„Es braucht klare Anweisungen“

Wolfgang Steiger, oberster Elternvertreter in OÖ, will Klarheit für das Schuljahr 2022/23

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Passend zur Halbzeit der Sommerferien in Oberösterreich, spricht das VOLKSBLATT mit den Vertretern aus dem Bildungsbereich über Lehren, die man aus dem vergangenen Schuljahr ziehen muss und mit welchen Gefühl Sie auf das bevorstehende Schuljahr blicken.

Im Gespräch stellt sich der Präsident des Landesverbands der Elternvereine (LVEV OÖ), Wolfgang Steiger den Fragen.

VOLKSBLATT: Das abgelaufene Schuljahr war wie schon das davor kein leichtes. Mit ein paar Wochen Abstand, wie blickt man aus der Sicht des Elternvertreters auf das Jahr zurück?

STEIGER: Wir wollen gar nicht so sehr zurückschauen, denn es kostete sehr viel an Energie. Es gab große Ärgernisse und die Unkoordiniertheit hat uns echt aufgeregt. Wir wollen aber jetzt nach vorne schauen und uns ganz auf das kommende Schuljahr fokussieren.

Dabei hat das Schuljahr ja gut begonnen …

Das stimmt, alles war relativ ruhig und die Leute sind in den Herbst gegangen mit dem Gefühl Corona sei vorbei. Dann hat es aber geschnalzt, die Zahlen sind explodiert und gleichzeitig ist der Betreuungslevel bei den Schülern nach unten gegangen, das Belastungslevel aber hoch.

Lag es am fehlenden Maßnahmenangebot?

Ich will nicht verallgemeinern. Aber es funktioniert nur, wenn alle wollen. Den Eindruck hatte ich nicht immer. Da müssen sich alle an der Nase nehmen: Politik, Schulen Pädagogen, Schüler und auch wir Eltern. Uns haben naturgemäß viele Beschwerden über Pädagogen erreicht. Manche Lehrer und Professoren haben sich teils tagelang nicht bei den Schülern gemeldet. Dabei ist es nicht schwer denke ich einen Stundenplan in „Teams“ (Videokonferenzdienst, Anm.) abzubilden. Und wenn ein „normaler“ Unterricht nicht möglich ist, dann gebe ich halt eine Leseliste den Schülern, etwa in Deutsch. Stattdessen wurde der Druck immer größer. Aber all das aufzuholen, was versäumt wurde, geht nicht. Da sind sicher Fehler passiert. Stichwort „Matura – wie immer“. Auch wenn wir kein Distance-Learning mehr haben und der Unterricht normal verläuft, jetzt kommen erst die „richtigen Corona-Jahrgänge“. Jene Schüler, die lange weg waren von der Schule und die mitunter am größten psychisch belastet waren oder noch sind.

Wie kann man da helfen bzw. wird geholfen?

Wir sind dabei die Peer-Plattform massiv zu fördern. Peers können den betroffenen Schülern direkt vor Ort helfen. Wenn sich ein Elternverein für das Programm entscheidet, zahlen wir fast den gesamten Betrag, der dafür nötig ist. 45 Euro pro Peer und einen Peer pro zwei Klassen.

Die Regierung kündigt für das kommende Schuljahr einen „gesamthaften Variantenplan an“. Was versprechen sich die Eltern davon?

Das ist eigentlich genau das, was wir fordern. Einen Plan für alle Eventualitäten. Dieser muss aber vor allem eines: funktionieren. Wir sind jetzt in einer sehr freien Phase. Das kann sich sehr rasch ändern. Und darauf müssen Schulen, Pädagoginnen und Pädagogen vorbereitet sein. Es darf dann nicht mehr sein, dass wenn eine Klasse in Distance-Learning gehen muss, es drei Tage dauert, bis die passenden Lernpakete daherkommen. Wir haben jetzt rund drei Jahre mit „Teams“ und Co. herumprobiert und jetzt erwarten wir uns, dass das funktioniert. Es reicht nicht, wenn in der Schublade im Ministerium ein Plan liegt, den man dann rausholt, aber ihn niemand versteht. Die Pädagogen müssen schon vorher wissen, wenn Situation A eintrifft, machen wir das, wenn Situation B eintrifft, dann jenes, und so weiter. Weil auch die Lehrer besonders gefordert sind und unter Druck stehen.

Das Ministerium will den Plan am 27. August präsentieren, zwei Wochen vor Schulbeginn. Ist das früh genug?

Ich sage es so. Immerhin zwei Wochen vor Schulbeginn. Es hätte auch sein können, dass der Plan erst zwei Tage vor Schulbeginn kommt. (lacht) Nein, im Ernst. Früher – etwa schon am 15. August – wäre mir lieber gewesen. Solange die Maßnahmen, die drinnen stehen gut erklärt und klar umsetzbar sind, passt es aber. Es braucht klare Handlungsanweisungen, damit Schulen, Pädagogen, Schüler und Lehrer wissen, was Sache ist.

Sie haben die Lehrer angesprochen. Wie alarmierend ist der aktuelle Lehrermangel?

Ich bin ganz erstaunt, denn die demographische Entwicklung und die damit einhergehenden Pensionierungswellen, etc. kommt ja nicht über Nacht. Ich bin überrascht, dass man das offenbar nicht gesehen, oder ernst genommen hat. Jetzt braucht es gute und möglichst schnelle Lösungen.

… etwa durch Quereinsteiger aus anderen Berufen?

Das finde ich super, weil diese Personen aus dem „echten Leben“ kommen und viel Erfahrung mitbringen. Das kann sich im Klassenzimmer nur förderlich auswirken.

Mit dem LVEV OÖ-Präsidenten WOLFGANG STEIGER sprach Dominik Hennerbichler

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