Energietankstellen

Wenn man sich in der Natur aufhält, dann tankt man Energie, heißt es. Kommt man dabei auch an ganz besondere Orte, Kraftplätze genannt, dann werden daraus „fabelhafte“ Naturerlebnisse, wie es im neuen Buch von Nina Stögmüller heißt. Um solche Erfahrungen zu machen und Eindrücke und Sagenhaftes niederzuschreiben, war die „Märchenfee“ gemeinsam mit dem Wanderexperten Robert Versic im Mühlviertel unterwegs.

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Nina Stögmüller, Robert Versic: Märchenhafte Kraftplätze. Wandern im Mühlviertel. Verlag Anton Pustet, 260 S., € 24,90 © Verlag Anton Pustet

Heilige Steine, die Millionen Jahre alt sind und seit jeher als Kultplätze besondere Aufmerksamkeit von den Menschen erhielten — manche mit Spuren, die bis heute Rätsel aufgeben; Quellen, denen heilsame Kräfte nachgesagt werden; Plätze, an denen wundersame Rettungen geschahen und die zu Wallfahrtsorten wurden. Die Verehrung reicht an manchen Stellen schon Jahrtausende zurück, dort wurde gebetet und es wurden Opfer gebracht. Vielleicht haben Sie ja auch Lust, ein paar Blumen, Blätter oder andere kleine Gaben an einem besonderen Ort zu hinterlassen als Dankeschön dafür, dass es so schön war. Man kann anhand dieses Buches einfach 25 Wanderungen machen: Ausführliche Wegbeschreibungen inklusive Gehzeit, Steigung und Einkehrtipps vom Wanderprofi leiten dazu an. Oder man lässt sich auf die besondere Schönheit, Energie, Harmonie oder einfach nur Ruhe ein, die manche Orte ausstrahlen. Dazu hat Nina Stögmüller alte Sagen und Geschichten zusammengetragen, sich aber auch zu eigenen Märchen inspirieren lassen.

Bezirk Freistadt, Thurytal und St. Peter: Die Rundtour führt durchs romantische Thurytal, Ausgangs- und Endpunkt ist Freistadt. Für die zwölf Kilometer veranschlagt der Wanderexpterte knapp vier Stunden Gehzeit. Vom Thurytal führt der beschriebene Weg über die Wälder der Bockau zur Waldandacht und über einen bewaldeten Höhenzug weiter zur Kirche St. Peter. Von dort geht es zurück nach Freistadt. Gleich mehrere Sagen bringen das romantische Tal in Verbindung mit dem Teufel. So soll dieser versucht haben, das Wasser der Feldaist aufzustauen, um die Stadt Freistadt zu zerstören. Zwei Riesen sollen das zum Glück verhindert haben. Eine Felsformation, der Teufelsstein, erinnert daran, dass der Beelzebub hier sein Unwesen getrieben hat. In heilige Gefilde begibt man sich, wann man auf dem Weg zum Kirchlein St. Peter kommt, diese und die benachbarte Kapelle St. Michael ob Rauchenödt sollen zwei Brüder, Peter und Michael, gespendet haben als Dank für ihre Rettung, nachdem sie sich verirrt hatten. Drei mächtige Linden bei St. Peter spürt Stögmüller als Ort der Harmonie auf.

Perg, Rechberger Schwammerling: Eher gemütlich geht es auf der zweieinhalb- bis dreistündigen Tour rund um Rechberg zu, bei der man dem Schwammerling begegnet, der jeden Moment zu kippen scheint. Es geht durch den Naturpark Mühlviertel, zum Freilichtmuseum Großdöllnerhof, auf die Karl-Weichselbaumer-Warte und schließlich zurück nach Rechberg. Der Granit aus der Gegend wird als ältester des Mühlviertels betrachtet und hat charakteristische Verwitterungsformen gebildet, zu denen der Rechberger Schwammerling zählt, der als Wahrzeichen der Gegend gilt. Auf einem mehr als drei Meter hohen Felsen balanciert der ovale Granitblock erstaunlichen Ausmaßes: zwei Mal fünf Meter. Wenn sich so ein Wackelstein bewegt hat, dann fanden das die Menschen früher gar nicht bedrohlich, im Gegenteil: Es hieß, das würde sich auf die Fruchtbarkeit der Böden in der Gegend positiv auswirken. Die Heiden verehrten die Mutter- und Erdgöttin an diesem Ort. Auch als Orakel und für Weissagungen nutzte man die Stätte und die Steine. Die Franzosen unter Napoleon sollen einst versucht haben, den Stein mit Pferdestärken vom Plateau zu ziehen – ohne Erfolg. Er steht noch immer genauso dort und erfreut die Besucher.

Kopfwehstein und Lichtenberg: Als Naherholungsgebiet für die Linzer übt die Gis schon lange große Anziehungskraft aus. Da könnte aber auch mehr dahinter stecken: Eine Station der im Buch beschriebenen Wanderung dorthin ist der wenig bekannte Kopfwehstein, auf dem der Heilige Wolfgang einst seine Spuren hinterlassen haben soll: Der Sage nach soll er den Stein als Kopfpolster benutzt haben. Wer es dem Heiligen nachmacht, wird von Kopfschmerzen befreit, heißt es. Dafür wurde in unseren Tagen sogar eine Holzpritsche an das steinige Kopfkissen angefügt. Aber das ist noch nicht alles, was der Heilige Wolfgang hier hinterlassen hat. Dort, wo er seinen Hut gelegt und sich hingesetzt hat, um Andacht zu halten, gibt es gleich in der Nähe einen weiteren Stein, den eine ringförmige Aussparung ziert. Um diese herum hat man eine kleine Kapelle gebaut. Der zu diesen Krafterlebnissen gehörige Wanderweg führt von der Eidenberger Alm durch den Wald zum Kopfwehstein und zur Wolfgangkapelle und schließlich auf den Lichtenberg mit der Giselawarte, ehe es zurückgeht auf die Alm.

Haslach an der Mühl, Heilig-Wasser-Kapelle: Auf dem Tanzbodenweg geht es gut drei Stunden lang von Haslach an der Mühl aus über die Höhenrücken bis zur Heilig-Wasser-Kapelle und über den Weiler Hörleinsödt nahe der tschechischen Grenze rund um den Tanzboden wieder zurück. Von dort, wo heute die Heilig-Wasser-Kapelle in Lichtenau steht, sollen einst Stimmen und Gesang rund um eine Quelle zu hören gewesen sein. Sie verstummten jedoch, als das erste Kirchlein hier gebaut wurde. Dieses verfiel, nach dem Zweiten Weltkrieg sollen französische und belgische Soldaten aus Dankbarkeit darüber, die Kriegswirren überlebt zu haben, ein neues gestiftet haben. Dem Wasser, das hier aus mehreren Stellen sprudelt, wird seit jeher heilende Wirkung nachgesagt, früher sprudelte es auch bei der Felsnische mit der Muttergottes gleich neben der Kapelle.