Erfolgreiche Experimentier-Felder

Reis wächst nicht nur in Asien und Erdnüsse gibt's nicht nur aus den bekannten Herkunftsländern. Das stellt Landwirt Hannes Engl (31) auf den Feldern seiner Sonnenfarm in Marchtrenk eindrucksvoll unter Beweis. Er und seine Lebensgefährtin Anu Nurk (33) sind die einzigen Erdnussbauern Österreichs und zählen zu einer Handvoll Landwirte in unseren Breiten, die erfolgreich Reis anbauen. Die beiden haben aber auch schon wieder neue Saat gesät...

Hannes Engl und seine Lebensgefährtin Anu Nurk auf ihrem Reisfeld in Marchtrenk. © Dominik Höllinger

Text: Melanie Wagenhofer

Zieht man die Pflanze, die Klee ähnelt, vorsichtig aus der Erde, dann kommen jede Menge kleine Früchte an die Oberfläche. Hannes Engl strahlt deshalb übers ganze Gesicht: Wieder ist ihm eine besondere Saat aufgegangen. In diesen Tagen werden die Erdnüsse geerntet. Die hohen Temperaturen haben dafür gesorgt, dass sie heuer früher dran sind. „Auf die Idee, es damit zu versuchen, sind meine Freundin und ich gekommen, als wir im Wirtshaus saßen und ein Glas mit Erdnüssen vor uns stehen hatten“, erzählt Engl. „Wir haben uns Saatgut besorgt und es hat gleich funktioniert. Aber nicht jede Erdnusssorte reift bei uns.“ Die Körner werden im April mit einer 50 Jahre alten Sämaschine einzeln in definierten Abständen ausgesät. Dann heißt es, ständig Unkraut jäten, damit die Pflanzen genug Platz zum Wachsen haben. „Das ist unsere Wochenend- und Abendbeschäftigung“, sagt Engl lachend, denn sowohl er als auch seine Lebensgefährtin arbeiten neben der Landwirtschaft Vollzeit in anderen Berufen. Der Stängel, aus dem sich die Erdnüsse bilden, ist zuvor aus der Blüte in die Erde gewachsen. Letztes Jahr haben sich Hasen die meisten Nüsse schmecken lassen, deshalb hat der Landwirt heuer einen Zaun ums Feld gebaut.

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Jede Erdnuss wird auf Inhalt geprüft

Bei der Ernte wird auf der Sonnenfarm alles von Hand erledigt: Die kostbaren Früchte aus der Erde geborgen, von der Pflanze getrennt und – weil man ja nicht weiß, ob auch in jeder Hülle etwas drin ist – bei jeder einzelnen Erdnuss händisch ein Drucktest gemacht. In einem selbst gebauten Trockengerät werden die Nüsse, die zu diesem Zeitpunkt im Geschmack an Erbsen erinnern, dann getrocknet. Das nimmt etwa zwei Tage in Anspruch, je nachdem wie feucht die Früchte sind: „Zwischendurch lassen wir sie immer wieder abkühlen und ruhen“, erklärt Engl. Anschließend werden sie gewaschen und geröstet, ebenfalls in einer kleinen, selbstgebauten Röstanalage. Der tolle Geschmack ergebe sich auch daraus, dass die Nüsse ganz frisch verkauft werden, ist Engl überzeugt.

Der Reis wird trocken angebaut

Auf der Sonnenfarm von Hannes Engl, er hat den mittelgroßen Familienbetrieb 2012 von seinen Eltern übernommen, gedeiht aber auch ganz Konventionelles wie Erdäpfel und Getreide. „Schon meine Eltern haben mit Selbstvermarktung angefangen.“ Der experimentierfreudige junge Bauer, der auch über einen Hochschulabschluss in Wirtschaftsingenieurwesen verfügt, spürt eine unbändige Lust daran, Neues auszuprobieren und ist dabei der praktische Typ: Learning by Doing ist seine Devise. „Wir müssen etwas Ausprobieren, weil wir uns nicht an anderen Ländern mit anderen klimatischen Bedingungen orientieren können.“ Auf die Idee, Reis anzubauen, ist Engl schon vor ein paar Jahren gemeinsam mit einem Wiener Landwirt gekommen: „Ich dachte mir, Reis steht bei uns überall auf der Karte, gehört zum Alltag, also warum sollen wir ihn nicht auch anbauen.“ Die wärmeren Sommer der letzten Jahre seien ihm bei der Umsetzung des Planes entgegengekommen. „Reis wächst wie Getreide, hat aber keine Ähre, sondern eine Rispe“, erklärt Engl. Anfang April wird ausgesät. „Es dauert relativ lange, bis die Pflanzen, die 30 bis 40 cm hoch werden, herauskommen. Wir praktizieren Trockenreisanbau. Fluten, wie anderswo üblich, um den Wasserbedarf zu decken und zu kühlen, käme bei uns wegen des Bodens nicht infrage, weil das Wasser sofort versickert. Ist auch nicht notwendig, weil es bei uns auch nicht so heiß ist wie in den typischen Anbaugebieten.“ Die Reisernte ist in Marchtrenk bereits Anfang September eingebracht worden, auch da haben sich die Temperaturen ausgewirkt.

„Im ersten Jahr sind uns nach dem Dreschen von einem Hektar Anbaufläche fünf Kilo Reis geblieben. Das war einerseits enttäuschend, hat uns andererseits aber gezeigt, dass es funktioniert“, sagt Engl. Seither hat der Landwirt einiges angepasst, Erfahrungen gesammelt, Sorten ausprobiert und damit die Ausbeute gesteigert. Der Ertrag ist aber bei dieser Art des Anbaus stets geringer, der Reis, den die Sonnenfarm kultiviert, ist zudem eine kleinere Sorte als die bei uns im Handel üblichen. Versuchsweise baut Engl nebenbei vier bis fünf weitere Reissorten an.

Nach der Ernte wird der Reis getrocknet, dann entspelzt, das heißt, die strohige Schale entfernt. Übrig bleibt Naturreis. Wird dieser geschliffen, erhält man weißen Reis. „Unsere Kunden sagen ihm einen besonderen Geschmack nach“, sagt Engl, der heuer Naturreis und weißen Reis anbieten wird.

Es herrscht rege Nachfrage nach den Exoten

Die Reaktionen aus dem Umfeld und von den Kunden sind sehr positiv. Nach dem Erfolg mit den Exoten will Engl seinen Betrieb organisch wachsen lassen. Als Mitarbeiter einer Firma, die landwirtschaftliche Geräte für Feldversuche erzeugt, ist er viel in Afrika, Südostasien, Australien unterwegs und holt sich immer wieder Inspiration. Von einer Reise nach Bulgarien haben er und seine Freundin Baumwollpflänzchen mitgebracht. Die sind jetzt mit ihren wunderschönen Blättern und Blüten die Augenweide auf seinem Feld: Letztere sollen demnächst die heiß ersehnten weiße Bällchen ablösen. Wann das sein wird, werden die Natur und damit die Erfahrung zeigen. Und was die beiden daraus machen wollen, wissen sie auch noch nicht.

Die Erdnüsse waren letztes Jahr schon nach zwei Monaten ausverkauft, Reis ist auch schon länger keiner mehr da. Ab Oktober stehen die Früchte dieser Saison ab Hof zur Selbstabholung bereit.

Sonnenfarm
Moserbachstraße 51
4614 Marchtrenk
hannes.engl@sonnenfarm.at