Erst zahlen, dann denken

Mehr Mittel für Globalen Klimafonds, obwohl Verwendung oft unklar oder umstritten?

GretasZornerhöhtauch denDruck aufÖsterreich, mehr Geldan den Globalen Klimafondszu zahlen.
Gretas Zornerhöhtauch den Druck auf Österreich, mehr Geldan den Globalen Klimafonds zu zahlen. © AFP/Eisele

Die Schwedenbombe hat auch in der UNO voll eingeschlagen. Greta Thunbergs Wutrede wird nicht ohne Folgen bleiben. Zwar könnte man den Zornausbruch auch einem Faktencheck unterziehen und etwa dem angeblich „beginnenden Massensterben“ die Realität der Bevölkerungsexplosion entgegenhalten, aber wer riskiert schon einen Diskurs mit dem streitbaren Mädel?

Lieber senkt die pauschal verteufelte Politikerklasse in kollektiver Demut das Haupt und konstatiert wie unser Herr Bundespräsident: Thunberg hat „weitgehend recht“. Weitgehend reicht, weil man kann ja auch weitgehend schwanger sein!?

Grün ist immer gut

Nicht ausreichend ist, Asche aufs Haupt zu streuen. Gestreut werden soll vielmehr Kohle — sprich: Geld für den Green Climate Fund (GCF). Also schließt sich auch Alexander van der Bellen der Kritik am angeblich zu mickrigen Beitrag Österreichs zu dem 2010 beim Klimagipfel in Cancun beschlossenen Fonds an. Der von der Übergangsregierung um vier auf 30 Millionen Euro aufgestockte Beitrag ist für VdB „nur der erste Schritt“. Umweltorganisationen wie der World Wide Fund For Nature (WWF) fordern mehr. Die Grünen setzen Österreichs nicht einmal vier Euro pro Kopf in Relation zu Gretas Herkunftsland, des 54 Euro pro Schwedenkopf gibt. „Eine angemessene Aufstockung der GCF-Mittel erspart Österreich eine internationale Blamage“ heißt es im Grünen-Wahlprogramm.

Blamabel ist auch, wenn die Verwendung von Steuergeld nicht klar oder zweifelhaft ist. Genau das ist beim Klimafonds zumindest teilweise der Fall. Unbestritten ist die Idee prinzipiell gut: Reiche Länder greifen weniger reichen bei Klimaschutzmaßnahmen unter die Arme.

Geld wofür?

Wie der Fonds die angestrebten 100 Milliarden Euro investieren soll, kann aber noch niemand sagen, weil es Projekte im entsprechenden Umfang noch gar nicht gibt. Und schaut man sich vorhandene Projekte an, dann stechen auch welche ins Auge, die selbst Umweltorganisationen missfallen.

Für Kohleförderung

Ein Beispiel ist „Proeza“, wofür der GCF im April 22,7 Millionen Euro freigegeben hat. Das Kürzel steht für „Armut, Wiederaufforstung, Energie und Klimawandel“ und soll den Anbau von Eukalyptusbäumen in Paraguay fördern. Klingt gut. Dennoch stuft die Global Forest Coalition (GFC), eine unverdächtige Koalition von NGOs und Organisationen indigener Völker, dieses Projekt als „obszön“ ein. Denn die Regierung in Asuncion forciert den Ersatz natürlicher Baumbestände durch Monokulturen. Indirekt fördere „Prozea“, so die Globale Wald-Koalition, die Sojaindustrie, die wiederum die Tierfabriken des Landes beliefert.

Was das mit Eukalyptus zu tun hat? Das Holz liefert Bioenergie zum Trocknen der Sojabohnen. Und: Eukalyptus-Holzkohle landet auch in hiesigen Supermärkten als Grillkohle. Paraguay ist mit 32.000 Tonnen zweitgrößter Grillkohlelieferant Deutschlands, hat der WWF herausgefunden und kritisiert. Denn die Kohle kommt nicht wie Greta im Segelboot über den Atlantik.

Für Staudämme

Ebenfalls auf den ersten Blick ökologisch wirken diverse Wasserkraftprojekte, die der GCF fördert. Für einen Staudamm auf den Salomonen-Inseln etwa wurden Anfang August 78 Millionen Euro freigegen. 45 Millionen bekommt die ehemalige Sowjetrepublik Tadschikistan für die Modernisierung von Wasserkraftanlagen. Die Entwicklungsorganisation „Germanwatch“ kritisiert, das Staudammprojekt in Tadschikistan sei „kein Klima-, sondern ein Infrastrukturvorhaben, das ein bisschen grün ist“. Zusatzeffekt fürs Klima: gleich Null. Denn schon jetzt produziert das Land seinen Strom zu 98 Prozent mit Wasserkraft. Umweltschützer stört an Dammprojekten unter anderem, dass dort im Wasser verrottende Biomasse Methan absondert. Dieses Gas ist laut Greenpeace 21 Mal klimawirksamer als CO2.

Für Regenwaldabfackler

Und dann wäre da noch Brasilien. Das Land scheint mit zwei Projekten im GCF-Portfolio auf. Bei einem geht es um ein Pilotprojekt zur Erhaltung der einheimischen Vegetation, beim anderen um die Reduzierung der Energieintensität in ganz Brasilien. Mit 1,2 Milliarden Euro sollen so insgesamt 36 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden. Mehr CO2 wird freilich frei beim gegenwärtigen Abfackeln des Regenwaldes.

Daran sollte denken, wer laut nach mehr Geld für den Klimafonds schreit. Was Greta Thunberg wohl zu solchen Bedenken sagt? Vielleicht: „Wie könnt ihr es wagen!“

Eine Analyse von Manfred Maurer

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