“Everywoman” schlägt in Salzburg dem Tod ein Schnippchen

Am Mittwoch haben die Salzburger Festspiele einen der berührendsten Momente des Jubiläumsjahres erlebt. Am Ende der Uraufführung von “Everywoman” in der Szene Salzburg verbeugten sich die Schauspielerin Ursina Lardi und die Krebspatientin Helga Bedau gemeinsam. Die Frau, mit der Lardi per Video in Dialog getreten war, hat es zur Premiere geschafft. Und dem Tod vorerst ein Schnippchen geschlagen.

Der Schweizer Regisseur Milo Rau war von den Salzburger Festspielen eingeladen worden, Hugo von Hofmannsthals Domplatz-Klassiker zum 100. Geburtstag des Festivals aktuell zu spiegeln. Statt der ursprünglich in Brasilien recherchierten “kritischen Bestandsaufnahme des kapitalistischen Großkünstlers, der denkt, er wird durch seine Werke unsterblich” (Rau) wurde das Projekt Corona-bedingt ganz neu aufgesetzt und ist nun eine sehr unmittelbare Auseinandersetzung mit dem Tod. Bedau, an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt, hat ihre ursprüngliche Lebenserwartung mit dieser Diagnose bereits überlebt. In Videoaufnahmen – zu denen auch die Andeutung der “Jedermann”-Tischgesellschaft zählt – erzählt sie trocken und frei von Selbstmitleid von ihrem Leben und ihrem Umgang mit der Aussicht auf einen nahen Tod.

Zwar gibt es in dieser letzten Premiere der diesjährigen Salzburger Festspiele gelegentlich Bezugnahmen auf den “Jedermann” (so beginnt das Stück mit langem Glockenläuten vom Tonband), doch im Zentrum des 80-minütigen Abends steht die – technisch geschickt gelöste – Interaktion der beiden Frauen Lardi und Bedau und die Frage: Was bedeutet der Tod für einen, wenn man nicht nur theoretisch, sondern unmittelbar mit ihm konfrontiert ist?

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