Erfrischendes Theater mit altem Stoff

Idomeneus-Premiere am Landestheater Linz: Chance für den Nachwuchs

Es waren ausschließlich Schauspielschülerinnen und -schüler des Abschlussjahrgangs der Anton Bruckner Privatuniversität im Einsatz.
Es waren ausschließlich Schauspielschülerinnen und -schüler des Abschlussjahrgangs der Anton Bruckner Privatuniversität im Einsatz. © Petra Moser

Von Werner Rohrhofer

Es zählt zu den wichtigen Aufgaben einer Landesbühne, dem Nachwuchs eine Chance zu geben. Das Linzer Landestheater kommt mit einer neuen Produktion dieser Verpflichtung in beachtenswerter Weise nach: Im Stück „Idomeneus“ des zeitgenössischen Dramatikers Roland Schimmelpfennig sind ausschließlich Schauspielschülerinnen und -schüler des Abschlussjahrgangs der Anton Bruckner Privatuniversität im Einsatz. Premiere war am Samstag auf der Studiobühne.

Der Mythos um den antiken Helden Idomeneus hat im Laufe der Zeit diverse Bearbeitungen erfahren, von Homer bis Mozart. Die bekannteste Variante: Idomeneus kehrt nach dem Sieg über die Stadt Troja heim nach Kreta, sein Schiff droht im Sturm unterzugehen. Er schwört, wenn er überlebt, werde er den ersten Menschen, dem er auf Kreta begegnet, den Göttern Opfern. Fatalerweise ist dieser erste Mensch Idomeneus’ Sohn.

Dramatisch, sprachlich dicht, intensiv

Schimmelpfennig hat sein Stück als epische Erzählung angelegt, dramatisch, sprachlich dicht, intensiv durch Wiederholungen und Rhythmus. Keine leichte Übung, vor allem für Jungschauspieler. Diese meistern die Herausforderung aber bravourös, selbst bei den Textpassagen, die im Chor wiederzugeben sind, sind sie präzise und deutlich im Ausdruck. Dazu verlangt die Inszenierung von Berenice Hebenstreit den jungen Damen und Herren einiges an körperlichem Einsatz ab, geschieht doch ein erheblicher Teil der Handlung in schmalen, schachtelartigen Gebilden, in die sie sich zu zwängen haben.

Diskutieren kann man, warum vom Theater gerade dieses Stück mit dem antiken Stoff für das Projekt mit der Schauspieler-Abschlussklasse ausgewählt wurde. Thematische Aktualität sieht anders aus. Die Sache erinnert ein wenig an eine Maturaarbeit mit klassischem griechischem Thema. Aber sei’s drum! Die jungen Darsteller haben ihre „Matura“ jedenfalls bestanden mit ihrer erfrischenden, engagierten und doch professionellen Art, sich auf der Bühne zu bewegen. Selbst als sie zum Schlussapplaus immer wiederkehren, sind sie flotter unterwegs als so mancher etablierte Schauspieler. Mit jungen Leuten wie diesen hat das Theater Zukunft!

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