Er kann´s noch immer

Mehr als 530.000 Exemplare hat Nissan von seinem Elektropionier Leaf abgesetzt. In der aufgefrischten Variante gibt sich der fünftürige Fünfsitzer keine Blöße – weder in Sachen Reichweite noch in Sachen Ausstattung und Handling.

Lasst uns einmal über Lego Friends reden. Da fahren Andrea, Emma, Mia, Olivia und Stephanie ganz dem Trend der Zeit entsprechend umweltbewusst durch Heartlake City – unter anderem wird der Bio-Kaffee mit einem Lastenrad ausgeliefert und Olivia besitzt sogar ein Elektroauto. Bei dem ist sogar ein eigenes Windrad dabei, viel nachhaltiger geht´s wohl nicht mehr um 15 Euro. Nun: Ganz so billig ist der Nissan Leaf nicht, der japanische E-Pionier kostet in seiner aktuellen Version als Einstiegsmodell ab 29.990 Euro; die getestete Topversion Tekna schlägt mit mindestens 42.050 Euro zu Buche.

Typenschein

Nissan Leaf e+ Tekna

Preis: ab € 42.050,- inkl. Steuern und Abgaben; Testwagenpreis € 43.790,- inklusive Pro Pilot € 1200,- und Metalliclackierung € 540,-; einen Nissan Leaf (Visia) gibt es ab € 29.990,-
NoVA/Steuer: 0 %/ € 0,- jährlich
Garantie: 3 Jahre bis max. 100.000 km, 3 Jahre Lackgarantie, 12 Jahre gegen Durchrostung, 5 Jahre bis max. 100.000 km auf elektrofahrzeugspezifische Bauteile, 8 Jahre bis max. 160.000 km auf Lithium-Ionen-Batterie
Service: alle 20.000 km oder jedes Jahr

Technische Daten:
Motor: 160 kW/217 PS bei 4600-5800 U/min, max. Drehmoment 340 Nm bei 4000 U/min, 30-Minuten-Leistung 90 kW/122 PS
Getriebe: stufenloses Automatikgetriebe
Antrieb: Frontantrieb
Höchstgeschwindigkeit: 157 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 6,9 s
Leistungsgewicht: 8,15 kg/PS
WLTP-Verbrauch: 18,5 kWh
VOLKSBLATT-Testverbrauch: 18,9 kWh

Eckdaten:
L/B/H: 4490/1788/1540 mm
Radstand: 2700 mm
Eigen-/zul. Gesamtgewicht: 1711/2140 kg
Kofferraum: 420-720 Liter
Batterie: laminierte Lithium-Ionen-Batterie, 62 kWh Kapazität, 350 V Spannung
Reifen: 4 x 215/50 R17 88Q auf 17“-Alus

Sicherheit:
Regelsysteme: ABS/EBV/ESP/ASR/BA/BSD/RSR/LKA/ACC
Airbags: 6

Dafür bietet er natürlich mehr Platz als Olivias Auto. Fünf Personen passen in den Japaner hinein, wobei es im 4,49 Meter langen E-Auto auch hinten nicht beengend ist. Dazu kommt ein recht praktikabler und solide verarbeiteter Kofferraum mit 420 Litern Fassungsvermögen, allerdings tiefem Boden. Und letztendlich ist der Sitzkomfort auf dem vorne beheizbaren Velours-Ledergestühl famos, dieses ist weicher und anschmiegsamer als die Legosteine von Olivias Auto.

Ein Windrad ist im Leaf-Lieferumfang nicht dabei. Aber die Serienmitgift ist dennoch üppig. Dazu gehören unter anderem Bose-Lautsprechersystem mit sieben Lautsprechern im kleinteilig strukturierten Cockpit, Klimaanlage, acht Zoll großer Touchscreen, Sprachsteuerung, 17er-Alus, Rückfahrkamera sowie eine Assistenzarmada, angefangen von Toter-Winkel-Warner über Notbremsassistent bis hin zu Müdigkeitserkennung, Spurhalteassistent und Stau-Assistent.

Der Leaf ist ein Evergreen unter den E-Autos. Seit Ende 2010 auf dem Markt, verkaufte er sich bislang rund 530.000 Mal. Im Coronajahr 2020 waren es weltweit 54.458 verkaufte Leafs, davon 245 in der Alpenrepublik. Das macht ihn zu einem der erfolgreichsten E-Autos in der langen Geschichte der E-Mobilität, die bereits im 19. Jahrhundert begonnen hat, allerdings erst in den 2000er-Jahren deutlich an Fahrt aufgenommen hat.

Und Stichwort Fahrt aufgenommen: Das schafft der Leaf – der auch mittels One-Pedal-Drive gefahren werden kann – prompt. Die 217 PS Spitzenleistung treiben die Vorderräder vehement voran. Die Lenkung erweist sich als eher träge aber ausreichend direkt. Die Federung ist komfortabel ausgelegt, die Bremsleistung überzeugend, wie auch das schnelle Kurvenfahren.

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Autobahntempo mag die Batterie des Leaf indessen nicht: Da sinkt auf einer 200-Kilometer-Fahrt die angezeigte Restreichweite von 385 (das ist der Maximalwert) beim Start auf 93 beim Ziel. Doch was jetzt hier vielleicht wie ein E-Auto-Bashing rüberkommt ist so gar nicht gemeint. Allerdings ist klar, dass der Nissan Leaf definitiv kein Vertreter-Auto oder Urlaubs- Wagen ist. Sein Terrain ist und bleibt die Stadt sowie ihr Umland mit der Option auf längere Fahrten, wenn´s denn notwendig ist.

Geladen wird der kantige, stromlinienförmig gezeichnete Leaf mit Gleichstrom mit bis zu 50 Kilowatt via CHAdeMO-Anschluss an der Front. Das bedeutet, die 62 Kilowattstunden große Lithium-Ionen-Batterie im Fahrzeugboden ist im Optimalfall in weniger als zwei Stunden voll. Via Wechselstrom und Typ2-Stecker nimmt der Leaf bis zu 6,6 Kilowatt je Stunde auf.

Fazit: Er kann´s noch immer und weiß noch immer zu überzeugen. Andere E-Autos sind sicher günstiger, aber als Komplettpaket und mit seiner langjährigen Geschichte weiß sich der Nissan Leaf auch im immer breiter werdenden Wettbewerberfeld zu behaupten.

Text & Fotos: Oliver Koch

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