EU-Kommissions-Vize will Lehren aus Wirecard-Skandal ziehen

Der Vizepräsident der EU-Kommission Valdis Dombrovskis sucht nach Konsequenzen aus dem Bilanzskandal des Zahlungsdienstleisters Wirecard. “Auf Kommissionsseite prüfen wir, welche Lehren aus dem Fall Wirecard für die EU-Finanzmarktgesetzgebung zu ziehen sind und ob wir Regeln verbessern müssen”, sagte er dem “Handelsblatt”.

“Dabei schauen wir uns insbesondere die Transparenzrichtlinie, die Rechnungslegungsrichtlinie, die Regeln für Abschlussprüfer und die Vorschriften gegen Marktmissbrauch an.” Dombrovskis erwägt nach dem Bericht auch, nationalen Behörden wie der deutschen Bafin die Aufsicht über große Zahlungsdienstleister zu entziehen und der EU-Bankenaufsicht zu übertragen. “Konzeptionell denken wir in diese Richtung”, sagte Dombrovskis. Im Herbst werde die Kommission einen “Fin Tech Action Plan” vorlegen. “Darin wird es auch darum gehen, wie wichtige Drittanbieter von Finanzdienstleistungen künftig der EU-Bankenaufsicht unterworfen werden.”

Die Wirecard AG und eine Handvoll Tochtergesellschaften waren Ende Juni zusammengebrochen, nachdem sich Kontostände von 1,9 Milliarden Euro als gefälscht erwiesen. Gegen die ehemalige Führung des Dax-Unternehmens um den Vorstandschef Markus Braun ermittelt die Staatsanwaltschaft, vor allem wegen bandenmäßigen Betrugs. Braun und zwei weitere Ex-Manager sitzen in Untersuchungshaft.

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