Borrell: 350.000 EU-Bürger noch im Ausland gestrandet

350.000 EU-Bürger auf Urlaub sind aufgrund der Coronakrise noch im Ausland gestrandet. Dies berichtete der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell am Freitag bei einer Pressekonferenz im Anschluss an eine Telekonferenz mit den EU-Außenministern, darunter Alexander Schallenberg (ÖVP). Die EU-Länder wollen die Koordination untereinander bei den Rückholungen verbessern, so Borrell.

Man habe sich darauf verständigt, “dass wir die Daten und die Flüge, die wir buchen, noch enger miteinander abstimmen”, sagte etwa der deutsche Außenminister Heiko Maas. Bürger anderer europäischer Länder sollten so in den Flugzeugen eines anderen Staates mitfliegen. Dabei sei auch eine engere Zusammenarbeit des Auswärtigen Dienstes der EU mit den nationalen Behörden geplant. Außerdem wolle man die Balkan-Staaten im Kampf gegen das Coronavirus unterstützen, sagt Maas.

Insgesamt wurden bereits 250.000 EU-Bürger in ihr Heimatland rückgeführt. Auch bei der Bekämpfung der Falsch- und Desinformation, die laut Borrell “gefährliche Auswirkungen auf die Gesundheit” haben kann, wollen die EU-Länder mit der EU-Kommission und den Sozialen Netzwerken verstärkt zusammenarbeiten. Der spanische Ex-Außenminister sprach von einer “Infodemie”, in Anlehnung an die Corona-Pandemie.

Borrell unterstrich die Bedeutung, den ärmsten Weltregionen und vor allem dem EU-Nachbarn Afrika in der Corona-Krise zu helfen. Wenn das Problem nicht überall gelöst werde, bedeute dies, dass es gar nicht gelöst sei und es jederzeit zu einem “Backlash” kommen könnte. In Afrika könnte die Situation “sehr schnell” außer Kontrolle geraten und es gebe dort keine Gesundheitsversorgung wie in Europa. Auf 10.000 Einwohner käme ein Doktor, führte er an. “Wir müssen Afrika helfen”, so der EU-Außenbeauftragte.

Dass die Ausbreitung des Coronavirus die Aufmerksamkeit von den Konflikten wie zum Beispiel in Syrien und Libyen ablenke, bestätigte Borrell. Er selbst verfolge die Situation jedoch sehr genau und verbringen jeden zehn Stunden pro Tag damit, telefonisch daran zu arbeiten. Die Pandemie habe vielerorts zu einer Waffenruhe geführt, nur in Libyen leider nicht, berichtete der EU-Außenbeauftragte.

Weiterhin keine Auskünfte gab es am Freitag darüber, welche materiellen und personellen Ressourcen die EU-Länder für die neue EU-Libyen-Mission zur Überwachung des UNO-Waffenembargos zur Verfügung stellen. Die Gespräche würden noch weitergeführt, hieß es.

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