Es wuchert im Garten der Kunstuni

„Wild State“, die größte bisherige Beteiligung am Ars Eletronica Festival

Über ein Fernsteuerung kann man Fragmente eines Porträts neu zusammensetzen: „Portrait of a Generative Memory“ von Indiara de Benedetton geht der Frage nach der Identität nach.
Über ein Fernsteuerung kann man Fragmente eines Porträts neu zusammensetzen: „Portrait of a Generative Memory“ von Indiara de Benedetton geht der Frage nach der Identität nach. © Indiara de Benedetto, „Portrait of a Generative Memory”, 2020

Als „Glücksmoment“ bezeichnete Rektorin Brigitte Hütter gestern die Präsentation der diesjährigen Beteiligung der Linzer Kunstuniversität am Ars Electronica Festival. Der heurige Auftritt, an dem mehr als 120 Künstler mitwirken, der bisher größte. Unter dem Titel „Wild State“ und der Leitung von Professorin Christa Sommerer finden in den Gebäuden der Uni am Hauptplatz, auf dem Platz selbst und im Internet bis 13. September u. a. Ausstellungen, Performances und ein Symposium statt.

Gerade in schwierigen Zeiten sei es die Aufgabe der Kunst „angstfrei, widerständig, laut, mutig und wild“ zu sein, so die Rektorin weiter, und „Wilde State“ ein Garten, indem es wild und frei wuchere. Für die Linzer Kulturstadträtin Doris Lang-Mayerhofer bedeutet „Wild State“ ein „mutiges Zeichen in einer schwierigen Zeit, das Zuversicht gibt, wie das nur Kultur kann.“

Ein riesiger Screen auf der Fassade des Gebäudes am Hauptplatz 8 wird in den Ars-Tagen mit interaktiven und audovisuellen Arbeiten von Mognonneau & Sommerer und DEPART bespielt. Dabei kann man sich auch selbst von einer Kamera einfangen lassen und auf dem Bildschirm dabei zusehen, wie man zu unzähligen Ameisen zerfließt. Menschen auf dem Hauptplatz sollen so angesprochen werden und auch dazu motiviert, die Ausstellungsräume zu besuchen. Bei vielen Exponaten kann man dort dann auch selber experimentieren.

Isolation als zentrales Thema

Isolation, die Auswirkungen, die Corona auf unser Leben hat, sind häufig Thema der gezeigten Arbeiten — und die stammen nicht nur von jungen Linzer Künstlern aus verschiedenen Abteilungen der Kunstuni, sondern auch von Studenten von insgesamt 13 Partneruniversitäten. So wie das Virtual Reality-Projekt „Sharky Shark“ aus Frankreich: Damit können Besucher in die Welt unter Wasser eintauchen.

Eine Studentin der Linzer Abteilung „Interface Cultures“ saß durch den Lockdown auf einer Insel fest. Aus der Isolation heraus entwickelte sie ein eigenes Format: Im Rahmen von „COCO-lands“ hat sie künstlerische Tagebucheintragungen aus der ganzen Welt gesammelt und so auch soziale Kontakte knüpfen können. Über eine drehbaren Ball, der die Erde symbolisiert, kann man Beiträge auf einer digitalen Weltkarte ansteuern. Vor dem Eingang zur Ausstellung pflastern Fotos den Weg, die sich über den ganzen Hauptplatz ausbreiten sollen: Der Fotowettbewerb „Meter machen“ lädt dazu ein, schräge Situationen, die sich durch das Abstandhalten ergeben, auf Bildern festzuhalten.

Zum üblichen Flohmarktgeschehen gesellt sich am Samstag auch ein ganz spezielles: „The Internet Yami-Ichi“ ist ein schräger Flohmarkt für Dinge mit Internet-Bezug. Der Sound Campus kann im kleinen Rahmen physisch besucht werden, spielt sich aber hauptsächlich im Netz ab. Mit einem Bärchen-Avatar kann man durch die als Schiff konzipierte Ausstellung hüpfen und Konzerten lauschen.

Infos und Live-Streams: ausstellungen.ufg.at/wildstate

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