EU-Kommission: Corona-Auflagen haben Millionen Menschen gerettet

Die Corona-Beschränkungen in der Europäischen Union haben nach Einschätzung der EU-Kommission mehreren Dutzend Millionen Menschen das Leben gerettet. Die Schätzung gab ein EU-Beamter am Mittwoch in Brüssel ab.

Ohne Ausgangsbeschränkungen und Auflagen könnte jeder mit dem Coronavirus Infizierte vier bis sechs Menschen anstecken, fügte er hinzu.

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Bis jetzt seien etwa 85.000 Todesfälle in Europa mit dem Virus und der davon ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 in Verbindung gebracht worden. Die außerordentlichen Einschnitte im öffentlichen Leben seien also richtig gewesen, sagte der Beamte. Die EU-Kommission tritt dafür ein, dass die 27 EU-Mitglieder gemeinsame Kriterien für die Lockerung der Beschränkungen für Bürger und Wirtschaft festlegen.

Dies erklärten EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratschef Charles Michel am Mittwoch in Brüssel. Drei Voraussetzungen werden in einem Entwurf für eine sogenannte Ausstiegsstrategie als wesentlich für den Beginn der Öffnung genannt: eine spürbare Verlangsamung der Ausbreitung des Virus, ausreichende Kapazitäten im Gesundheitswesen – also genügend Krankenhaus- und Intensivbetten – und die Möglichkeit, die Ausbreitung des Virus wirksam zu überwachen, zum Beispiel mit groß angelegten Testreihen.

Das Tragen eines Mundschutzes könnte laut von der Leyen dazu beitragen, die Verbreitung des Coronavirus zu reduzieren, als Ersatz für die übrigen Hygienevorschriften sieht sie es jedoch nicht an. Die EU-Kommissionschefin bezog sich dabei auf Empfehlungen der EU-Gesundheitsbehörde ECDC von vor einigen Tagen. Bei der Versorgung mit medizinischen Masken müsse medizinisches Personal immer Priorität haben, betonte von der Leyen.

Mit einem schnellen Ende der Grenzkontrollen in Europa rechnet sie nicht. „Auf lange Sicht“, wenn das Coronavirus bekämpft sei, müssten sämtliche Kontrollen im eigentlich grenzkontrollfreien Schengenraum wieder behoben werden, sagte sie am Mittwoch in Brüssel. Zum Schengenraum gehören die meisten EU-Staaten sowie Island, Norwegen, Schweiz und Liechtenstein. Österreich kontrolliert die Grenzen zu den Nachbarländern außer Tschechien und der Slowakei bis 27. April.

Deutschland verlängert die in der Corona-Krise eingeführten Kontrollen an deutschen Grenzen bis 4. Mai, wie am Mittwoch ein Sprecher des Innenministeriums mitteilte. Die Kontrollen waren vor einem Monat eingeführt worden. Tschechien werde seine Grenzen „nicht vor Juni“ und nur unter bestimmten Bedingungen wieder öffnen, wie der tschechische Gesundheitsminister Adam Vojtech berichtete. Die Grenzöffnung werde auch von der Situation in anderen Ländern abhängen, hieß es. Vojtech stellte auch infrage, ob tschechische Staatsbürger den heurigen Sommerurlaub im Ausland verbringen dürfen.

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