Er war das „Lachen des Jahrhunderts!“

Er ist auch 50 Jahre nach seinem Tod noch der Inbegriff des österreichischen Humors und der intelligenten Unterhaltung: Karl Farkas! Der legendäre Kabarettist, genau so legendär wie das Wiener „Simpl“. Freilich, Humor und Witz waren nur die eine, sozusagen beruflich-öffentliche Seite des Karl Farkas. Privat war sein Leben über weite Strecken alles andere als „lustig“. Das zeigt jetzt der Autor Georg Markus in einer neuen Biographie „Karl Farkas – Sein Humor. Seine Erfolge. Sein Leben“.

Karl Farkas (* 28. Oktober 1893, † 16. Mai 1971) © APA/ORF/HDS

Karl Farkas wurde 1893 als Sohn einer gutbürgerlichen, jüdischen Familie in Wien geboren. Der strenge Vater wollte, dass Karl Jurist wird, sein Bruder Istvan sollte die elterliche Schuhfabrik übernehmen.

Doch beide Söhne hatten anderes im Sinn, Karl wollte Schauspieler werden, Istvan Maler. Der Vater war gegen diese Ambitionen. Istvan, kaum zwanzig Jahre alt, beging daraufhin Selbstmord. Der erste schwere Schlag im Leben des Karl Farkas.

Anfänge in Linz

Farkas setzte schließlich seinen Kopf durch, ging nach der Matura in die Akademie für Musik und Darstellende Kunst und wurde schließlich Schauspieler. Wobei auch sein Talent zum Schreiben immer deutlicher hervortrat, bereits mit Sechzehn hatte er sein erstes Theaterstück verfasst. Und noch ein Talent war unüberhörbar: Karl Farkas konnte auf jedes Wort sofort einen Reim machen. Da sollte im später den Ruf eines „Blitzdichters“ einbringen.

Nach dem Ersten Weltkrieg – Karl Farkas hatte sich als Einjährig-Freiwilliger gemeldet und eine schwere Verwundung erlitten – erhielt der junge Schauspieler Engagements zuerst in Olmütz und dann in Linz, wo er sich als Charakterdarsteller einen Namen machte. Etwa als Dorfrichter Adam in Kleists „Zerbrochenem Krug“. Er inszenierte aber auch Opern und ging schließlich als Schauspieler und Regisseur nach Wien.

Kabarett gegen Hunger

Die Zeiten waren aber schlecht, so musste sich Farkas um einen Job umsehen – und den fand er im „Cabaret Simplicissimus“, allgemein „Simpl“ genannt. Hier wiederum begann seine Karriere als „Blitzdichter“: Das Publikum rief ihm ein Wort zu und er machte sofort daraus einen Reim oder ein Gedicht. Farkas selbst empfand das Kabarett nur als „Opfer, das er bringen musste, um nicht zu verhungern“ (Markus). Die Schauspieler waren damals gezwungen, an vielen Bühnen und in Kaffeehäusern aufzutreten, man hetzte von einem Ort zum andern, erzählte Farkas später: „Silvester gab´s bis zu vierzehn Auftritte. Und das in einer Nacht!“

1923 meinte es das Schicksal gut mit Karl Farkas: Er lernte Anna Bozena Han aus dem böhmischen Breznice kennen und lieben, seine spätere Ehefrau Anny, mit der er sein Leben lang eine glückliche Beziehung haben sollte, trotz aller Schicksalsschläge. Einer dieser Schicksalsschläge war, dass sein geliebter Sohn Robert als Kind an Gehirnhautentzündung erkrankte und behindert blieb.

Beruflich waren die nächsten Jahre von Erfolg gekennzeichnet, wobei sich Farkas immer mehr dem Kabarett zuwandte, wo er seinen kongenialen Partner Fritz Grünbaum fand, mit dem er die berühmten Doppelconferencen entwickelte und perfektionierte. Ein Dialog zwischen einem „Gescheiten“ – Farkas – und Grünbaum als einem vermeintlich „Blöden“. Wobei sich im Laufe des Gesprächs die Rollen meist umkehren, und eigentlich der Blöde der Gescheite ist. Das alles mit dem Humor und der sprachlichen Meisterschaft von Karl Farkas.

Die Zeiten wurden gegen Ende der 20er-Jahre immer schlimmer, aber Farkas wurde trotzdem nicht – wie viele seiner Kolleginnen und Kollegen – arbeitslos, er fand auch beim Film Betätigungsmöglichkeiten. Erfolge feierte er im neuen Genre der Revuen, speziell mit „Wunder-Bar“, das sogar in Hollywood verfilmt wurde und Farkas auch in Amerika berühmt machte. Was ihm später in schwieriger Situation zugute kommen sollte.

Flucht vor den Nazis

Anfang der 30er-Jahre war Farkas in Wien Theaterdirektor, Revuestar, Dichter, Schauspieler, Sänger, Tänzer und Conferencier und ein Star auch in den großen deutschen Städten. Das sollte sich freilich auf dramatische Weise und über Nacht ändern, als Adolf Hitler am 30. Jänner 1933 Reichskanzler wurde und in der Folge die Nazis die Macht in Österreich ergriffen. Anfangs versuchten Farkas und seine Kollegen noch mit den Mitteln des Kabaretts gegen den Nazi-Terror anzukämpfen, mussten aber bald um ihr Leben fürchten.

Die Situation wurde für den Juden Farkas so dramatisch, dass er mehrmals an Selbstmord dachte. Nur die Sorge um den behinderten Sohn ließ ihn am Leben bleiben. Um Frau und Kind zu schützen, ließ man sich schweren Herzens pro forma scheiden. Und Farkas entschloss sich zur Flucht nach Amerika.

Über Paris und Spanien – Farkas musste in der Nacht allein zu Fuß über die Pyrenäen marschieren – gelangte er schließlich per Schiff nach New York. Sieben Jahre begannen, in denen er zwar auch in Amerika Erfolg hatte, aber unter der Trennung von seiner Familie und unter Heimweh enorm litt.

Erst 1946 konnte Farkas wieder nach Österreich zurückkehren und wurde hier „wie ein König empfangen“, schreibt Autor Georg Markus. Der Kabarettist hatte nichts von seiner Popularität eingebüßt. Zwei Tage nach seiner Rückkehr trat Farkas wieder im damaligen Apollo-Theater auf. Und bald darauf heiratete er seine Anny zum zweiten Mal.

Neue Blüte des Simpl

Der Simpl erlebte nun unter Farkas eine neue Blüte, zahlreiche Komikergrößen traten dort auf, von Ernst Waldbrunn über Heinz Conrads bis Maxi Böhm. Auch wenn inzwischen neue, junge Kabarettisten in Erscheinung traten – vor allem Gerhard Bronner —, die ein schärferes, bissigeres Programm machten, das Publikum hielt „Altmeister“ Farkas die Treue. Dazu trug auch das Fernsehen bei, wo Farkas ab 1957 die „Bilanzen der Saison“ präsentierte, die wahre Straßenfeger wurden.

1965 wurde Karl Farkas zum „Professor“ ernannt, was ihn sehr stolz machte. Die letzte Phase seines Lebens war von einer schweren Krebserkrankung überschattet. Trotzdem trat er eisern auf, auch wenn er an manchen Abenden aus dem Krankenhaus in den Simpl gebracht werden musste.

Am 16. Mai 1971 starb Karl Farkas. Sein Simpl-Kollege Maxi Böhm fand in der Trauerrede eine treffende Würdigung: „Karl Farkas war das Lachen des Jahrhunderts“.

Georg Markus: Karl Farkas – Sein Humor. Seine Erfolge. Sein Leben“, 335 Seiten, Amalthea Verlag, € 26

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