Eva Maria Gintsberg: Die Reise

Weniger als 70 Seiten umfasst die Erzählung „Die Reise“ der Tiroler Schauspielerin Eva Maria Gintsberg. Im Mittelpunkt steht ein sorgsam gewobenes Netz an Beziehungen rund um ein ungelöstes Rätsel einer Familiengeschichte.

Die Erzählerin findet ein auf der Rückseite beschriftetes Fotos in der Korrespondenz ihres verstorbenen Vaters, das nahelegt, dass er im Krieg eine Beziehung zu einer Frau gehabt haben dürfte. Sie reist mit dem Zug in eine Stadt, wo sie Aufklärung durch einen dort lebenden ehemaligen Freund ihres Vaters erhofft.

In diesem Zug kommt es zu Begegnungen, die den Verlauf der Erzählung bestimmen und die Erzählerfiguren wechseln lassen: ein älterer Herr, der bei ihr im Abteil Platz nimmt, ist unterwegs zu seiner im Koma liegenden Tochter; Agnes, ein immer wieder den Zug durchstreifendes elfjähriges, aufgewecktes Mädchen ist mit seiner Tante nach einer Familientragödie in ein ungewisses, neues Leben aufgebrochen.

Zarte Andeutungen, ephemere Erinnerungen, unklare Aussagen vermischen sich. Alles hängt mit allem zusammen auf dieser Reise durch Leid und Liebe, Hoffnung und Enttäuschung. Gerade, was nie offen ausgesprochen wird, wirkt dennoch weiter. Ein interessantes Debüt einer Autorin und eines neuen, kleinen Verlags, der edition himmel.

Eva Maria Gintsberg: Die Reise. edition himmel bei Limbus, 76 Seiten, 16 Euro

Wie ist Ihre Meinung?