Ende telefonischer Krankmeldung – außer bei Corona-Verdacht

Die zu Beginn der Corona-Pandemie eingeführte Option der telefonischen Krankmeldung besteht ab Dienstag nur mehr für Menschen mit Covid-19-Symptomen. Für alle anderen Erkrankten ist es ab sofort nicht mehr möglich, sich ohne Arztbesuch krankschreiben zu lassen. Die Möglichkeit der elektronischen Übermittlung von Rezepten bleibt aber erhalten.

Die telefonische Krankmeldung war Mitte März eingeführt worden, um die Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus in Arztpraxen zu reduzieren. Für “normale” Erkrankte läuft diese Variante nun aus, Menschen mit Corona-Symptomen können bis Ende des Jahres davon Gebrauch machen. Sollten die Corona-Zahlen in Österreich im Herbst massiv ansteigen, könnte die Möglichkeit befristet wieder auf alle Betroffenen ausgedehnt werden, teilte die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) mit.

Dass die Maßnahme nicht generell verlängert wurde, stößt im Gesundheitsbereich teils auf Unverständnis. Für Patientenanwalt Gerald Bachinger ist das Auslaufen “ein vollkommen falsches Signal”, Ärztekammer-Vizepräsident Johanes Steinhart befürchtet eine “bürokratische Wurschtlerei”.

Laut Steinhart wäre es “das einfachste” gewesen, die generelle Möglichkeit der telefonischen Krankmeldung zu lassen. Durch den am Tag vor dem Auslaufen der Regelung von der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) verkündeten Kompromiss befürchtet er bürokratisches Chaos. “Es kommt die Influenza-Zeit, es kommt de Covid-Zeit”, sagte er und betonte, die Symptome der einzelnen Krankheiten seien vom Arzt oder der Ärztin per Telefon nicht erkennbar.

“Diese Lösung verursacht noch mehr Missverständnisse und noch mehr Chaos”, sagte auch Patientenanwalt Bachinger. Eine Differenzierung per Telefon sei schwierig. “Das geht dann dahin, dass entweder alle Verdachtsfälle sind oder dass die telefonische Krankmeldung überhaupt nicht mehr zum Einsatz kommt”, malte er zwei Szenarien an die Wand. Die geteilte Lösung “wird nicht funktionieren”, prophezeite er.

Ganz grundsätzlich versteht Bachinger nicht, warum man etwas zurücknimmt, das gut funktioniert habe und das von den Patienten gut angenommen wurde. Für den Herbst rechnet er mit “massiven Beschwerden” von Patientenseite, sagte er im Gespräch mit der APA. Trotz aller Corona-Herausforderungen hätte die Krise in manchen Bereichen nämlich auch einen Nutzen gehabt – wie zum Beispiel die telefonische Krankmeldung voranzutreiben, sagte er.

Gescheitert ist eine generelle Fortsetzung laut Bachinger am Widerstand der Arbeitgebervertreter in der ÖGK, die eine missbräuchliche Verwendung befürchtet hätten. Dafür gebe es dem Patientenanwalt zufolge aber “keine Anzeichen”, sagte er. Die Krankenstandsmeldungen seien zuletzt massiv zurückgegangen – und selbst wenn es einzelne Fälle von Missbrauch gebe, müsse man “nicht das ganze Werk abdrehen”. Stattdessen solle man lieber Kontrollmechanismen schaffen, schlugen Bachinger und Steinhart unisono vor.

Noch diese Woche sei ein Gespräch der Patientenanwälte mit Vertretern der ÖGK im Gesundheitsministerium mit Minister Rudolf Anschober (Grüne) geplant. Bachinger kündigte an, sich dort vehement für eine generelle Verlängerung der telefonischen Krankschreibung einsetzen zu wollen.

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