Europaparlament stimmte neuen Reifenkennzeichnungen ab 2021 zu

Reifen sollen ab dem kommenden Jahr genauer gekennzeichnet werden, damit Verbraucher leichter energiesparende Modelle auswählen können. Die EU-Abgeordneten stimmten den neuen Regeln zu, wie das Europaparlament am Donnerstag mitteilte. Das Abkommen muss nun noch formell von den EU-Ländern im Ministerrat verabschiedet werden. Dann würde es nach Angaben des Parlaments ab dem 1. Mai 2021 in Kraft treten.

Ziel der neuen Regeln ist weniger Spritverbrauch, was das Klima und auch den Geldbeutel entlasten soll. Das neue System könnte laut EU-Parlament dazu beitragen, CO2-Emissionen um zehn Millionen Tonnen zu verringern.

Den Vorschlag für eine bessere Kennzeichnung hatte die EU-Kommission schon im Mai 2018 vorgelegt. Hintergrund ist der steigende Energieverbrauch im Straßenverkehr, der auch mehr Treibhausgase bedeutet. Demnach sollen die Informationen auf den Reifen besser sichtbar und genauer werden.

Die Verordnung stelle sicher, dass Verbraucher klare, relevante und vergleichbare Informationen bei der Wahl der Reifen erhielten, erklärte die finnische Berichterstatterin Henna Virkkunen (EVP). Auch Reifen, die wenig Abrieb haben, sollten dadurch besser gekennzeichnet werden. Partikel aus dem Abrieb von Reifen verursachten einen Großteil des Mikroplastiks in der Umwelt, so Virkkunen.

Neue Vorgaben sollen zudem dafür sorgen, dass der Markt überwacht und die Regeln durchgesetzt werden. Optisch soll die Kennzeichnung ähnlich aussehen wie das geläufige EU-Energielabel, das eine Farbabstufung von grün bis rot nutzt.

Der ÖAMTC betonte in einer Aussendung dass das Reifenlabel weiterhin nur über einige wenige Reifeneigenschaften informiert. „Wie bisher sind das Rollwiderstand, Nasshaftung und externes Rollgeräusch, dazu kommen vorerst nur Infos über die Eignung bei Schnee bzw. auf Eisfahrbahn. Ersteres ist durch das Schneeflocken-Symbol aber ohnehin direkt am Reifen ersichtlich, zweiteres für Mitteleuropa kaum relevant“, sagte ÖAMTC-Reifenexperte Friedrich Eppel.

Kritisch sieht Eppel außerdem, dass es den Herstellern weiterhin zu leicht gemacht wird, bessere Labelklassen zu erreichen: „Eine entsprechende Verschärfung oder die Festlegung von Klassen, die besser als ‚A‘ sind, z. B. ‚AA‘ oder ‚A+‘, waren im Vorfeld geplant. Beides ist nun aber nicht mehr in der Verordnung zu finden, im Gegenteil: Das Label umfasst künftig nur fünf Klassen, Pkw-Reifen die bisher mit ‚E‘ oder ‚F‘ bewertet wurden, rücken eine Stufe auf. Das bedeutet, dass diese schwächeren Modelle dem Konsumenten sogar besser erscheinen als derzeit.“ Immerhin ist in der Verordnung eine Möglichkeit festgelegt, die Reifenleistungsklassen zu überarbeiten.

Positiv ist für den ÖAMTC-Experten hingegen, dass die Verordnung größeres Augenmerk auf die bessere Sichtbarkeit des Labels für den Konsumenten legt: Sowohl im klassischen als auch im Internet-Handel wurden die Anforderungen zur Kennzeichnung aktualisiert und jeder Reifen muss in einer Datenbank registriert sein. „Ein guter Ansatz ist außerdem, künftig auch die Laufleistung am Label abzubilden – immerhin ist das für Umwelt und Wirtschaftlichkeit ein wichtiger Aspekt“, meinte Eppel. „Noch ist allerdings unklar, wie das umgesetzt werden kann, denn ein für das Reifenlabel geeignetes, realitätsnahes Prüfverfahren ist noch in Entwicklung. Ein solches Verfahren muss z. B. kostengünstig sein, um den Reifenpreis für Konsumenten nicht zu erhöhen.“

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