EU-Umfrage: 80 Prozent gegen Zeitumstellung

EU-Abgeordnete wollen jetzt, dass Kommission umgehend einen Gesetzesvorschlag vorlegt — Diese kündigt eine Empfehlung an

BRÜSSEL/WIEN — Europaabgeordnete haben ein Ende der zweimal jährlich stattfindenden Zeitumstellung gefordert, nachdem eine große Mehrheit der EU-Bürger dies wünscht. „Die EU-Kommission ist jetzt gefragt, umgehend einen Gesetzesvorschlag vorzulegen“, sagte gestern der ÖVP-Abgeordnete Heinz Becker.

Konkret haben sich laut EU-Umfrage, an der 4,6 Millionen Europäer – darunter alleine drei Millionen aus Deutschland – teilgenommen haben, 80 Prozent gegen die Zeitumstellung ausgesprochen.

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„Die Zeitumstellung bringt keine Energieeinsparung, dafür stört sie die innere Uhr. Das bringt unter anderem ein erhöhtes Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, betonte Becker. Zudem könne die Störung des Biorhythmus besonders bei Kindern und älteren Menschen zu Schlaf- und Konzentrationsstörungen sowie zu Depressionen führen. Die Unfallquote im Straßenverkehr steige in der Woche nach der Zeitumstellung regelmäßig um bis zu 30 Prozent.

Die EU-Kommission will „eher früher als später“ einen Bericht mit Empfehlungen zur Zeitumstellung vorlegen. Laut einem Kommissionssprecher sei die öffentliche Konsultation kein Referendum gewesen, sondern nur ein Element in der laufenden Debatte. EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc wolle diese Woche noch das Kommissarskollegium über die Konsultation informieren, sagte der Sprecher. Erst danach werde die Kommission mit dem EU-Parlament und den EU-Staaten beraten und einen Bericht mit Empfehlungen vorlegen.

Das österreichische Wirtschaftsministerium ist für die Beibehaltung der Sommerzeit. „Die Zeitumstellung ist ein historisches Relikt ohne Nutzen für die Wirtschaft und die Bevölkerung“, sagte Ministerin Margarete Schramböck am letzten Tag der Abstimmung Mitte August.

Große Einsparung durch ganzjährige Sommerzeit

Laut einer Studie der JKU aus dem Jahr 2015 würde einen ganzjährige Sommerzeit eine Reihe von Vorteilen auf Gesundheit und Freizeitverhalten und eine jährliche Kosteneinsparung von 77,5 Mio. Euro pro Jahr alleine für Oberösterreich bringen. „Die EU sollte jetzt den Mut haben, rasch einen Beschluss für die ehestmögliche Abschaffung der Zeitumstellung und die Einführung der ganzjährigen Sommerzeit fassen“, so LR Rudi Anschober.