Erste „echte“ Premiere der neuen Staatsopern-Direktion

Seit 1994 arbeiten Jossi Wieler und Sergio Morabito regelmäßig als Regisseure zusammen. Und so ist es kein Wunder, dass auch die erste Regiearbeit, die Morabito als neuer Chefdramaturg der Wiener Staatsoper am Haus vorlegt, mit seinem Sparringpartner entstanden ist: Hans Werner Henzes unbekanntes Werk „Das verratene Meer“ wird nach mehreren Übernahmen die erste „echte“ Premiere der Direktion von Bogdan Roscic darstellen – und doch physisch zunächst nicht zu sehen sein.

Schließlich verhindern die Coronarestriktionen eine Premiere vor Publikum. „Aber wir konnten normal proben, wofür wir dankbar waren und sind“, freute sich Wieler am Donnerstagnachmittag in einer Pressekonferenz. Es sei gleichsam in einer Blase möglich gewesen, auf der Bühne Körperlichkeit auszuleben: „Eine Liebesszene ist eine Liebesszene, eine Rangelei, ist eine Rangelei.“

Weniger körperlich wird es dann bei der Premiere am Montag (14. Dezember) zugehen, wird diese doch vor leerem Haus stattfinden und lediglich im Staatsopernstream respektive via Ö1 zu sehen und zu hören sein. „Es hat etwas Trauriges. Eine Oper, das kollektivste Kunstwerk schlechthin, sollte auch mit vielen Zuschauern geteilt werden“, gestand Wieler ein. Schließlich sei natürlich jede Aufzeichnung ein Verlust.

Aber zum einen soll die Arbeit in der kommenden Spielzeit wieder aufgenommen werden und andererseits dürfte „Das verratene Meer“ nicht die letzte Inszenierung des Duos Wieler/Morabito an der Staatsoper gewesen sein. „Wir planen das durchaus für die Zukunft“, stellte Letzterer in Aussicht, auch wenn das nicht jede Spielzeit der Fall sein werde: „Wir erzwingen da nichts.“

Jetzt feiert man erst einmal mit der 1990 uraufgeführten Henze-Oper den Einstand. Dafür orientierte sich der Komponist am Roman „Der Seemann, der die See verriet“ des umstrittenen japanischen Avantgardeautoren Mishima Yukio. Praktisch nie gespielt, sei sie in Fachkreisen dennoch renommiert, zeigte sich Morabito überzeugt: „Ich habe immer wieder mit Dirigenten gesprochen, die mich aufmerksam gemacht haben auf diese Partitur.“

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Möglicherweise habe die Kombination aus einem abschreckenden, von halben Kindern verübten Gewaltexzess sowie einem einzigen, durch brutale Streichungen gekennzeichneten Mitschnitt aus Salzburg 2006 den Erfolg bisher verhindert. Als dann Bogdan Roscic nach einem Werk des 20. Jahrhunderts für die Auftaktspielzeit gesucht habe, sei seine Stunde gekommen. „Der Name Henze stand im Raum und ich habe für dieses Werk geworben“, so Morabito. Mit Erfolg.

(S E R V I C E – )

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