Engelhartszell als neuer Hotspot für moderne Kunst

Kunsthändler Irene und Josef Schütz über Sammelleidenschaft, Kunst aus China und was man im neuen Museum erwarten kann

Das Kunsthändler-Ehepaar Irene und Josef Schütz
Das Kunsthändler-Ehepaar Irene und Josef Schütz © Schütz Fine Arts

Das erfolgreiche Kunsthändler-Ehepaar Irene und Josef Schütz legte am Freitag den Grundstein für ihr Schütz-Privatmuseum in Engelhartszell.

Das architektonisch in Kuben gegliederte Gebäude zwischen Stift und Fluss, geplant auch nach den Kriterien des chinesischen Feng Shui, tritt als luftig freie Verbindung zwischen Mühlviertel und Donau in Erscheinung und soll Engelhartszell künftig zu einem Zentrum für internationales Kunstgeschehen machen.

Für den Baumeister Josef Schütz, der aus Walding stammt, begann 1993 die Sammlerpassion, als er mit seiner Frau an der Cote d’Azur das erste von mittlerweile 120 Eisenschitz-Bildern erwarb. 1995 gründete das Paar eine Galerie in der Linzer Bischofstraße und seit 2003 betreibt „Schütz Fine Arts“ im 1. Wiener Bezirk zwei Galerien, eine davon auf zeitgenössische chinesische Kunst spezialisiert. Das VOLKSBLATT traf Irene und Josef Schütz in der Galerie in der Gluckgasse in Wien.

VOLKSBLATT: Was bewog Sie, ein Museum gerade in Engelhartszell zu gründen?

JOSEF SCHÜTZ: Wir haben uns die Voraussetzungen genau angesehen. Viel günstiger kann ein Ort geografisch kaum liegen. 250.000 Passagiere kommen auf Donauschiffen her, 80.000 Radtouristen, Bad Füssing mit 3,5 Millionen Nächtigungen liegt in der Nähe. Diesen Besuchern gemeinsam ist die freie Zeit. Im süddeutschen Raum um Passau leben 2,5 Millionen Menschen. Ich konnte bei unserer letzten Ausstellung (Anm.: Werner Berg im Schloss Neuburg bei Passau, Juli-August 2020) sehen, wie groß das Interesse an Kunst ist.

Sie errichten ein privatwirtschaftlich geführtes Museum, haben Sie nach der Motohall in Mattighofen keine Scheu vor Anfeindungen? Wie finanziert sich das Projekt?

Die Errichtung wird zu 100 Prozent privat finanziert. Für den laufenden Betrieb erhalten wir hoffentlich vom Bund eine Förderung, wobei trotzdem unser Ehrgeiz in einer größtmöglichen Eigenständigkeit liegt.

Wie wollen Sie Publikum anziehen? Welche Aktionen sind geplant?

In erster Linie mit hochqualitativen Ausstellungen. Außerdem wollen wir jährlich 40 bis 50 nationale und internationale Künstler als Artists in Residence einladen. Die Museumsbesucher haben Gelegenheit, mit den Künstlern in Kontakt zu treten, sie bei ihren Prozessen zu erleben – wobei natürlich aber auch die Künstler die Möglichkeit zum Rückzug wahren können. Wir wollen den besten Künstlern unserer Artists in Residence dann eigene Ausstellungen widmen. Die großartige chinesische Künstlerin Li Hua wird eine der ersten sein. Wir halten unsere Augen auch offen nach Afrika, Südamerika, Russland. Ein Konglomerat aus der ganzen Welt.

Sie vertreten große Namen der österreichischen Kunstgeschichte sowie das Who’s who der Zeitgenossen. Werden die alle in Engelhartszell zu sehen sein?

Ja, es gibt große Namen wie Klimt, Schiele, Kokoschka. Wir haben auch gute Kooperationen mit bedeutenden Museen. Bis zu 90 Prozent wollen wir jedoch aus privaten Sammlungen zusammenstellen, aus Bildern und Werken, die im Belvedere, Lentos oder Landesmuseum nicht zu sehen sind. Tolle Exponate aus Privatbesitz, zum Teil erstmals öffentlich zu sehen. In Themen gruppiert, wobei uns der Donauraum von Deutschland bis zum Schwarzen Meer vorschwebt.

Corona hat Kunstschaffende und Kunstbetrieb hart getroffen. Sie wurden 2017 als bester klassischer Kunsthändler mit dem ViennaARTaward ausgezeichnet. Wie entwickelt sich der Kunsthandel nun?

Die meisten Kunstschaffenden durchleben eine wirklich harte Zeit. Im Kunsthandel, wie wir ihn betreiben, ist davon wenig zu spüren. Kunst boomt als Anlageform, treibt gelegentlich auch absurde Blüten. Ein Werk Albert Birkles etwa, für das wir bei einer Auktion bei einem Ausrufpreis von etwa 60.000 bis 150.000 Euro mitboten, wurde letzten Endes um mehr als 800.000 Euro verkauft.

Sie gehören zu den wenigen Galeristen, die den Kontakt zur chinesischen Kunst suchen. Wie kamen Sie dazu?

In Österreich betreiben wir sicher den offensivsten Kulturaustausch zwischen China und Europa. Ich kam dazu wie die Jungfrau zum Kind. Auf unsere Initiative organisierten wir mit dem ehemaligen chinesischen Botschafter 2011 eine große Ausstellung in Peking: „Willi Eisenschitz goes China“. Binnen weniger Tage kamen mehr als hunderttausend Besucher. Sehr viele junge Leute sind dort immens kunstinteressiert. Weitere Ausstellungen folgten. Für „Austrian Art 1860–1960“ erhielten wir den Staatspreis der Volksrepublik China für die beste Ausstellung. Erstmals wurde der an ein ausländisches Projekt verliehen! Leitfigur und Mentor für uns ist immer wieder der Diplomat und Germanist Professor Li. Er hat viel Leid, Umbruch und Gewalt erfahren, hat Frieden geschlossen und ist tief versöhnt. Seine ehemaligen Studenten, die zum Teil höchste Ämter bekleiden, verehren ihn. Mit 86 Jahren ist er immer noch fit und für alle Späße zu haben, ein wahrer Freund, Basis aller Kontakte und Verbindungen nach China. Darunter auch die Enkelin des letzten chinesischen Kaisers Pu Yi.

Wer kauft Kunst in China?

Es gibt Käufer und Kapital, dessen Potenzial man nur ahnen kann. Als Beispiel: Wir stellten Sezessionskunst in Quingdao (ehem. deutsche Kolonie) aus, wieder sehr gut besucht. Ein bekannter Sammler fragte, was der Katalog koste. Den wollte ich ihm natürlich schenken. Er hatte aber den Preis für sämtliche Werke des Katalogs wissen wollen. Aus dieser Begebenheit entwickelte sich eine Freundschaft. Ich berate auch viele Kunden aus China, die nach Europa kommen.

Wie wählen Sie ihre Künstler für Ihre Ausstellungen?

Die Künstler wählen mich. Wenn ich in China bin, melden sich Akademien, Museen, Galerien, die besten Berater. Die künstlerische Qualität, die in China zur Verfügung steht, ist hervorragend. Die Studienpläne dort sind grundsätzlich nicht viel anders als bei uns. Die Studienbedingungen hingegen rigoros, die Studienzeit knapp bemessen. Die Meinung des Meisters hat noch immer große Bedeutung. China investiert viel Geld in talentierte junge Menschen. Ein Studienplatz kostet umgerechnet etwa 40.000 Euro pro Semester. Die Aufnahmekriterien an Universitäten sind extrem schwierig.

Wie steht es mit den Preisen für chinesische Kunst?

Es gibt Künstler, die werden gepusht, da schießen die Preise ins Astronomische. Wir beteiligen uns nicht an solchen Hypes, sondern filtern Talente. Die Erfahrung, Spreu vom Weizen zu trennen, haben wir. Etwa die Zeichnungen von Li Hua, in fünf Minuten aus dem Handgelenk entstanden. Sie ist die jüngste unserer Künstler, aber schon am längsten bei uns. Ihre großformatigen Malereien liegen bei 30.000, kleinere bei 8000 Euro.

Welche Künstler mögen Sie selbst am liebsten?

IRENE SCHÜTZ: Immer noch Willi Eisenschitz, und unser allererstes Werk, ein Portrait der Stadt Menton an der Cote d’Azur. Auch Werner Berg mag ich gern. Wenn Sie mich fragen, warum ich die Skulpturen von Wu Shaoxiang so mag, kann ich nur sagen „sie sprechen zu mir“. Da muss man weder Kunsthistoriker noch Wissenschaftler sein, da entsteht eine faszinierende Aura. So geht es mir auch mit anderen Werken. Ein Effekt verfällt oft, wenn der erste Eindruck aber am nächsten Tag Steigerung erfährt, dann ist es Qualität, die durchbricht. Die Fähigkeit, Kunst zu erkennen, wohnt jedem inne, der bereit dazu ist. Jeder kann sich ansprechen lassen, man muss es nur zulassen.

Mit IRENE UND JOSEF SCHÜTZ sprach Eva Hammer

Wie ist Ihre Meinung?