Es geht um die Liebe … und um Sex im Alter

    Grein: Ohne Sommerspiele und Michael Gert undenkbar

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    Von der Lust im Alter gepackt: Mimi (Christine Renhardt) und Alexander (Erwin Bail).

    Von Ingo Rickl

    Freunde des gepflegten Schauspiels pilgern auch heuer nach Grein, um der Komödie „Herbstzeitlose Liebe“ des Stuttgarters Andreas Fritjof beizuwohnen. Im Vorfeld dieser für den Strudengau unverzichtbaren Greiner Sommerspiele hörte man Gerüchte, dass es mit dem zweitältesten oö. Sommerevent zu Ende gehe. Gemeinsam mit Hilde Günther hat Michael Gert das Schauspielfest 1964 ins Leben gerufen. Seine im Programmheft geäußerte Skepsis über die Zukunft ist verständlich, zumal das Stadttheater generalsaniert werden soll. In einem Gespräch des Schreibers dieser Zeilen, der seit 1964 alle Produktionen in Grein erleben durfte, mit Vizebürgermeisterin Tanja Neudorfhofer gab es Entwarnung: „Für Grein sind Michael Gert und die Sommerspiele unverzichtbar. Wir werden daher nach Bekanntgabe des Baubeginns durch die Landesregierung dafür sorgen, dass die Sommerspiele auch während der Adaptierungen weitergehen.“

    Die Sorgen der Altersgruppe „70 plus“

    Nach dieser mit einiger Skepsis aufgenommenen Vorschau erlebte man mit dem Lustspiel „Herbstzeitlose Liebe“ jene Sorgen, die sich Menschen der Altersgruppe „70 plus“ halt so machen. Leopold, Agnes und Alexander leben in einer Wohngemeinschaft. Alexander verliebt sich, jugendlich zurechtgemacht, in die verheiratete Mimi. Mimi, vom Sex mit Alexander inspiriert, schläft wieder mit ihrem Mann, der, durch Viagra aufgeputscht, stirbt. Ein Kriminalinspektor ermittelt. Mimi erhält 250.000 Euro aus der Sterbeversicherung und fliegt mit ihrem neuen Partner nach Argentinien. Auch Agnes und Leopold werden endlich ein Paar.
    Die eher mäßige Geschichte lebt vom Pointenreichtum, vor allem aber von den Komödianten, die die Späßchen und scheinbaren Lebensweisheiten perfekt zu servieren wissen. Als Agnes verströmt Gertraud Frey Charme und Verständnis für andere, an der Textsicherheit sollte sie noch feilen. Josef Peckhacker wirft seine vis comica in die Waagschale des zu Körpersport überredeten Leopold. Erwin Bail, der auch für das gemütliche Wohnzimmer-Ambiente verantwortlich zeichnet, verdrängt seine Altersprobleme auch dank seiner betont noblen Kleidung, durch scharf geschliffene jungbetonte Aussagen. Christine Renhardt ist die zwischen zwei Männern hin- und hergerissene Mimi, die den Tod ihres Mannes im Moment des höchsten Glückes erst dann verkraftet, als sie erfährt, dass auch er eine Freundin hatte. Schließlich gibt es zwei Paare mit der Aussicht auf einige Jahre Glück. Diese wird durch die am Tisch übriggebliebene Herstzeitlose, ein giftiges Liliengewächs, symbolisiert.
    Für die penible Wortregie ist Regisseur Fritz Holy verantwortlich, für den bei wenig technischen Möglichkeiten präzisen Ablauf Stefanie Gmachl, für die Miniszene des Inspektors Michael Gert (mit Sonderapplaus!).
    Was die an der Zukunft der Greiner Festspiele Interessierte wissen sollten: Das Wichtigste zum erhalt ist die Besucherfrequenz!

    Bis 3. September; Karten: 07268/373