EU will Milchpulver loswerden

358.000 Tonnen liegen derzeit auf Lager — Oö. Landwirtschaftskammer-Chef fordert eine Lösung

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Das Milchpulver erhitzt in der EU weiterhin die Gemüter. Anfang Jänner protestierten in Brüssel Bauern gegen den preisschädigenden Abverkauf der Lager. Jetzt liegen bereits 358.000 Tonnen in den Hallen. Es wird überlegt, das Milchpulver in aller Welt zu verschenken.
Das Milchpulver erhitzt in der EU weiterhin die Gemüter. Anfang Jänner protestierten in Brüssel Bauern gegen den preisschädigenden Abverkauf der Lager. Jetzt liegen bereits 358.000 Tonnen in den Hallen. Es wird überlegt, das Milchpulver in aller Welt zu verschenken. © AFP/Dunand

Von Harald Gruber

Im Zuge der Interventionen zur Stabilisierung des europäischen Milchmarktes hat die EU 2016 enorme Milchmengen abgeschöpft und in Form von Milchpulver auf Lager gelegt. Jetzt sind die Lager zum Bersten voll, die EU findet aber kaum Abnehmer für das Pulver. Schon kursieren in Brüssel Überlegungen, das Produkt an Bedürftige in aller Welt zu verschenken.

Verkaufen statt verschenken!

Ein Weg, den Oberösterreichs Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Reisecker auf VOLKSBLATT-Anfrage nicht einfach abnicken würde: „Die EU-Kommission sollte Vorschläge erarbeiten, mit dem Milchpulver auf Drittmärkten unterzukommen. Wie das Ganze ausgeht, wage ich derzeit aber nicht vorherzusagen.“ Grundsätzlich betont Reisecker aber, der Aufkauf von Milch habe den Landwirten in der Krise „sicher geholfen“, indem der Milchpreis nach unten hin abgedichtet worden sei. Dass nun auch das Milchpulver schnell aus dem Preistief kommt, glaubt Reisecker „eher nicht“.

Faktum ist jedenfalls, dass die EU zuletzt mehrere Auktionen abblasen musste, weil die eingegangenen Abnahmeangebote zu niedrig waren. So beziffert die EU-Kommission die Milchpulver-Lagerbestände weiter mit 357.360 Tonnen — ein seit September 2016 nahezu unverändert hoher Bestand. Höher aufgetürmt waren die Milchpulversäcke in den EU-Lagern zuletzt nur Ende 1991 mit 414.400 Tonnen. Apropos EU-Lager: die größten davon finden sich laut EU-Kommission in Frankreich (67.000 Tonnen), Belgien (65.000 Tonnen) und Deutschland (60.000 Tonnen). In österreichischen Lagern wird laut EU kein Milchpulver gehortet.

Gelagert werden die im Zuge der Intervention abgeschöpften Milchmengen jedenfalls in Form von entfettetem Magermilchpulver, weil Vollmilchpulver schnell verderben würden. Eingesetzt wird Magermilchpulver weltweit bei der Herstellung von Schokolade, Speiseeis, Instant-Kaffee und Babynahrung. In früheren Jahren konnten laut Angaben der EU-Kommission 40-50 Prozent des in der EU anfallenden Magermilchpulvers auf dem Weltmarkt abgesetzt werden.