Euro fällt nach US-Inflationsdaten unter Parität zum Dollar

Die EZB ist bei Zinserhöhungen bisher zögerlich © APA/dpa/Frank Rumpenhorst

Eine drohende Rezession in der Eurozone und der wachsende Zinsabstand zu den USA haben den Kurs des Euro am Mittwoch unter einen Dollar rutschen lassen. Die Gemeinschaftswährung fiel erstmals seit 2002 unter die Parität und kostete nur noch 0,9997 Dollar. Die jüngsten Inflationsdaten aus den USA heizten die Spekulationen der Anleger auf weitere aggressive Zinsanhebungen der US-Notenbank Fed an.

„Die US-Notenbank hat spätestens seit heute neue Argumente erhalten, um das rasche Tempo im Zinserhöhungszyklus weiter hochzuhalten“, sagte Analyst Timo Emden von Emden Research. „Einem weiteren XXL-Zinsschritt steht Ende des Monats auf der Notenbanksitzung womöglich wenig entgegen“. Auch an den Aktienmärkten ging es deswegen abwärts. Dax und EuroStoxx standen je 1,9 Prozent tiefer bei 12.677 und 3.424 Punkten. An den US-Börsen zeichneten sich vorbörslich ebenfalls Kursverluste ab.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat trotz der durch den Ukraine-Krieg eingetrübten Konjunkturaussichten zwar für Juli eine erste Anhebung des Einlagensatzes angedeutet. Die Fed hat ihren Schlüsselsatz in den vergangenen Monaten aber mehrfach angehoben, im Juni sogar um 0,75 Prozentpunkte. Das war der größte Schritt seit 1994. Die EZB werde ihren Zinserhöhungsrückstand gegenüber der Fed nicht aufholen können, wodurch der Euro weiter belastet werde, prognostizierte Mabrouk Chetouane, Chef-Anlagestratege des Vermögensverwalters Natixis.

Die Aussichten für den Euro bleiben insgesamt trübe. Börsianer treibt beispielsweise die Furcht vor einem möglichen kompletten Gaslieferstopp Russlands um. Sollte es dazu kommen, stehe die deutsche Wirtschaft vor dem Kollaps, warnte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets.

Während der holprigen Startphase rund um die Jahrtausendwende kostete der Euro schon einmal weniger als einen Dollar. Im Laufe der Zeit gewann er aber bei Anlegern zunehmend Vertrauen. Im Juli 2008, kurz vor dem endgültigen Ausbruch der Finanzkrise, erreichte die Gemeinschaftswährung mit 1,6038 Dollar ihr bisheriges Rekordhoch. Die anschließenden Zinssenkungen und billionenschweren Wertpapierkäufe der Europäischen Zentralbank (EZB), die in den Folgejahren wegen der Schuldenkrise und der Coronavirus-Pandemie intensiviert wurden, machten den Euro unattraktiver. Die durch den Ukraine-Krieg ausgelösten Rezessionsängste verschärfen den Abwertungsdruck.

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Diese drückten auch die Preise am Rohstoffmarkt. Spekulationen auf eine schwindende Nachfrage setzten unter anderem Kupfer erneut zu. Der Preis für das Industriemetall fiel am Mittwoch um mehr als zwei Prozent auf ein Eineinhalb-Jahres-Tief von 7.202,50 Dollar je Tonne.

Am deutschen Aktienmarkt zogen Gerresheimer nach überraschend starken Quartalszahlen in der Spitze um 10,2 Prozent an. Auch der Ausblick auf das zweite Halbjahr sei gut gewesen, sagte ein Händler. Der für die Pharma- und Kosmetikindustrie produzierende Verpackungshersteller betonte, es sei nicht zu befürchten, dass der Firma bei Engpässen der Gashahn zugedreht werde, da die Produkte wichtiger Bestandteil des Gesundheitssystems seien.

Dagegen schickte das geringe Anlegerinteresse an der zwei Milliarden Euro schweren Kapitalerhöhung Saipem erneut auf Talfahrt. Die Aktien des Ölindustrie-Dienstleisters fielen in Mailand um 40 Prozent auf 1,15 Euro. Damit haben sie binnen zwei Tagen mehr als zwei Drittel ihres Wertes eingebüßt. Investoren hatten nur rund 70 Prozent der zum Preis von je 1,013 Euro angebotenen Titel gezeichnet.

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