„Es gilt auch für Ältere: Für Wertpapiere ist es nie zu spät“

Die Generation 60plus hat besondere Ansprüche in Geldfragen, betont VKB-Generaldirektor Christoph Wurm im Interview

Im heurigen Jahr will die VKB-Bank unter anderem das Kundensegment der Senioren besonders in den Fokus rücken.

Im Interview erklärt Generaldirektor Christoph Wurm die Beweggründe dafür.

VOLKSBLATT: 2020 beginnt so, wie 2019 geendet hat: mit einem historisch niedrigen Zinsniveau. Wie begegnen Sie dem?

WURM: So wie allen Herausforderungen: Wir überlegen, wie man aus der Situation das Beste machen kann. Auf Unternehmerseite liegen die Chancen in günstigen Investitionen. Private könnten in die Wohnraumschaffung und -verbesserung investieren.

Was ist die größte Herausforderung beim Vermögensaufbau?

Hier gilt es zu überlegen, wo investiere ich, damit ich mein Vermögen langfristig vermehre und erhalte und keineswegs durch eine Inflation, die bei zwei Prozent liegen kann, vermindere. Die Haupt-Herausforderung ist der Gap zwischen Inflation und Zinsniveau.

Versuchen Sie auch, Kundensegmente stärker in den Fokus zu rücken?

Es gibt Gruppen, die an gesellschaftlicher Bedeutung zunehmen und die aufgrund ihrer persönlichen Lebensgestaltung eine neue Rolle spielen. In der Vergangenheit war es etwa so, dass das Erwerbsleben die wichtigste Rolle gespielt hat. Heute haben wir die Situation, dass der Abschnitt nach dem Erwerbsleben üblicherweise ein sehr langer ist. Daher wollen wir gerade auch ältere Menschen unterstützen, ihr Leben ihren Vorstellungen gemäß zu gestalten.

Das heißt, 60plus steht im Fokus?

Genau, 60plus steht im Fokus. Wir wollen die Bedürfnisse in dieser Altersgruppe mit besonderen Lösungen unterstützen. Mit diesem klaren Auftrag gehen wir in das Jahr 2020.

Gemeinsam mit Seniorenbund-Chef Josef Pühringer und weiteren Partnern startet Wurm eine Info-Offensive für Ältere.
Gemeinsam mit Seniorenbund-Chef Josef Pühringer und weiteren Partnern startet Wurm eine Info-Offensive für Ältere. © VKB-Bank

Haben Seniorinnen und Senioren besondere Ansprüche in Geldfragen?

Natürlich! Die über 60-Jährigen haben lange gearbeitet, haben sich viel aufgebaut und sind zugleich mitten im Leben. Daher wollen sie auch noch viel umsetzen. Es geht ihnen also darum, Substanz zu erhalten, persönliche Werte zu vermehren und auch darum, Einkommen zu generieren, um eine Differenz zwischen Erwerbseinkommen und Pension möglichst gering zu halten.

Welche Anfragen gibt es in Ihrer täglichen Praxis?

Da geht es um Fragen im Bereich Wohnen inklusive Barrierefreiheit, um Fragen der Vermögensweitergabe und die Gestaltung des Freizeitbereiches mit Reisen und Sport. Da geht es auch stark um die Vorsorge für Kinder und Enkelkinder. Und es geht darum, das vorhandene Vermögen zu erhalten, ebenso wie darum zu schauen, wie ich aus meinen Vermögenswerten zusätzliches Geld generieren kann.

Ganz konkret: Wie können ältere Menschen im derzeitigen Zinsumfeld Vermögen aufbauen?

Hier gilt: Für Wertpapiere ist es nie zu spät. Wenn man mittel- und langfristig denkt, führt da kein Weg vorbei – auch wenn sich ältere Menschen oft sehr stark an Spareinlagen orientieren.

Braucht es hohe Überredungskunst, ältere Menschen weg vom Sparbuch zu bringen?

Wir überreden Kunden nie. Wir beraten und betreuen sie so gut, dass sie eigenständige Entscheidungen treffen können. Und unsere älteren Kunden brauchen den Raum und die Zeit, die ihnen zustehen. Sie lassen sich sicher nicht rasch abfertigen.

Bieten Sie neben Finanzdienstleistungen auch weitere Angebote?

Finanzdienstleistung losgelöst vom Leben gibt es überhaupt nie. Wir bieten daher Informationen über Wohnen, Sicherheit im persönlichen Bereich sowie im Umgang mit digitalen Medien, Gesundheit, den Bereich Testament und Vererben oder Absicherungen bei Krankheit.

Verlangen so heikle Themen Fingerspitzengefühl?

Es ist sinnvoll, das persönlich und vertrauensvoll zu besprechen. So bieten wir etwa eine kostenlose Erstberatung mit einem Notar.

Heißt das, der Online-Bereich ist da ungeeignet?

Der Online-Bereich funktioniert dort gut, wo man sich ein erstes Bild machen möchte, um dann tiefer einzusteigen. Oder für standardisierte Themen wie zum Beispiel Überweisungen. Im persönlichen Bereich wird jedoch persönliches Service sehr geschätzt.

Brauchen Sie bei diesen Serviceleistungen auch Partner?

Wir versuchen da immer, partnerschaftlich-kooperativ zu arbeiten, weil wir damit breitere Lösungen anbieten können. Unser Netzwerk an Partnern umfasst wie gesagt die Notare, aber auch das Telekommunikationsunternehmen Emporia. Wir haben eine Partnerschaft mit dem Roten Kreuz und eine sehr enge Partnerschaft mit Sicherheitsbehörden sowie mit dem Seniorenbund unter Landeshauptmann a. D. Josef Pühringer.

Wird das angenommen?

Ja, sehr. All unsere Partner werden bei einer Auftaktveranstaltung am 15. Jänner im Theater Phönix Rede und Antwort stehen. Und diese Veranstaltung ist bereits ausgebucht. Das Interesse ist enorm groß, weil auch die Zielgruppe immer größer wird: 2030 wird ein Drittel der oberösterreichischen Bevölkerung über 60 sein.

Welchen Anteil haben Senioren in Ihrer Kundenstruktur?

Wir haben derzeit einen Anteil von rund einem Drittel. Daher haben wir da bereits große Kompetenz.

Wann ist der beste Zeitpunkt, um sich über Senioren-spezifische Finanzthemen zu informieren?

Auch hier gilt, je früher, desto besser. Aber es ist umgekehrt auch nie zu spät.

Wie ist Ihre Meinung?