Er sorgte für Licht und einen kleinen Skandal

Landestheater-Urgestein und Dramatiker Oskar Zemme feiert am Montag 90. Geburtstag

Schreibt noch immer fleißig:Oskar Zemme. © Privatarchiv O. Zemme

„Ich habe das kulturelle Leben stets intensiv und auch argwöhnisch betrachtet“, sagt Oskar Zemme schmunzelnd im VOLKSBLATT-Gespräch.

Und das im wahrsten Sinne des Wortes, war der Dramatiker doch viele Jahre lang am Linzer Landestheater, aber auch an großen Berliner Häusern wie der Volksbühne oder der Deutschen Oper und bei den Bayreuther Festspielen als Bühnenarbeiter, Tontechniker oder Beleuchter im Einsatz. Und hatte das Geschehen von hinter der Bühne aus stets im Blick. Aber nicht nur das: Im Austausch mit Schauspielern und Regisseuren habe er sich auch als Autor ständig weiterentwickelt, so Zemme.

Am Montag feiert er seinen 90. Geburtstag und hat ein beachtliches Werk bestehend aus 30 Theaterstücken, 25 Hörspielen, zwei Fernsehspielen und Erzählungen vorzuweisen, das obendrein immer noch wächst. Zu seinen Weggefährten und Freunden zähl(t)en herausragende Schauspieler wie Gerhard Brössner, Ernst Zeller oder Klaus Pervulesko und bekannte Autoren wie Karl Wiesinger und Franz Kain.

„Als Literat war ich in der Familie ein Fremdkörper“

Als Sohn eines Österreichers und einer Siebenbürger Deutschen kam Oskar Zemme am 22. März 1931 in Rumänien zur Welt. Als der Zweite Weltkrieg begann, ging die Familie nach Linz, Zemme musste als Bub zum Deutschen Jungvolk: „Ich habe einige Bombenangriffe in Linz er- und überlebt.“

Zunächst absolvierte er eine Lehre als Tapezierer, widmete sich aber schon bald seiner eigentlichen Berufung, dem Schreiben: „Als Literat war ich ein Fremdkörper in meiner Familie“, erinnert sich Zemme. In den Fünfzigerjahren absolvierte er an der Volkshochschule Kurse in Germanistik und Literatur. Und er gehörte der dort eingerichteten und vom späteren Landestheater-Intendanten Alfred Stögmüller geführten Laienbühne an. „Allerdings als unbegabter Schauspieler“, wie er lachend zugibt.

Frühe Erfolge und eine lange Karriere

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Talent hingegen stellte er hingegen gleich als Dramatiker unter Beweis: Erste Stücke feierten im 1957 neu gegründeten Linzer Kellertheater und in einem Theater in Vorarlberg Erfolge. „Das ist mir zu früh in den Schoß gefallen und hat mich übermütig gemacht. Dabei konnte ich noch gar nichts“, bekennt er rückblickend. Am Linzer Landestheater war Zemme mit Unterbrechungen 30 Jahre im Einsatz und erlebte auch eigene Stücke und Reaktionen des Publikums darauf von hinter der Bühne aus.

So erregte er 1979 Aufsehen mit dem Stück „Heimatland“, das in Leonding spielt und in dem er Hitler auftreten lässt. Aufgeführt wurde es in den Linzer Kammerspielen. Ein kleiner Theater-Skandal. Zu Zemmes Erfolgen zählen auch jede Menge ORF/SFB-Hörspielproduktionen, die Komödie „Don Juan in Nöten“, die 1999 bei den Bregenzer Festspielen gezeigt wurde, oder das 2004 in Steyr uraufgeführte Bauernkriegsschauspiel „Salva Guardia“. 1995 wurde Zemme mit dem Landeskulturpreis ausgezeichnet.

Stück über von Nazis hingerichtete Peilsteiner

Zemme schreibt noch immer fleißig. „Ich bin ein Stubenhocker und mache weiter wie bisher“, sagt er. Corona hat es aber verhindert, dass im vergangenen Jahr sein Stück „Drei Tage im April“ über fünf Peilsteiner Bürger, die am Ende des Zweiten Weltkrieges von den Nazis hingerichtet wurden, an Originalschauplätzen aufgeführt werden konnte. Zeitgeschichtliches und aktuelle Themen haben ihn stets besonders interessiert, so Zemme.

Auf den heutigen Kulturbetrieb blickt er mit ein wenig Bitterkeit: „Ich kenne das ganze Linzer Kulturleben und seine Verflechtungen“, so Zemme. Während ein Politiker gehen müsse, wenn er Fehler mache, könne man im Theater schalten und walten, wie man will. Heutige Inszenierungen seien ermüdend, das heute übliche Regietheater gefalle ihm nicht: „Alles ist unterkühlt, es gibt keine echten Komödianten mehr.“ Ihm fehle die österreichische Note am Linzer Landestheater, beklagt er: „Früher waren wir ein österreichisches Theater, heute sind wir ein bundesdeutsches.“

Von Melanie Wagenhofer

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