Coronavirus: EU will Italien laut Anschober unterstützen

Im Kampf gegen das Coronavirus will die EU Italien mit medizinischem Material unterstützen. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) sagte vor einem zweiten Sondertreffen der EU-Gesundheitsminister am Freitag in Brüssel: “Die Situation in Italien wird für ganz Europa eine entscheidende.” Die EU müsse gemeinsam vorgehen, “das Virus hält sich an keine Grenzen”, so Anschober.

“Österreich will einen starken Beitrag leisten.” Die EU-Gesundheitsminister wollen bei dem Treffen zunächst von Italien wissen, welche Art der Unterstützung gewünscht werde, es könnte aber um Material im medizinischen Bereich gehen.

Anschober forderte auch eine gemeinsame EU-Strategie zur Medikamentenversorgung, angesichts von Engpässen auf dem Weltmarkt. Hier brauche es ein politisches Eingreifen. “Wir brauchen hier die Strategie einer Eigenversorgung, sowohl was Schutzkleidungen betrifft, aber vor allem was den Kernbereich der Medikamentenversorgung betrifft.” Er erwarte offensive Schritte der EU-Kommission in diese Richtung. Es sei aber auch klar, dass sich eine solche Strategie nicht von heute auf morgen umsetzen lasse.

Anschober betonte, man sei auf verschiedene Szenarien vorbereitet, auch auf den schlechtest möglichen Fall, doch sei er überzeugt, dass es Lösungen für ein besseres Szenario gebe. Die Situation habe sich wie erwartet mit den Steigerungsraten der Krankheitsfälle entwickelt. “Aber es gibt einen Hoffnungsfaktor, das ist die Entwicklung in China”, wo sich die Kurve mit 120 bis 150 Neuerkrankungen pro Tag drastisch reduziert und verflacht habe. “Wir hoffen sehr, dass es durch viele Genesungen, die ja in China bereits Realität sind, nun schrittweise in Richtung geringerer zahlen geht.”

Es gebe derzeit drei schwierige Regionen: Südkorea, vor allem aber der Iran , wo die Situation sehr besorgniserregend sei, und in Europa vor allem Italien. Die bisherige Containment-Strategie mit Eingrenzung von Erkrankungsfällen bleibe aufrecht.

Angesprochen auf die Schließung von Schulen und Universitäten in Italien betonte Anschober, solche Maßnahmen seien punktgenau abzustimmen und man müsse auch den richtigen Zeitpunkt erwischen. Wenn Großveranstaltungen gestoppt und Schulen und Universitäten zu früh geschlossen werden, wäre dies nicht ideal, da solche Maßnahmen nur über einen bestimmten überschaubaren Zeithorizont durchhalten wären. Er wolle auch nicht einzelne EU-Mitgliedstaaten kritisieren. Es gehe um eine europäische Solidarität für Italien, “die nützt auch uns allen selbst”.

Italien forderte mehr europäische Koordinierung im Umgang mit der Epidemie. “Die Kontakte zwischen uns EU-Gesundheitsministern in den letzten Tagen haben bestätigt, dass es trotz einer starken politischen Kooperationsbereitschaft Bedarf nach einer schnelleren europäischen Koordinierung besteht”, sagte der italienische Gesundheitsminister Luigi Speranza. Er drängte beim Treffen in Brüssel auf einen effizienten Informationstausch unter den EU-Mitgliedsstaaten, einen zentralen Erwerb sanitärer Geräte und Material, sowie deren Verteilung in den von der Epidemie am stärksten betroffenen Gebieten. Wichtig sei außerdem, dass alle Länder Vorbeugungspläne entwickeln.

“Italien verfügt über die professionellen, technischen und organisatorischen Ressourcen im Umgang mit dieser schwierigen Situation”, sagte Speranza. Er äußerte die Hoffnung, dass die EU die notwendige Unterstützung für einen gemeinsamen Kampf gegen die Epidemie leisten wird.

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