Erste hat genug Geld für Zukäufe und hält an Sparbuch fest

Mit 13,7 Prozent Kapitalquote sieht sich die Erste Group komfortabel ausgestattet. Dies erlaube es, bei kleineren Banken oder Banksparten in der Region aus dem Rahmen zuzugreifen. Größere Akquisitionen, wie es die polnische mBank gewesen wäre, würden Kapitalmarkttransaktionen bedingen, sagt Erste-Chef Bernhard Spalt. Auf Halde halte man keine Gelder vor. Am Papiersparbuch hält die Bank fest.

Osteuropa wachse trotz leichter Abschwächungen weiter viel stärker als der Westen. Im Osten ist daher weiter Expansion geplant. In geografisch große neue Märkte will Spalt aber nicht gehen. Abgesehen allenfalls von Polen, das ungeachtet des überraschend nicht weiter verfolgten Kaufs der dortigen Commerzbank-Tochter mBank für die Gruppe weiterhin ein interessanter Markt wäre. Polen ist auch der einzige Markt, der im Erste-Ostnetzwerk noch fehlt. Marktgründe seien es nicht gewesen, warum man kein Angebot für die mBank gelegt habe. Über die “spezifischen” Gründe machte Spalt keine näheren Angaben.

Ansonsten wolle man in den bestehenden Märkten wachsen, in denen die Erste Group schon aktiv ist – organisch wie über allfällige Akquisitionen. Die physische Präsenz soll damit im wesentlichen auf die Kernregion fokussiert bleiben. Gänzlich ausgenommen von einer räumlichen Expansions-Beschränkung ist die Onlineplattform George. Die soll nach der bald vollzogenen Etablierung in allen CEE-Märkten der Ersten auch im Westen einmal ausgerollt werden. Eine schon angedachte Expansion mit George nach Deutschland ist aber vorerst vertagt, zumindest für die nächsten eineinhalb Jahre.

In Tschechien ist die Erste Group mit der Ceska Sporitelna Bank (CS) großflächig vertreten. Sollten dort, wie momentan erwartet wird, kleine Banken auf den Markt kommen, wolle man sich dies anschauen, ob es von der Strategie und vom Preis her passt.

Spalt ist seit Anfang Jänner Vorstandschef der Erste Group. Er ist Langzeitchef Andreas Treichl nachgefolgt. Neben Wachstum und Digitalisierung sind für Spalt weiter Effizienzsteigerungen ein Kernthema. Die Kosten sollen herunterkommen, ein Mitarbeiterabbauprogramm läuft aber nicht, wurde erklärt. Die Gruppe will Redundanzen beseitigen und Prozesse “optimieren”.

2019 habe es nicht nur quer über alle Länder hervorragende Zuwächse gegeben, sondern auch über alle Segmente, erläuterte Finanzvorstand Stefan Dörfler. Nach der Erhöhung der Dividende für 2019 von 1,40 auf 1,50 Euro je Aktie werden auch für heuer Dividendensteigerungen erwartet. Negative Einmaleffekte wie dreistellige Millionen-Sonderabschreibungen und Rückstellungen im Jahr 2019 sollen heuer ausbleiben. Daher soll der Nettogewinn 2020 höher zu liegen kommen.

Sollten die Kapitalquoten nachhaltig, also mehrere Quartale hindurch, deutlich über 14 Prozent zu liegen kommen, werden aus Überschusskapital höhere Ausschüttungen diskutiert werden, allenfalls auch über einen Aktienrückkauf.

In Österreich haben einige Banken zuletzt für Aufregung gesorgt, weil sie die traditionellen Papiersparbücher mit ihren kostenfreien Bareinzahlungen und -Auszahlungen am Schalter nicht mehr wollen. Von einzelnen Banken war im Herbst bekannt geworden, dass sie Kunden mit dem Wunsch nach Eröffnung eines Papiersparbuchs schon wegschicken. Die Hypo Niederösterreich hat überhaupt schon beschlossen, keine neuen Sparbücher mehr ausgeben zu wollen. Favorisiert wird von den Banken generell die digitale Sparkarte.

In der Ersten ist die Aufgabe des klassischen Sparbuchs dabei “überhaupt kein Thema”, sagte Österreich-Bank-Chef Peter Bosek heute. “Wir haben das Sparbuch erfunden.” Die Banken hätten hier auch eine Verwahr-Verantwortung. Die Weitergabe der Negativzinsen auf Spareinlagen im Privatkundenbereich bleibe ausgeschlossen. Versuche, die damit verbundenen Kosten über neue Gebühren hereinzukriegen, würde er wohl “keine acht Stunden überleben”, meint der Banker auf Journalistenfragen unter Hinweis auf die Interessen von Konsumentenschützern. Forcieren will die Bank das Wertpapierveranlagungsgeschäft, was im aktuellen Börsenumfeld auch eine Herausforderung ist.

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