Essbarer Blütentraum

Viele unserer Sommerblumen aus dem Garten bereichern nicht nur die Beete. Sie sorgen durch ihre fröhlichen Farben für gute Laune, auch auf unseren Tellern sind sie eine willkommene Abwechslung – ihre essbaren Blüten sorgen in Salaten, Snacks und Desserts für eine ganz besondere Geschmacksnote und sind wahre Hingucker im gesunden Speiseplan. Probieren Sie es doch einfach einmal aus. Wer einmal davon gekostet hat und im wahrsten Sinne auf den Geschmack gekommen ist, kann meist nicht mehr widerstehen.

In meiner heutigen Gartengeschichte möchte ich Sie mitnehmen auf einen genussvollen Spaziergang durch den Sommergarten.

Welche Sommerblumen Sie getrost verspeisen können, wie und wo sie wachsen, welchen Gerichten Sie eine individuelle Note damit geben können, was Sie vermeiden sollten und wie Sie im Handumdrehen ein blumiges Sommerfest arrangieren — das erfahren Sie in den folgenden Zeilen und Bildern. Kommen Sie mit auf meine kulinarische Gartenreise …

Finger weg von Akelei, Fingerhut und Steinklee

Das Wichtigste zuerst: Ob Blumen bzw. Blüten bestimmter Pflanzen genießbar sind, sieht man ihnen leider nicht an! Daher gilt: wenn Sie nicht sicher sind, unbedingt stehen lassen!! Einige Blumen sind sogar hochgiftig — Finger weg von: Akelei, Christrose, Eisenhut, Engelstrompete, Fingerhut, Goldregen, Oleander, Herbstzeitlose, Maiglöckchen, Hahnenfuß, Schierling, Steinklee, Tollkirsche sowie Nachtschattengewächsen wie Tomaten- oder Kartoffelblüten.

Die gute Nachricht: ganz viele Blüten sind essbar und man kann aus ihnen tolle Gerichte zaubern. Ihre Aromen gehen von herzhaft, leicht pfeffrig bis süßlich, manchmal auch „neutral“. Sie sind in der Küche vielseitig einsetzbar — frisch, getrocknet, roh, gegart, zu Sirup oder Gelee verarbeitet oder in Essig und Alkohol eingelegt. Kräuter- und Gemüseblüten verfeinern in der Regel herzhafte Gerichte, Blumenblüten eignen sich meist für süße Speisen und Getränke oder einfach als optische Hingucker.

Gerade heiße Sommertage möchte man nicht für Stunden in der Küche verbringen. So lässt sich ein einfacher Salat schon mit wenigen, frisch gezupften Blüten etwa von Kapuzinerkresse, Borretsch, Malve, Ringelblume oder Kornblume nicht nur in einen Augen- sondern auch zum Gaumenschmaus verwandeln. Gehackt machen sie aus Kräutertopfen, Dips und Blütenbutter (dazu küchenwarme Butter mit Blüten vermengen, in kleine Silikonförmchen geben und im Kühlschrank festwerden lassen) zu farbenfrohen Highlights, die man einfach auf – vielleicht selbstgebackenem — Brot oder Baguette frisch genießt. Ihrer Fantasie sind da (beinah) keine Grenzen gesetzt – machen Sie einen Streifzug durch Ihren Garten.

Am besten ernten Sie in den frühen Morgenstunden, da sind die meisten Inhalts- und Geschmackstoffe enthalten. Die Blumen sind noch frisch vom Morgentau. Blüten, die sich gerade geöffnet haben sind am aromatischsten. Wenn Sie die Blüten erst fürs abendliche Sommerfest benötigen, legen Sie sie einfach nebeneinander in eine Schale, benetzen sie ein wenig mit Wasser und stellen sie in den Kühlschrank. So machen sie auch abends noch einen taufrischen Eindruck.

Wer keinen Garten hat, kann natürlich in freier Natur ernten. Dass man nicht neben stark befahrenen Straßen erntet oder an Plätzen wo „Wuffi“ sich erleichtert, ist wohl selbstverständlich. Bitte auch nur geringe Mengen nehmen, um Naturbestände schonend zu beernten. Wichtig: Nur ungespritzte Pflanzen sollten zum Einsatz kommen.

Genussgarten auf der Fensterbank

Sie können Ihre essbaren Blüten aber auch ganz problemlos auf dem Balkon oder sogar „indoor“ anbauen. Es gibt dazu schon tolle Blumensamenmischungen, die sich in der Regel leicht kultivieren lassen. So haben Sie einen kleinen Genussgarten auf der Fensterbank, der für gute Laune sorgt.

Essbare Blumen sind aber nicht nur Dekoration, wer Blumen zwischen sein Gemüse setzt hat meist auch eine reichere Ernte, denn sie locken viele Insekten in den Gemüsegarten und sorgen so für eine bessere Bestäubung. Das heißt aber wiederum, dass Blüten vor der Verwendung in der Küche vorbereitet werden müssen. Da Blumen Nahrung für Insekten sind, schüttelt man sie zunächst aus, um ebensolche zu entfernen und wäscht sie — jedoch nur wenn unbedingt nötig — mit kaltem Wasser ab und tupft sie sanft trocken. Stiele, Kelchblätter und Stempel mit Staubgefäßen werden entfernt, bei Rosen ebenso der manchmal bittere Blütenansatz.

Welche bekannten Garten- bzw. bekannten Sommerwiesenblumen sind nun genießbar?
Rosen, Dahlien, Borretsch, Rucolablüten, Ringelblumen, Kapuzinerkresse, Schnittlauchblüten, Malven, Funkien, Hibiskus, Kornblumen, Nachtkerze, Königskerze, Palmlilien, Lavendel, Rosmarin, Oreganum, Thymian, Salbei, Indianernessel, Fenchel, Nelken, Phlox, Sonnenblumen, Duftpelargonie, Taglilien, Zucchiniblüten und noch viele mehr. Die beiden letzten kann man ganz wunderbar mit Kräutertopfen füllen und pur oder in Backteig frittiert genießen – einfach köstlich und so vitaminreich.

Noch mehr Rezepte und Anregungen finden Sie auf meiner Website in einem ausführlicheren Beitrag dazu. Beispielsweise wie Sie mit Lavendelblüten Ihrer Pastasauce eine ganz besondere Note verleihen und wie einfach Fenchelblüten Risotto verfeinern …
Wer es süß mag bereitet kandierte Blüten zu. Wie das funktioniert können Sie auf meiner Website im Muttertagsblog nachlesen. Dort sehen Sie detailliert, wie Sie kandierte Veilchen herstellen können — eine wahre Geschmacksexplosion!

Blüten für die üppige Sommerfesttafel

Duftintensive Blüten lassen sich zu aromatischem Sirup verarbeiten, so kann man den Sommer auch für den Winter gut konservieren. Ein unkomplizierter Tipp fürs Gartenfest sind Blüten-Eiswürfel in sommerlich kühlen Cocktails — die finden wohl alle Gäste toll!
Überraschen Sie doch einmal Ihre Gäste beim Sommerfest mit einer üppig dekorierten Sommerfesttafel und bringen Sie Blumen nicht nur als Deko zum Einsatz! Streuen Sie im wahrsten Sinne Ihren Gästen Blumen.

„Platzteller“ aus Zucchiniblättern, Blumen in allen Formen und Farben und dazu als kulinarisches Highlight: Cones aus Blätterteig, garniert mit einer Taglilienblüte, die mit Blütentopfen gefüllt wurde – gebettet auf einem „Blumensalat“, mariniert mit einem leichten Dressing. Ein schnelles und leichtes Sommergericht. Ich freue mich, wenn ich dazu die eine oder andere Inspiration geben konnte!

PS: Wenn Sie meinen Garten und mich gerne einmal besuchen möchten, gibt es am 13. und 20. September dazu Gelegenheit, anlässlich der „offenen Gartentage“ von 9 bis 17 Uhr. Ich freue mich, Sie kennenzulernen! (aber bitte nicht meinen Garten „aufessen“!)

VON PATRIZIA HASLINGER
www.theheartgardener.at

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