Elvis lebt

Der Pop hat seinen Michael Jackson, der Blues seinen B. B. King und der Rock 'n' Roll seinen Elvis Presley. Legenden, die bis heute fest in den Köpfen der Menschen verankert sind. Mit über einer Milliarde verkaufter Platten gilt Elvis Presley bis heute als der King of Rock 'n' Roll und als erfolgreichster Solokünstler aller Zeiten. Sein Tod am 16. August 1977, also vor genau 40 Jahren, entsetzte nicht nur Familie und Freunde, sondern auch Millionen Fans, von denen sich zigtausende nach der Beerdigung vor seinem Anwesen in Memphis versammelten. Elvis in Zitaten aus seinen Songs.

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Text: Hannah Matscheko

„Jetzt liegt die Bühne verlassen und ich stehe da und spüre die Leere, die mich umgibt“, sang Elvis Presley in „Are you Lonesome Tonight?“ (1969), einem seiner vielen Nummer 1-Hits. Sein Tod vor nun 40 Jahren ist bis heute für viele Fans nur schwer erträglich. Seit Elvis Presleys Anwesen Graceland (Memphis, Tennessee) öffentlich zugänglich gemacht wurde, wird seine Grabstätte täglich von Tausenden Menschen besucht. Fast, als hätte er die Massentrauer erahnt und seinen Fans darüber hinweg helfen wollen, schrieb Presley mehrere Songs über Einsamkeit, Verlust und Trauer. „Ist dein Herz erfüllt von Schmerz? Soll ich wieder zurückkommen?“ singt er weiter. Diese Zeilen, auf den ersten Blick an eine Frau gerichtet, berühren viele Fans in ganz besonderer Weise, könnten sie doch direkt an sie gerichtet sein. „Wenn du nicht zu mir zurückkommst, dann sorge dafür, dass der Vorhang fällt.“ Doch soweit sind die Menschen noch nicht. Zu Tausenden strömten sie gerade erst im Juni in die Wiener Stadthalle, um ihren Weltstar „Live on Screen“ zu erleben. Seinem Tod zum Trotz projizierte man den King of Rock ‘n‘ Roll auf eine große Leinwand, lauschte den schönsten Balladen und feierte und tanzte zu seinen rockigsten Nummern. Fast so, als wäre er noch da.

Durchbruch mit „Baby Let’s Play House“

Geboren am 8. Januar 1935 in Tupelo, Mississippi, beschäftigte sich Elvis seit seiner Kindheit mit seiner Gitarre und der Musik. Als ihm im Jahr 1955 mit Unterstützung seines Managers „Colonel“ Tom Parker mit „Baby Let’s Play House“ national der Durchbruch gelang, begann Presleys traumähnliche Reise an die Spitze der Weltcharts und in die Herzen seiner Fans. Mit „Heartbreak Hotel“ sang er sich 1956 auf Platz 1 der amerikanischen Hitparaden und nach mehreren Auftritten in der „Stage Show“ und dem immensen Erfolg seiner ersten Langspielplatte schaffte er es endgültig, die Musikwelt auf den Kopf zu stellen.
Doch schon damals sang er: „Obwohl sich überall Menschen tummeln, finden Verliebte mit gebrochenem Herzen immer einen Platz, um in der Dunkelheit zu weinen. Ich bin so einsam, Baby. Ich bin so einsam, ich könnte sterben.“ (Heartbreak Hotel, 1956) Die Botschaft des Songs ist klar: Ein Liebender vermisst seine Freundin, die sich gerade von ihm getrennt hat. In der Rückschau lassen sich die Zeilen aber auch uminterpretieren: Wie viele Sänger war auch Elvis Presley Zeit seines Star-Lebens ständig von Hunderten von Menschen umgeben. Zigtausende feierten und jubelten auf seinen Konzerten. Zurück im Hotelzimmer war er aber ein Mensch wie jeder andere und alleine. In den 1970ern war Elvis zunehmend gesundheitlich angeschlagen, was man ihm auf der Bühne auch ansah. Die cortisonhaltigen Medikamente, die er einnahm, ließen sein Erscheinungsbild aufgedunsen wirken.

Priscilla: „Wir haben in einer Blase gelebt.“

Eine Stütze waren ihm in den ersten Jahren wohl seine Frau Priscilla Beaulieu und die gemeinsame Tochter Lisa Marie. Doch auch sie litten unter Elvis‘ Lebenswandel. Gemeinsame Unternehmungen waren mit einem riesen Aufwand verbunden, überall waren ihnen Fotografen auf den Fersen. „Er musste den ganzen Vergnügungspark mieten, wenn wir Achterbahnfahren und Go-Karts fahren gingen“, erinnerte sich Priscilla, die von 1967 bis 1973 mit Elvis verheiratet war, später in einem Interview. „Wir haben wirklich in einer Blase gelebt.“ Unter diesem Leben leidend und mit dem Wunsch, sich selbst zu finden, beschließt die damals 27-Jährige Priscilla, sich von ihrem Mann zu trennen. Nach der Scheidung stürzte sich Elvis Presley noch mehr in einen äußerst ungesunden, rastlosen Lebensstil.
Was er jedoch selbst in den dunkelsten Zeiten nie verlernte, war, eine Bühnenshow der ganz besonderen Art hinzulegen und durch seine Lieder tiefgreifende Botschaften an seine Fans zu senden. „Versteht ihr denn nicht? Das Kind braucht eine helfende Hand, oder es wird eines Tages zu einem zornigen jungen Mann heranwachsen“, singt er in einem seiner erfolgreichsten Songs, „In the Ghetto“ (1969), „Sind wir zu blind um zu sehen, oder drehen wir unsere Köpfe einfach weg und schauen weg?“ Das ernste Stück thematisiert die Armut in den Ghettos, die Gleichgültigkeit der Gesellschaft und wie schwer es dort aufwachsende Kinder haben, der Kriminalität zu entgehen. Unzählige Male wurde das Lied von anderen Künstlern wie Marilyn Manson, Dolly Parton, The Cranberries oder 2007 auch von Tochter Lisa Marie Presley gecovert. Doch auch aufbauende und positive Botschaften schickte Elvis an seine Fans: „Schau nicht so traurig, ich weiß es ist vorbei. Aber das Leben geht weiter und die Welt nicht unter. Lass uns froh sein, für die Zeit die wir zusammen hatten. Es ist nicht nötig, die Brücken anzusehen, die verbrannt sind.“ („Good Times“, 1974)
Nach etlichen erfolgreichen Jahren rang Elvis sein ungesunder Lebensstil jedoch zu Boden, das Konzert in der „Market Square Arena“ in Indianapolis (Indiana) am 26. Juni 1977 sollte sein letztes bleiben. Wenige Wochen später, am 16. August, starb Elvis Presley bei sich zu Hause in „Graceland“ in seinem Badezimmer. Offizielle Todesursache: Herzrhythmus-Störung. Höchstwahrscheinlich bedingt durch Medikamentenmissbrauch. Einer von Presleys Gospelsongs aus dem Jahr 1967, „How Great Thou Art“, lässt darauf schließen, dass der King of Rock ‘n‘ Roll auch durch seinen Glauben dem Tod positiv gegenüber stand: „Wenn Christus kommen wird, mit rauschendem Beifall und mich nach Hause holt, welche Freude wird mein Herz erfüllen. Dann werde ich mich in demütiger Bewunderung verbeugen und verkünden: ‚Mein Gott, wie großartig bist du!‘“
Der echte Elvis Presley mag gegangen sein, doch die Erinnerung an ihn, seinen Hüftschwung, seine Koteletten, seinem glitzernden Ganzkörper-Jumpsuit und natürlich seine unvergleichbaren Stimme, und seine Musik bleiben. „Das Buch des Lebens ist kurz. Ist die Seite einmal gelesen, ist alles außer der Liebe tot. Das ist, woran ich glaube.“ („And I Love You So“, 1975)