Erfolgreicher Re-Start: Ried gelang weiterer Schritt zur Bundesliga-Rückkehr

Von Christoph Gaigg aus Ried

Vor wenigen Wochen war die Lage fast aussichtslos, eine Fortsetzung der 2. Fußball-Liga beinahe undenkbar gewesen. Doch das Blatt hat sich bekanntlich gewendet, weshalb Spitzenreiter SV Guntamatic Ried das große Ziel Bundesliga-Rückkehr weiter verfolgen darf. Mit dem 3:1-Heimerfolg beim Re-Start gegen den SV Lafnitz ist den Innviertlern erneut ein wichtiger Schritt dorthin gelungen.

Zur Gewohnheit werden Geisterspiele wohl nie. Das ist wahrscheinlich auch gut so. Lausige Atmosphäre, keine Emotionen auf den Rängen, kein Jubel, keine Fangesänge – es fehlt einfach etwas in Zeiten wie diesen. Darüber konnten auch die eingespielten Schlachtrufe nach Schlusspfiff, als die Spieler mit der leeren Fankurve feierten, nicht hinwegtäuschen.

Mentalität, Intensität, Tore

Umso beachtlicher, mit viel Intensität die Wikinger dieses erste Pflichtspiel seit fast drei Monaten in Angriff nahmen. “Entscheidend wird sein, wie sich jeder einzelne Spieler selbst motivieren kann”, hatte Ried-Trainer Gerald Baumgartner vor dem Spiel gemeint. Das gelang seinen grün-schwarzen Kickern anfangs geradezu vorzüglich.

Der unbedingte Wille, nach dem Re-Start auch sportlich den Sack so schnell wie möglich zuzumachen, war den Oberösterreichern von Beginn an anzumerken. Die Rieder standen hoch, attackierten früh und vor allem mit viel Wucht und Aggressivität. Im Spiel nach vorne ging es nach Ballgewinn meist schnell, die ersten Chancen gab es früh: Schon nach wenigen Sekunden zog Marco Grüll das erste Mal, verfehlte das Tor nur knapp.

Nach 19 Minuten dann der erste Treffer: Jefte Betancor wurde im Sechzehner zu Fall gebracht, des berechtigten Elfmeters nahm sich der Spanier selbst an und verwandelte mit ein bisschen Glück zum 1:0. Auch danach waren nur die Hausherren gefährlich und legten nach 33 Minuten das zweite Tor nach. Stefan Nutz bediente per Freistoß und Zuckerflanke Thomas Reifeltshammer, der seine Kopfballstärke auch in der Corona-Pause nicht eingebüßt hatte und zum 2:0 einnetzte. Jefte (40.) und Bajic (44.) hatten weitere Gelegenheiten am Fuß.

Lafnitz trifft aus dem Nichts

Insgesamt ein völlig verdientes Pausenergebnis, weil die Innviertler das Match in allen Phasen kontrollierten. Jegliche Versuche der Steirer, sich rauszukombinieren und in der gegnerischen Hälfte einmal festzusetzen, wurden rasch unterbunden. Auch nach der Pause ließen die Wikinger lange Zeit überhaupt nichts zu, wenngleich ihnen die Gefährlichkeit aus dem ersten Abschnitt zunehmend abhanden kam und Torszenen zur Mangelware wurden. Dennoch schien kein Zweifel über den Ausgang der Partie aufzukommen.

Das änderte sich schlagartig in Minute 75: Wie aus dem Nichts gelang den Lafnitzern der beste Angriff des Spiels, einmal tief, einmal quer – und plötzlich begann das große Zittern, weil Kresimir Kovacevic den Ball völlig frei aus kurzer Distanz zum 1:2 einschieben durfte. Vorbei war es nun mit der Souveränität, die die Innviertler so lange ausgestrahlt hatten, die Gäste witterten ihre Chance.

Die Erlösung

Gerade als sich eine hitzige Schlussphase anbahnte, die Erlösung: Die Lafnitzer reklamierten heftig über einen vermeintlichen Rückpass, den Ried-Goalie Kreidl aufgenommen hatte, diesen Moment der Unordnung nutzten wiederum die Oberösterreicher. Herrliches Zuspiel in die Schnittstelle auf den eingewechselten Bernd Gschweidl, der hämmerte das Leder unter die Latte (86.) – da brandete selbst in der fast leeren josko-Arena Riesenjubel auf, aus Ersatzspielern wie Verantwortlichen brach es regelrecht heraus.

Mit dem 3:1 war die Partie entschieden, was nicht nur das 15. Ligaspiel in Folge ohne Niederlage bedeutete, sondern auch ein wichtiger Schritt in Richtung Titel war. Vor dem Auftritt von Verfolger Klagenfurt am Sonntag gegen Kapfenberg bauten die Rieder den Vorsprung auf elf Punkte aus. Schon am Mittwoch geht es auswärts beim GAK weiter.

 

 

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