Epidemie weitet sich aus: Mindestens sechs Tote in Italien

Die Coronavirus-Epidemie in Norditalien dehnt sich aus. Die Zahl der Todesopfer ist am Montag auf sechs gestiegen, 229 Infektionsfälle wurden im norditalienischen Raum gemeldet. Bei den drei Todesopfern, die am Montag registriert wurden, handelt es sich um zwei Pensionisten im Alter von über 80 Jahren und um eine Krebspatientin.

Die Todesfälle wurden in der Lombardei verzeichnet, wo auch der Herd der Epidemie lokalisiert worden war. Mehr als 30 weitere Infektionsfälle gab es im Raum von Venetien. Die Supermärkte in der Lombardei wurden von Menschen bestürmt, die eine Lebensmittelknappheit befürchten. Desinfektionsmittel und Atemschutzmasken sind nur schwer zu finden. Italiens Zivilschutzchef Angelo Borrelli versicherte jedoch, dass keinerlei Grund zur Panik bestünde. „Italien ist ein sicheres Land. Man kann unbesorgt nach Italien reisen“, meinte der Zivilschutzchef bei einer Pressekonferenz am Montag in Rom.

Italien hält ein Aussetzen der Reisefreiheit im Schengenraum als Maßnahme gegen die Verbreitung der Epidemie für nicht umsetzbar. Die Regierung habe zwar die Möglichkeit der Wiedereinführung von Grenzkontrollen geprüft, das sei vom praktischen Standpunkt jedoch nicht realisierbar, hieß es bei einem Treffen des Zivilschutzes mit Italiens Premier Giuseppe Conte. Die Präsidenten der norditalienischen Grenzregionen äußerten Sorgen wegen der Mobilität der italienischen Grenzgänger, die im benachbarten Ausland arbeiten. Um gemeinsame Maßnahmen gegen die Epidemie zu besprechen, hat der italienische Gesundheitsminister Roberto Speranza seine Amtskollegen aus den Nachbarländern, darunter Österreich, zu einem Treffen am Dienstag in Rom eingeladen.

Die Coronavirus-Epidemie wirkt sich auch negativ auf den Bahnverkehr aus. Auf der Bahn-Hochgeschwindigkeitsstrecke Mailand-Bologna musste der Verkehr zwischen Lodi und Piacenza ausgesetzt werden. Der Grund waren sanitäre Kontrollen im Bahnhof von Casalpusterlengo, einer der Ortschaften, in denen die ersten Infektionsfälle gemeldet worden waren, teilten die italienischen Staatsbahnen FS mit. Wegen der Maßnahme kam es zu erheblichen Schwierigkeiten auf der stark befahrenen Bahn-Hochgeschwindigkeitsstrecke Mailand-Rom. Ein am Dienstag geplanter Streik in der italienischen Luftfahrtbranche wurde wegen des Coronavirus-Notstands in Italien abgesagt.

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Unterdessen wurde auf Mauritius ein italienisches Flugzeug blockiert. Die Fluggesellschaft Alitalia erklärte am Montag, 40 Passagiere aus der Lombardei und aus Venetien seien aufgefordert worden, sich nach dem Aussteigen in lokale Quarantäne in dem Inselstaat zu begeben. Da sie dies abgelehnt hätten, würden sie nun wieder nach Italien gebracht. An Bord der Maschine von Rom nach Mauritius seien 212 Reisende gewesen. Keiner an Bord hätte Symptome, die auf das Virus deuten würden, gezeigt.

Die Ausbreitung des Coronavirus hat die europäischen Börsen am Montag auf Talfahrt geschickt. In Frankfurt am Main gab der Dax um 3,5 Prozent nach. Die Börsen in London, Madrid und Zürich stürzten am Vormittag um mehr als drei Prozent ab. In Mailand brachen die Kurse sogar um knapp fünf Prozent ein. Die wachsende Angst vor den wirtschaftlichen Folgen der Epidemie drückte auch den Ölpreis deutlich.

Zur Eindämmung der Epidemie hatten die Regionen Lombardei und Venetien am Sonntag Sportveranstaltungen abgesagt, Schulen und Universitäten sollen die ganze Woche geschlossen bleiben. Rund 50.000 Einwohner im Städtchen Codogno und neun umliegenden Ortschaften wurden angewiesen, nicht mehr nach draußen zu gehen. Öffentliche Veranstaltungen wie etwa Gottesdienste wurden abgesagt. Die Lombardei und Venetien zählen zum industriellen Kern Italiens – sie stehen für 30 Prozent der Wirtschaftsleistung.

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