Erstlingswerk

Die spanische VW-Tochter Seat hat kürzlich die Marke Cupra aus der Taufe gehoben. Cupra ist kein Kunstbegriff, sondern steht für Cup Racing, begründet vom Ibiza Cupra. Der erste „reine“ Cupra liegt allerdings etwas höher auf der Straße als der Kompaktwagen Ibiza: das 300 PS starke Sports Utility Vehicle namens Ateca.

Von Oliver Koch

Jetzt geht es also um die Wurst, denn wer mit einem Cup Racer fährt, hat bekanntlich nichts zu verschenken. Eher im Gegenteil: Gewinnen ist Pflicht, der Zweite ist bereits der erste Verlierer.

Es kommt daher nicht von ungefähr, dass Seat nun eine eigene Marke – nämlich Cupra – aus der Taufe gehoben hat. Das Erstlingswerk, der Ateca, bildet die Speerspitze obwohl er äußerlich kaum von seinem Seat-Bruder unterschieden werden kann: Anderes Logo, etwas tiefere Position, Cupra-Schriftzug am Heck sowie zwei Doppel-Auspuffrohre und das war´s auch schon im Großen und Ganzen. Die Gewalt von 300 PS lassen sich anhand der Lufteinlässe an der Front und der schmal gezeichneten LED-Scheinwerfer erahnen; ein brachial sportlicher Auftritt sieht allerdings anders aus.

Typenschein

Cupra Ateca 2.0 TSI DSG 4Drive

Preis: ab € 47.290,- inkl. Steuern und Abgaben; Testwagenpreis € 57.325,01 unter anderem inklusive schwenkbarer Anhängevorrichtung € 955,-, Assistenz-Paket CUPRA € 1135,-, Brembo-Bremsanlage € 2795,02, Panorama-Glasdach € 1315,- und elektrischer Heckklappe € 605,-; einen Cupra Ateca gibt es ab € 47.290,-
NoVA/Steuer: 16 %/ € 1648,44 jährlich
Garantie: 5 Jahre bis max. 100.000 km, 3 Jahre Lackgarantie, 12 Jahre gegen Durchrostung
Service: max. 30.000 km oder alle 2 Jahre

Technische Daten:
Motor: R4, 16V, Turbolader, 1984 cm³, 221 kW/300 PS bei 5300 U/min, max. Drehmoment 400 Nm bei 2000-5200 U/min
Getriebe: Siebengangautomatik
Antrieb: Allradantrieb
Höchstgeschwindigkeit: 245 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 5,2 s
Leistungsgewicht: 5,5 kg/PS
MVEG-Verbrauch: 8,9/6,5/7,4 Liter
VOLKSBLATT-Testverbrauch: 9,8 Liter
CO2-Ausstoß: 168 g/km
NOx: 0,0289 g/km; Euro 6

Eckdaten:
L/B/H: 4376/1841/1611 mm
Radstand: 2631 mm
Eigen-/zul. Gesamtgewicht: 1650/2150 kg
Kofferraum: 485-1579 Liter
Tank: 55 Liter (Benzin)
Reifen: 4 x 245/40 R19 94W auf 19“-Alus

Sicherheit:
Regelsysteme: ABS/EBV/ESP/ASR/BA/BSD/LKA/ACC
Airbags: 6

Fahrtechnisch ist es dann natürlich eine Gratwanderung ein prinzipiell solides SUV in einen Rennflitzer zu verwandeln. Die Seat-Ingenieure – oder sollen wir sagen Cupra-Ingenieure? – haben jedenfalls einen gelungenen Kompromiss erreicht. Der Cupra Ateca liegt um zehn Zentimeter tiefer als sein Seat-Bruder, was einen tieferen Schwerpunkt zur Folge hat. Darüber hinaus verfügt der Fünftürer serienmäßig über ein adaptives Dämpfersystem, weshalb die Wankbewegungen bei Kurvenfahrten kaum wahrnehmbar sind. Das Fahrwerk insgesamt ist straff bis sehr straff – je nach gewähltem Fahrmodus. Die Lenkung ist äußerst präzise und ebenfalls straff, während die beiden Doppel-Auspuffrohre einen veritablen Sound aus dem 300 PS starken Boliden zaubern.

Doch der Sound allein genügt nicht, um zu gewinnen. Da muss auch das Triebwerk passen. Im Fall des Cupra Ateca handelt es sich um einen Zweiliter-Turbobenziner, der ein maximales Drehmoment von 400 Newtonmetern generiert. Das sorgt – nach einer kurzen Nachdenkpause – für entsprechenden Vortrieb und lässt den 1,6-Tonner nach 5,2 Sekunden die Hundertermarke knacken. Pluspunkte sammelt das sportliche SUV, das im Grenzbereich zum sanften Untersteuern neigt, auch dank seiner nahezu ruckfrei arbeitenden Siebengangautomatik und seiner standfesten Bremsen. Bei all dem sportlichen Charakter dürfen zwei positive Eigenschaften nicht unter den Teppich gekehrt werden: Dank Allrad eignet sich der Ateca auch im Wintereinsatz sowie für das Gelände und selbst bei höheren Geschwindigkeiten hält sich die Geräuschkulisse dezent zurück.

Digitales Cockpit

Für Seat-Fahrer ist der Cupra in Sachen Bedienbarkeit nicht wirklich gewöhnungsbedürftig. Das konfigurierbare Digital-Cockpit ist jedenfalls serienmäßig, für schnelle Etappen ist die Layout-Variante mit riesigem Drehzahlmesser in der Mitte die erste Wahl.

Die Cupra-Statements kommen über kupferfarbene Ziernähte und Carbon-Dekor, aber alles dezent. Dazu ist er praktisch: Reichlich Platz auch im Fond, bis zu 1579 Liter fasst der Kofferraum – das Auto kombiniert Tempo mit Allround-Können.

Der Cupra Ateca ist ab Werk gut ausgestattet, unter anderem inklusive Zweizonen-Klimaautomatik, digitalem Infodisplay, Regensensor, schlüssellosem Zugang, LED-Innenraumbeleuchtung, Multifunktions-Lederlenkrad, Tempomat, Müdigkeitserkennung, Alcantara-Ledersitzen, Frontassistent inklusive City-Notbremsfunktion, LED-Scheinwerfern und Parklenkassistent. Will man Brembo-Bremsanlage, elektrische Heckklappe, Panorama-Glasdach und Anhängevorrichtung und einige andere Gimmicks dazu, steigt der Gesamtpreis auf gut 57.000 Euro. Wir meinen: Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist grundsätzlich in Ordnung.

Fazit: Einen ersten Platz kann der Cupra Ateca schon für sich verbuchen, er ist der erste Spross einer neuen Marke mit großen Ambitionen. Im Großen und Ganzen ist der Einstand auch gelungen, dank der ausgewogenen Kombination aus Alltagsnutzen und Sportlichkeit.

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