EU-Ratspräsident bedauert Verhalten in „SofaGate“-Affäre

Nach der massiven Kritik wegen des „SofaGates“ bedauert EU-Ratspräsident Charles Michel sein Verhalten beim Treffen der EU-Spitzen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan am Dienstag. „Wenn es möglich wäre, würde ich zurückreisen und die Sache reparieren“, sagte Michel gegenüber mehreren europäischen Wirtschaftsmedien, darunter dem italienischen „Sole 24 Ore“ und dem deutschen „Handelsblatt“ (Samstagsausgaben).

„Ich versichere Ihnen, dass ich seit dem Vorfall nachts nicht mehr gut geschlafen habe und dass ich in meinem Kopf den Film Dutzende Male zurückgespult habe. Ich übernehme meinen Teil der Verantwortung“, so der EU-Ratspräsident, der sich bei dem Treffen im türkischen Präsidentenpalast ohne zu zögern auf den Sessel neben Erdogan gesetzt und damit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vor laufenden Kameras brüskiert hatte. Für von der Leyen stand kein Sessel bereit, sie musste daher auf einem Sofa mit einigem Abstand zu Erdogan und Michel Platz nehmen.

„Ich hatte ein paar Sekunden Zeit, um zu entscheiden, welche Haltung ich einnehmen sollte. Ich hatte den Eindruck, dass eine mögliche Reaktion die lange diplomatische Arbeit vor unserem Besuch infrage gestellt hätte. Außerdem wollte ich keine paternalistische Haltung gegenüber Frau von der Leyen einnehmen“, so Michel nun. Allerdings respektiere er andere Meinungen und verstehe die Kritik an seinem Verhalten, so Michel. „Es tut mir sehr leid. Ich habe von der Leyen und allen Frauen bereits mein Bedauern ausgesprochen.“

Der Vorfall habe leider dazu beigetragen, dass die Substanz des Treffens mit Präsident Erdogan untergegangen sei, bedauerte der EU-Ratspräsident. „In den vergangenen Monaten haben uns die Spannungen im Mittelmeerraum wirklich beunruhigt. Wir befürchteten, dass wir kurz vor einem ernsten Zwischenfall standen. Ziel des Besuchs in Ankara war es, einen positiven Dialog mit der Türkei wieder aufzunehmen. Ich hoffe, dass wir irgendwann zum Inhalt des Treffens zurückkehren werden: Rechtsstaatlichkeit, Modernisierung der Zollunion, wirtschaftliche Zusammenarbeit, regionale Stabilität“, so Michel.

Der Wortwahl des italienischen Premiers Mario Draghi, der Erdogan als „Diktator“ bezeichnet hatte, wollte sich Michel nicht anschließen, er betonte aber, dass die EU „Fortschritte bei Menschenrechten und Grundfreiheiten“ erwarte.

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