„Es muss was Wunderbares sein“

Salzburger Festspiele: Umjubelter Liederabend mit Jonas Kaufmann

Das Publikum würdigte ihn für seine Sangeskunst mit nahezu grenzenloser Verehrung: Jonas Kaufmann.
Das Publikum würdigte ihn für seine Sangeskunst mit nahezu grenzenloser Verehrung: Jonas Kaufmann. © SF/Marco Borrelli

„Es muss was Wunderbares sein“, wie es in einer der insgesamt sechs (!) Zugaben von Jonas Kaufmann bei seinem Salzburger Liederabend am Sonntagnachmittag im Großen Festspielhaus hieß. Ergänzend zum Liedtitel wäre zu sagen: … und Jonas Kaufmann heißen, dem das Festspielpublikum auch danach noch ohrenbetäubend zujubelte. Ein Weltstar der Oper als Liedsänger, weil seine Vielseitigkeit ohnehin mehr als bekannt ist. Aber er musste in eine weitaus schwierigere Rolle schlüpfen in einem reichhaltigen Programm aus zunächst zwölf klassisch-romantischen Liedern, die zudem meist bekannt waren und daher auch Vergleichsansprüche stellten.

Mit einer charmanten Begrüßung holte der Sänger sich gleich alle Sympathien und so war man nach fast jeder Nummer vom Applaus nicht abzuhalten. Kaufmann genoss sichtlich diese Bewunderung und Anbetung beinahe göttlichen Ausmaßes. Ob er es auch so wollte? Denn völlig aus sich herauszugehen, sein Stimmvolumen restlos auszuspielen, das gelang ihm viel deutlicher erst in dem Block von Liszt-Liedern nach der Pause.

Die arios besetzten Töne klangen kopfig, verhalten im Pianobereich, nicht einmal bei den zu erwartenden Steigerungen öffnete er sein Herz aus Überzeugung von den inhaltlich voll ausgeschöpften Liedern. Freilich, eine gewisse Natürlichkeit ist beim Gesangsstil schon von großem Vorteil, genauso die dynamisch differenzierte Vortragskultur, was — wie jeder Sänger weiß — viel diffiziler zu beherrschen ist. Leider klang manches jedoch leicht an der Grenze des manirierten technischen Demonstrierens einer großen Persönlichkeit, immerhin vom Format eines Jonas Kaufmann.

Zu erleben und genießen blieb noch genug, etwa das Charisma eines ohne Stargehabe auftretenden Künstlers, die Deutlichkeit seines Sprechens der Liedertexte, eine umspannende Musikalität, die kluge Präsenz seines Auftretens oder die Intensität seiner sängerischen Ausdrucksskala.

Zum Niederknien

Wie wunderbar ist es doch auch, einen Begleiter von internationalem Format wie den unvergleichlichen Helmut Deutsch zu haben, der jeden Atemzug von Kaufmann inspirativ begleitet und gestalterisch mit ihm von Lied zu Lied zur Perfektion harmonischen Liedvortrags beiträgt. Insgesamt zum Niederknien, wie sich das Publikum benahm, hat es sich auch für Standing Ovations entschieden.

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Von Georgina Szeless

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