Erlesenes LINZ

Das Stifterhaus erkundet in seiner neuen Ausstellung literarisch die Stadt

Das Z von Linz befüllt mit Helmen: eine Reminiszenz an die Stadt als Industriestandort.
Das Z von Linz befüllt mit Helmen: eine Reminiszenz an die Stadt als Industriestandort. © Land OÖ/Franz Linschinger

Von Melanie Wagenhofer

2009 ging es unter dem Titel „Nur durchgereist“ um Linz-Klischees. „Jetzt wollen wir zeigen, man reist nicht nur durch Linz, man lebt auch hier“, sagt Leiterin Petra-Maria Dallinger bei der Präsentation der neuen Schau „Unsere Stadt ist noch niemals beschrieben worden“ im Linzer Stifterhaus, die morgen eröffnet und bis 12. November zu sehen sein wird. Nach zehn Jahren wird also erneut ein Blick auf die Stadt geworfen, dieses Mal viel tiefgründiger, verquickt mit dem Leben.

Zwanzig Autoren und ihre Verbindung zu Linz

Für die Ausstellung haben sich die Kuratoren Claudia Lehner, Martin Huber und Dallinger auf die Spuren von Linz in der Literatur heimischer Schriftsteller begeben. 20 bereits verstorbene Autoren des vorigen Jahrhunderts und ihre jeweilige Verbindung zur Landeshauptstadt wird anhand von Zitaten aus deren Werken dargestellt. Von etwa der Hälfte der Verfasser gäbe es Nachlassbestände im Haus, so Dallinger.

Dabei haben sich vier Themenschwerpunkte ergeben. Da ist zum einen die Donau, der Zusatz a. d. D. darf nicht fehlen in einer Beschreibung dieser Stadt. Texte, in denen der Fluss eine Rolle spielt, stammen von Franz oder Eugenie Kain. Franz Kains „Die Donau fließt vorbei“ (1993) spielt am Gelände des Urfahraner Marktes, einst auch Treffpunkt für Liebespaare.

„Viele Schriftsteller haben ihre Schulzeit im Internat verbracht“, erklärt Huber. Marlen Haushofer war im Mädcheninternat der Ursulinen, männliche Kollegen wie Franz Rieger und Richard Billinger im Petrinum. Wenn sie — wie Haushofer in „Eine Handvoll Leben“ (1955) — literarisch auf Linz Bezug nehmen, dann ist viel Autobiografisches dabei, die niedergeschriebenen Erinnerungen einen Gefühle wie Heimweh oder Fremdheit. Prägend für viele Literaten war auch die Nazizeit: Hitlers Einmarsch und Bombardements von Linz im Krieg (Käthe Recheis, „Lena“, 1987) fanden ebenso Niederschlag wie die Vernichtungsstätte Hartheim (Franz Rieger, „Schattenschweigen oder Hartheim“, 1985). In Hermann Friedls „Die Schleuse“ (1950) werde nach dem Zweiten Weltkrieg ein an der Donau liegendes Immigrationsbüro zum „Kreuzungspunkt von Schicksalen verschiedener Menschen“, so Dallinger. Der letzte und vierte Ausstellungsblock widmet sich Linz als Industriestadt. Mit Ferdinand Kögl und Henriette Haill wird der Blick u. a. auf zwei Autoren gerichtet, die selbst aus dem Arbeitermilieu der Stadt stammten.

Zeitgeschichte und menschliches Erleben

Im Stifterhaus verdichten sich Zeitgeschichte und menschliches Erleben. Lesend bekannte Wege zu gehen und Erinnerungen wach werden zu lassen, macht darüber hinaus den Charme der ansprechend und zum Teil auch originell gestalteten Ausstellung aus und weckt die Lust, tiefer in die Werke einzutauchen. Als tolle Anregung dienen dabei auch 50 Zitate, die mit Linz-Bildern zu Abreißblöcken gestaltet sind. Dallinger: „Man kann sich jedes einzelne Blatt abreißen, in ein Kuvert einsackeln und so ein erlesenes Linz mit nach Hause nehmen.“

Es werden auch Führungen zu literarischen Schauplätzen angeboten. Der Katalog zur Ausstellung erscheint als Abschluss, auch eine Ausgabe der Literaturzeitschrift „Die Rampe“ wird dem Thema gewidmet. Sie erscheint am 2. Juli.

Wie ist Ihre Meinung?