„Es ist 5 vor 12“: Lebenshilfe OÖ fehlen aktuell 40 Zivildiener

Sozialorganisation zieht im „Rennen um die Gunst der Bewerber“ oft den Kürzeren — Einzelne Leistungen stehen bereits an der Kippe

Zivis finden bei der Lebenshilfe einen abwechslungsreichen Job in einer großen Gemeinschaft. © Lebenshilfe OÖ

VÖCKLABRUCK — Die Lebenshilfe OÖ schlägt Alarm: Den Einrichtungen fehlen zusehends Zivildiener. 160 sind aktuell oberösterreichweit in den Wohn- oder Werkstätten, in Kindergärten und Horten im Einsatz — 40 weniger, als noch vor einigen Jahren. Ohne die Hilfe der Zivis wird es für die Mitarbeiter immer schwieriger, den laufenden Betrieb bei Pflege, Transport und der Betreuung der Klienten aufrecht zu halten. In den Bezirken Vöcklabruck, Steyr-Land (Weyer, Großraming), in Bad Ischl und in Linz ist der Zivildienermangel bereits eklatant spürbar. „Wir suchen händeringend“, sagt Stefan Soukup, der Leiter einer Wohneinrichtung in Vöcklabruck. Mittlerweile sei es „5 vor 12“.

Wenig attraktiver Job

Als Grund für den Zivildiener-Mangel sieht die Lebenshilfe nicht nur, dass derzeit geburtenschwache Jahrgänge betroffen sind, oder dass offenbar wieder ein stärkerer Zulauf zum Heer besteht. Vielmehr haben Organisationen, die sich um beeinträchtigte Menschen kümmern, scheinbar ein Imageprobleme: „Die wenigen Zivildiener können sich die Jobs nach Attraktivität aussuchen“, sagt der Leiter der Einrichtung, der derzeit auf einen, anstatt auf fünf Zivis zurückgreifen kann. Und kaum jemand wolle am Wochenende arbeiten und gewisse Pflegeaufgaben werden von vornherein abgelehnt.

Akute Bedrohung

„Gäbe es genügend Zivildiener, gäbe es diesen Wettbewerb um deren Gunst nicht. Es darf nicht dazu kommen, dass Sozialorganisationen um sie konkurrieren“, so Christine Rauscher, die Obfrau einer Arbeitsgruppe, die in der aktuellen Situation eine akute Bedrohung für Klienten und Mitarbeiter sieht. „Die Mitarbeiter können die Fülle der Aufgaben einfach nicht mehr bewältigen, und die Klienten leiden darunter“, stößt eine weitere Einrichtungsleiterin ins gleiche Horn. „Fehlen Zivildiener, fehlt Zeit für Zusatzangebote und personenzentriertes Arbeiten wird schwieriger“ bringt es GF Gerhard Scheinast auf den Punkt. Es führe kein Weg daran vorbei: „Wir brauchen dringend Zivildiener!“ Die Lebenshilfe appelliert daher an Bund und Land, drohenden Folgen – weniger Leistungen, höhere Kosten – entgegenzuwirken.

Hilfe für 1851 Klienten

In Oberösterreich ist die Lebenshilfe an 98 Standorten vertreten. 1433 Mitarbeiter kümmern sich um 1851 Klienten mit Beeinträchtigung. Die Zivildiener unterstützen das Personal bei ihrer Arbeit, übernehmen Fahrten zu Arztbesuchen, Therapien oder zum Einkaufen und sind auch in der Verwaltung, bei Reinigungs- oder Gartenarbeiten im Einsatz.re

Wie ist Ihre Meinung?