Ende Mai waren 392.360 Personen ohne Job

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Die Arbeitslosigkeit ist im Mai weiter gesunken. Mit 392.360 arbeitslos gemeldeten bzw. in Schulung befindlichen Personen wurde Ende Mai die 400.000er-Grenze unterschritten. Am Höchststand der Coronapandemie, im April 2020, waren fast 600.000 Menschen auf Arbeitssuche. Doch verglichen mit dem Stand von 2019, also vor der Krise, waren im Mai noch rund 49.000 Personen mehr auf Jobsuche als damals. Im Jänner 2021 waren es allerdings noch um rund 110.000 Personen mehr als 2019.

„Die Monatsbilanz zeigt eine deutliche Entspannung im Vergleich zum Vormonat. Die Effekte gehen zurück auf die Öffnungen in Gastronomie, Tourismus, Kunst- und Sportbereich“, kommentierte Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) am Dienstag die aktuellen Arbeitslosenzahlen bei einer Pressekonferenz in Wien. Die Arbeitslosigkeit sei „noch hoch“, habe sich aber „deutlich reduziert“ seit Beginn der Coronakrise. Erfreut zeigte sich Kocher über den sprunghaften Anstieg der sofort verfügbaren Stellen. Dies würde „die sehr starke Dynamik“ am Arbeitsmarkt zeigen.

In den nächsten Wochen erwartet der Arbeitsminister noch einen leichten Rückgang der Arbeitslosenzahlen und dann eine Stagnation, weil es Effekte durch das Zurückfahren der Corona-Kurzarbeit geben werde. Ende Mai waren noch rund 330.000 Personen zur Kurzarbeit angemeldet. Diese Zahl könne man aber erst im Nachhinein beurteilen, weil viele Betriebe im Bereich Tourismus, Gastronomie sowie Kultur- und Veranstaltungswesen die Mitarbeiter aus Vorsicht zur Kurzarbeit angemeldet hätten, so der Arbeitsminister. Kocher rechnet damit, dass die Zahl der Kurzarbeitenden bis Ende des Sommers auf 100.000 bis 120.000 fallen wird. Bisher hat das Arbeitsmarktservice (AMS) rund 11 Mrd. Euro an Corona-Kurzarbeitshilfen zugesagt und davon über 7,9 Mrd. Euro ausbezahlt.

Am Dienstagnachmittag ist noch eine Verhandlungsrunde zur Verlängerung der Corona-Kurzarbeit zwischen Arbeits- und Finanzministerium sowie den Sozialpartnern angesetzt. Die Phase 4 der Corona-Kurzarbeit läuft Ende Juni aus. Die Verhandler erwarten heute eine Einigung. Kocher sieht keine Knackpunkte bei den Gesprächen, etwa zur Laufzeit und den Selbstbehalten für Betriebe. „Es hakt eigentlich gar nicht“, so der Arbeitsminister.

Nach dreimaliger Verlängerung der Corona-Kurzarbeit ohne tiefgreifende Änderungen will Kocher nun eine Kostenbeteiligung für Unternehmen einführen. Weiters ist anvisiert die Mindestarbeitszeit zu erhöhen, stärkere Anreize für Weiterbildung während der Kurzarbeit zu setzen und die wirtschaftlichen Gründe für Kurzarbeit strenger zu überprüfen. Unternehmen können die Corona-Kurzarbeit seit März 2020 in Anspruch nehmen.

Auch der Vorstand des Arbeitsmarktservice (AMS), Johannes Kopf, ist mit dem Aufwärtstrend am Arbeitsmarkt zufrieden. „Die durchwegs erfreulichen Arbeitsmarktzahlen Ende Mai 2021 zeigen, wie stark es in unserem Land nun endlich wieder wirtschaftlich bergauf geht“, so Kopf in einer Stellungnahme. Der Vergleich mit dem Vorjahr – so erfreulich er auch sei – könne aber „noch nicht vollständig zufriedenstellen“. „Noch sind wir nicht alle geimpft, noch brauchen wir Abstand, noch gibt es eine Reihe von Einschränkungen und das sehen wir auch in einem Vergleich mit 2019“, sagte der AMS-Chef.

Im traditionellen Vergleich zum Vorjahresmonat wird der Mai 2021, in dem die Öffnungen nach dem Lockdown stattfanden, mit dem Mai 2020 verglichen, als die Pandemiefolgen noch viel stärker waren. Die Arbeitslosigkeit (inklusive Schulungsteilnehmer) ging zum Vorjahr um 24,1 Prozent zurück, bei den Männern mit 25 Prozent noch stärker als bei den Frauen mit 23,2 Prozent. Prozentuell am stärksten war der Rückgang in Salzburg mit 37,4 Prozent, in absoluten Zahlen am größten fiel der Rückgang in Wien aus, mit 26.742 weniger Arbeitslosen.

Die Arbeitslosenquote ist von 8,7 Prozent im April auf 7,7 Prozent im Mai gesunken. Die Zahl der beim AMS sofort verfügbaren offenen Stellen stieg im Vorjahresvergleich um fast 70 Prozent auf 97.632. Auch die Zahl der offenen sofort verfügbaren Lehrstellen legte um 39 Prozent zu, damit gibt es mehr offene Lehrstellen (6.373) als Lehrstellensuchende (5.443).

Die Coronakrise wirkte sich auf die Länge der Arbeitslosigkeit aus: Die Zahl der Langzeitarbeitslosen, die mehr als zwölf Monate keinen Job finden, stieg im Vorjahresvergleich um fast 60 Prozent auf 91.912 Personen. In den verschiedenen Altersgruppen sank die Arbeitslosigkeit am stärksten bei Jugendlichen unter 25 Jahren, wo sie um 27,9 Prozent zum Vorjahresmonat sank, gefolgt von Arbeitslosen im Haupterwerbsalter (25 bis 49 Jahre), wo sie um 26,4 Prozent zurückging. Bei Älteren ab 50 Jahren sank die Arbeitslosigkeit nur mehr um 17,4 Prozent. Nach Branchen betrachtet fiel der Rückgang der Arbeitslosenzahlen inklusive Schulungsteilnehmer am stärksten in Beherbergung und Gastronomie aus (minus 46,6 Prozent), gefolgt vom Bau mit minus 30,9 Prozent und Verkehr und Lagerwesen mit minus 29,2 Prozent.

Die Oppositionsparteien und die Arbeitnehmervertreter fordern von der türkis-grünen Bundesregierung ein stärkeres Gegensteuern am Arbeitsmarkt. „Die von der Regierung geplanten Maßnahmen werden nicht reichen, um die Zahl der arbeitslosen Menschen auf das Niveau vor der Coronakrise abzusenken“, so SPÖ-Sozialsprecher Josef Muchitsch in einer Aussendung. „Mit dem Ende der Steuerstundungen wird nämlich diese hohe Arbeitslosigkeit wieder voll ansteigen und zusätzlich eine große Armut in vielen Teilen unserer Bevölkerung bewirken“, erwartet FPÖ-Sozialsprecherin Dagmar Belakowitsch. Kritik übte Belakowitsch an Arbeitsminister Kocher, dass dieser bei der Pressekonferenz am Dienstagvormittag „noch nichts Konkretes“ zur Verlängerung der Corona-Kurzarbeit gesagt hat.

Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl verwies darauf, dass insbesondere die Langzeitarbeitslosigkeit „eine große Herausforderung“ bleiben werde. „Wir sollten schnellstmöglich auf diese drohende Situation reagieren“, so Anderl. ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian forderte – wie bereits gestern – die Einrichtung einer Umweltstiftung zur Ausbildung von Fachkräften. Im Bereich Umwelt, thermische Sanierung und erneuerbare Energien gebe es viel Potenzial für die Weiterbildung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. „Wir wären in der Lage, bei finanzieller Unterstützung in einem ersten Schritt bis zu 1.000 ArbeitnehmerInnen im Rahmen einer Umweltstiftung umzuqualifizieren“, so der ÖGB-Präsident.

Das sozialliberale Momentum Institut wies in einer Stellungnahme darauf hin, dass das Risiko, durch die Coronakrise arbeitslos zu werden, in der Gesellschaft „stark ungleich verteilt“ sei. In der obersten Einkommensgruppe wurden laut dem Institut nur 1 Prozent der Erwerbstätigen arbeitslos, während in der zweitniedrigsten Gruppe hingegen nur jede zehnte Person ihren Job verloren hat.

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