EU-Abgeordnete kritisieren Amazon wegen Jobanzeige

In Anbetracht einer Jobausschreibung von Amazon, in der Analysten gesucht wurden, die „Bedrohungen“ überwachen – darunter wurden nicht nur Hassgruppierungen und Terroristen, sondern auch Gewerkschaften und „feindselige Politiker“ zusammengefasst -, haben zahlreiche EU-Abgeordnete den US-Konzern in einem offenen Brief scharf kritisiert. Die Management-Praktiken des Konzerns seien „mehr als fragwürdig“, heißt es in dem Brief. Amazon spricht von einem Fehler.

In der Jobausschreibung seien mehrmals Hassgruppierungen und Terroristen mit Gewerkschaftsorganisationen und „feindseligen politischen Akteuren“ zu einer Gruppe zusammengefasst und damit auf eine Ebene gestellt worden, kritisieren die Abgeordneten in dem Schreiben, der auch von mehreren österreichischen EU-Abgeordneten- Evelyn Regner, Andreas Schieder, Günther Sidl und Bettina Vollath (alle SPÖ) – unterschrieben wurde.


Dies schüre die Sorge, dass die Überwachung bewusst auf Gewerkschafter – also auf Amazons eigene Arbeitnehmer – sowie auf politische Vertreter, die eventuell Kritik an Amazons Vorgangsweisen äußern könnte, abziele. Darüber hinaus habe Amazon Personen mit Französisch- und Spanisch-Kenntnissen gesucht, was die Abgeordneten vermuten lässt, dass die Überwachung in Europa stattfinden soll.

„Die Anwerbung von Mitarbeitern zum Ausspionieren potenzieller Gegner, seien sie intern oder extern, ist nicht tolerierbar“, heißt es in dem Brief weiter. Auch die Management-Praktiken des Konzerns seien „mehr als fragwürdig“. Amazon-Mitarbeiter in Europa kritisieren bereits seit Monaten prekäre Anstellungsverhältnisse, die sich in der Corona-Krise noch verschärft haben, hohen Leistungsdruck gepaart mit Sorgen um eine Entlassung sowie den Widerstand gegen die Bildung von gewerkschaftlichen Gruppen.

Dazu schreiben die Abgeordneten: „Als Mitglieder des Europäischen Parlaments erinnern wir daran, dass die Versammlungsfreiheit und das Recht, sich zu organisieren, die Grundwerte der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) sind.“ Der Respekt gegenüber dieser Rechte sei nicht optional.

Laut dem Brief hat Amazon die Ausschreibung mittlerweile zurückgenommen mit der Begründung: „Die Stellenausschreibung war keine genaue Beschreibung der Rolle – es war ein Fehler, der seither korrigiert wurde“.

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