„Es war eine Hassliebe zu den Mumins“

Ein Gespräch mit Alma Pöysti, die die „Heldin“ Tove Jansson spielt

Alma Pöysti als Tove Jansson
Alma Pöysti als Tove Jansson © Polyfilm

In „Tove“ spielt die finnische Schauspielerin Alma Pöysti die Schöpferin der Mumins, Tove Jansson. Das VOLKSBLATT sprach mit ihr übers Zeichnen, Krieg und Selbstachtung.

VOLKSBLATT: Auch in Österreich kennt man die Mumins. Aber was bedeuten sie in Skandinavien?

ALMA PÖYSTI: Heute steht in fast jedem Fenster eine Mumin-Puppe, sie sind wirklich überall. Viele Menschen in Skandinavien wachsen seit Generationen mit den Geschichten von Tove Jansson auf. Ich bin 1981 geboren und für mich waren es hauptsächlich die Bücher, heute gibt es viele TV-Serien, Filme, Theaterstücke. Tove Jansson ist in Skandinavien ein Vorbild, eine Legende.

Sie haben ja bereits Mumins-Figuren Ihre Stimme geliehen …

Ich habe auch schon in einem Theaterstück von Tove Jansson gespielt, Tove selbst auf der Bühne gespielt und ein paar Mumins die Stimme geliehen. Es gibt kein Entkommen (lacht).

Es war also nur logisch, dass Sie Tove jetzt auch im Film spielen.

Nein, gar nicht. Es wurden neun Monate Schauspielerinnen in Finnland und Schweden gecastet, es war also ein ziemlicher Wettbewerb.

Was bedeutet es für Sie, diese Heldin zu spielen?

Es war beängstigend und wundervoll gleichzeitig (lacht). Wir haben versucht, ihren Geist einzufangen, ihre Philosophie. Wenn man ein Leben in zwei Stunden packt, kann man es nur streifen. Ich denke, es war schlau, zehn Jahre aus ihrem Leben zu erzählen, in denen auch der Krieg eine große Rolle gespielt hat und ihr Pazifismus, der auf dieser Zeit basiert.

Und das ist leider mehr als aktuell heute …

Wenn man Hoffnung finden möchte in diesen dunkeln Zeiten, dann vielleicht darin, dass die Menschen damals gegen die Traurigkeit gekämpft haben und wussten, wie zerbrechlich das Leben ist. Deshalb versuchten sie, das meiste aus ihrem Leben herauszuholen. Also: Hab eine gute Party, solange du kannst! Sei dir deines Lebens und deines Tuns bewusst, aber nimm dich nie zu ernst!

Wie würden Sie Tove Jansson beschreiben?

Sie war sehr stark und hat starke Entscheidungen getroffen. Und das in einer Zeit, wo von Frauen anderes erwartet worden ist. Aber sie wollte Künstlerin sein und hat bewusst entschieden, nicht zu heiraten und keine Kinder zu bekommen. Sie sagte, dass sie nicht mehr Soldaten in die Welt setzen wolle. Das war sehr radikal. Sie dachte auch, dass es nicht das Geschlecht ist, in das man sich verliebt, sondern die Person. In einer sehr stillen Art war sie bahnbrechend und öffnete viele Türen.

Tove haderte damit, dass die Mumins erfolgreich wurden, aber nicht die Bilder, die sie wirklich malen wollte. Kennen Sie diesen Zwiespalt als Künstlerin?

Ich versuche als Schauspielerin immer Entscheidungen zu treffen, hinter denen ich stehe und die mich inspirieren. Ansonsten würde es langsam meine Seele auffressen. Ich denke, es ist eine Frage, die Künstler immer beschäftigt.

Hat Tove schließlich Frieden mit den Mumins geschlossen?

Ja, aber sie wurde schon ein bisschen eine Gefangene dieses Erfolgs. Aber sie hat es geschafft, das Tor zum Mumin-Tal zu schließen und ging zurück zu ihrer Malerei, die alles andere als niedlich war. Aber es war schon eine Hassliebe zu den Mumins.

Haben Sie selbst im Film gezeichnet?

Ja, ich habe Unterricht genommen! Mit unserer Künstlerin am Set habe ich meine Hände verglichen, und wir haben exakt die gleichen Hände. Also konnte sie mich immer retten, wenn mein Talent nicht gereicht hat. Aber ich würde Ihnen nie erzählen, wo das der Fall war (lacht). Aber ich habe wirklich die ganze Zeit Mumins gezeichnet …

Ich finde ja, der Film ist eine große Lovestory.

Ich denke auch, aber es ist auch eine Liebesgeschichte über ihre Kunst, ihr Herz, ihre Leidenschaft und Neugierde. Und es ist eine Geschichte über die Liebe zu sich selbst und wie man Selbstachtung findet.

Mit ALMA PÖYSTI sprach Mariella Moshammer

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