Erdogan droht EU wegen Kritik an Syrien-Invasion mit Flüchtlingswelle

Nach türkischem Einmarsch in Nordsyrien Zehntausende auf der Flucht

Die Massenflucht aus den von der Türkei angegriffenen Gebieten in Syrien hat begonnen.
Die Massenflucht aus den von der Türkei angegriffenen Gebieten in Syrien hat begonnen. © AFP/Souleiman

Angesichts der Kritik der Europäer an der türkischen Militäroffensive in Nordsyrien droht der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan den EU-Staaten mit der Öffenung der Grenzen für syrische Flüchtlinge. Sollte die EU die Operation als Invasion darstellen, „werden die Türen geöffnet und 3,6 Millionen Menschen werden zu euch kommen“, sagte Erdogan am Donnerstag in Ankara.

Er hatte diese Drohung schon im September ausgesprochen,damals verknüpft mit der Forderung nach mehr EU-Geld für die Flüchtlingsversorgung. Auch gestern warf er der EU vor, die zugesagten drei Milliarden Euro nicht gezahlt zu haben. Die EU weist dies zurück und erklärt, dass im Rahmen des Flüchtlingsabkommens bereits 2,6 Milliarden Euro überwiesen wurden.

Massenvertreibung

Erdogan sorgt jedenfalls für neue Flüchtlinge, auch wenn es diese wohl weniger in die Türkei zieht. Als Folge der Eskalation im Syrien-Konflikt sind Zehntausende Menschen auf der Flucht. In den ersten 36 Stunden seit Beginn einer türkischen Offensive gegen Kurdenmilizen in Nordsyrien seien mindestens 60.000 Menschen vertrieben worden, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Donnerstag. Die UNO sprach von „Zehntausenden“ Vertriebenen.

Das türkische Militär setzte seine Offensive am Donnerstag fort und nahm dabei mehrere Grenzorte unter Beschuss. Seit Beginn der Offensive wurden laut Aktivisten mindestens 15 Zivilisten getötet. Erdogan sagte, bisher seien 109 „Terroristen“ getötet worden seien.

Ziel der Offensive ist die Kurdenmiliz YPG, die auf syrischer Seite der Grenze ein großes Gebiet kontrolliert. Die Türkei sieht in ihr einen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und damit eine Terrororganisation. Die Türkei will entlang der Grenze eine „Sicherheitszone“ einrichten und dort auch syrische Flüchtlinge ansiedeln, die derzeit in der Türkei leben.

Wie ist Ihre Meinung?