Erstmals mehr Gas aus den USA als aus Russland importiert

Russland hat die Gaslieferungen stark gedrosselt © APA/ANP/KOEN VAN WEEL

Nachdem Russland seine Gaslieferungen zuletzt reduziert hat, hat die EU im Juni erstmals mehr Gas aus den USA importiert als aus Russland. Das geht aus einer Grafik der Internationalen Energieagentur (IEA) hervor, die ihr Chef Fatih Birol am Donnerstag auf Twitter teilte. Gas aus den USA kommt als Flüssiggas (LNG, Liquefied Natural Gas) per Schiff in der EU an. Bisher spielte LNG in der EU eine untergeordnete Rolle, unter anderem weil es aufwendig verarbeitet werden muss.

Die Gaslieferungen aus Russland sind seit dem vergangenen Jahr kontinuierlich gesunken. Unterdessen wurde immer mehr LNG aus den USA importiert. Im Juni sind die russischen Gaslieferungen nun so stark zurückgegangen, dass erstmals mehr LNG aus den USA in die EU importiert wurde.

Infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine haben die USA ihre Exporte von Flüssiggas nach Europa fast verdreifacht. Seit März seien die weltweiten LNG-Exporte nach Europa im Vergleich zu 2021 um 75 Prozent gestiegen, hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung von US-Präsident Joe Biden und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zuletzt beim G7-Gipfel in Bayern.

Gasförmiges Erdgas kann nur in Rohrleitungen transportiert werden. Um LNG herzustellen, wird Erdgas auf rund 160 Grad Celsius heruntergekühlt und dadurch verflüssigt. LNG hat etwa ein Sechshundertstel des Volumens von gasförmigem Erdgas und kann in speziellen Transportbehältern per Schiff, auf der Straße und der Schiene transportiert werden.

Bei der Ankunft in der EU muss das LNG wieder gasifiziert werden, damit es über die europäischen Pipelines weiter transportiert werden kann. Dazu sind sogenannte LNG-Terminals notwendig. Solche Terminals gibt es in mehreren Ländern, etwa den Niederlanden, Frankreich, Spanien, Italien und Kroatien. Deutschland hat bisher noch keinen LNG-Terminal, will aber mehrere in den nächsten Monaten und Jahren in Betrieb nehmen.

Die aufwendige Verarbeitung machte LNG aus den USA bisher wesentlich teurer als russisches Gas. Infolge des russischen Angriffskrieges ist auch der Preis für russisches Gas stark gestiegen. Die EU will ihre Abhängigkeit von Russland bei Gas reduzieren und fragt daher vermehrt LNG nach. Das wiederum verknappt das Angebot und treibt die Preise für Flüssiggas in die Höhe.

Die aufwendige Verarbeitung macht LNG auch klimaschädlicher als Erdgas, das in Pipelines transportiert wird. Die Produktion, Verflüssigung, Betankung, der Transport und die Lagerung von Flüssiggas sind sehr energieintensiv. Auf den langen Transportwegen können Teile des Gases außerdem austreten und damit verloren gehen (Leakage).

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