings den Eindruck, dass es „in der Umsetzung zum Teil auch hapert“, so Drexler. Er hofft, dass die Einführung des neuen Pflichtfachs „Digitale Grundbildung“ im kommenden Schuljahr einen Schub bringen wird. Schließlich müssten die Geräte dann auf jeden Fall dafür in die Schule mitgebracht werden – „und dann werden die Geräte hoffentlich auch über diese eine Stunde hinaus verwendet“.

Doch auch bei der Hardware an den Standorten hapert es laut Drexler immer noch: An vielen Standorten gebe es nur unzureichendes Internet oder zu wenige Steckdosen, damit alle Schüler ihre Geräte auch wirklich nutzen können. Im Bildungsministerium wurde laut dem Bericht betont, dass an den Hardwareproblemen gearbeitet werde. Zuständig seien aber die Schulerhalter, bei den Mittelschulen seien das vielfach Länder und Gemeinden. An AHS, bei denen der Bund zuständig ist, soll es mit Ende dieses Schuljahres überall Breitbandinternet und leistungsfähiges WLAN geben.

Offen ist für NEOS-Bildungssprecherin Martina Künsberg Sarre unterdessen weiterhin, wer ab Herbst das Fach „Digitale Bildung“ überhaupt unterrichten wird. „Ein neues, eigenes Fach einzuführen, ohne die Lehrerinnen und Lehrer mit entsprechenden Ressourcen und Kenntnissen auszustatten, ist eine Farce“, kritisierte sie per Aussendung. Überhaupt fehle Ressortchef Martin Polaschek (ÖVP) „das Anliegen, die Vision und das Ziel in der Bildungspolitik“, zeigte sie sich mit dessen Antworten im heutigen Interview mit dem Ö1-„Morgenjournal“ unzufrieden.

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Enttäuscht reagierte auch SPÖ-Bildungssprecherin Petra Vorderwinkler auf Polascheks Ausführungen in diversen Interviews zu den Problemen mit den Tablets, zum kritisierten Corona-Bonus für Schulleiter oder ukrainischen Schülern an den heimischen Schulen. „Nach jedem Interview des Ministers sind mehr Fragen unbeantwortet als zuvor. Akute Fragen kann er nicht beantworten und mittelfristige Fragen will er angesichts der akuten Fragen, die sich stellen, nicht beantworten.“ Auch eine Vision, wie die Schule in zehn oder zwanzig Jahren aussehen solle, fehlt Vorderwinkler. Für sie ist der Minister „rücktrittswürdig“. Auch von der FPÖ kam erneut Kritik, wonach Polaschek keine Antworten liefere. „Entweder kommt Martin Polaschek rasch in den Arbeitsmodus, oder er lässt es bleiben und legt sein Ministeramt zurück“, so Bildungssprecher Hermann Brückl.

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