Europa leidet auf Nordhalbkugel am stärksten an Hitzewellen

Jetstreams im Wandel sorgen für zunehmende Extreme © APA/AFP/PATRICK T. FALLON

Europa ist auf der gesamten Nordhalbkugel am deutlichsten von stärkeren Hitzewellen betroffen. Hitzewellen über Europa nahmen drei- bis viermal schneller zu als in den übrigen nördlichen mittleren Breitengraden wie etwa in den USA oder Kanada, wie das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) am Dienstag mitteilte. Diese extremen Hitzeperioden hängen mit doppelten Jetstreams und ihrer zunehmenden Verweildauer über Eurasien zusammen – und sie werden weiter zunehmen.

Ein internationales Forscherteam wertete dazu Beobachtungsdaten aus den vergangenen 40 Jahren aus und zeigte erstmals, dass dieser rasche Anstieg mit Veränderungen in der atmosphärischen Zirkulation zusammenhängt. Der sogenannte Jetstream, ein schnell fließendes Windband, das die nördliche Hemisphäre der Erde in etwa zehn Kilometer Höhe von Westen nach Osten umströmt, ist im Wandel begriffen.

Zustände, in denen sich der Jetstream in zwei Äste aufspaltet und damit Doppeljetlagen bildet, stiegen zahlenmäßig demnach nicht, halten aber länger an. Dies erklärt der Studie zufolge fast ausnahmslos die Zunahme der Hitzewellen in Westeuropa und die etwa 30 Prozent mehr Hitzewellen im gesamten europäischen Raum.

Eine mögliche Erklärung für die zunehmende Verweildauer der Jetstreams ist nach Angaben der Forschenden die verstärkte Erwärmung der hohen Breiten, insbesondere über Landregionen wie Sibirien, Nordkanada und Alaska. Im Sommer hätten sich diese Regionen viel schneller erwärmt als der arktische Ozean. Dieser zunehmende Temperaturunterschied zwischen Land und Ozean begünstige das Fortbestehen von Doppeljetzuständen im Sommer.

In Westeuropa kommen die Wettersysteme normalerweise vom Atlantik und haben daher eine abkühlende Wirkung. Wenn es aber zum Doppeljet kommt, werden die Wettersysteme den Experten zufolge nach Norden abgelenkt, und über Westeuropa können sich anhaltende Hitzewellen entwickeln. In anderen europäischen Regionen wie dem Mittelmeerraum und Osteuropa hängen Hitzewellen wahrscheinlich eher mit trockenen Böden zusammen.

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„Sommerliche Hitzewellen sind an sich kein neues Phänomen – neu ist aber, dass extreme Hitzeereignisse in Europa in den letzten Jahren häufiger und intensiver aufgetreten sind“, erklärte Efi Rousi, Hauptautorin der Studie. Aus Sicht der PIK-Wissenschafterin ist damit zu rechnen, „dass das noch schlimmer wird“.

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