Ewald Baringer: Der Zaunprinz

Was hätte alles aus Alfred, einem Wiener Intellektuellen, werden können, wenn er nur etwas mehr an sich geglaubt hätte? Wenn er das Rampenlicht nicht so gescheut hätte? Wenn er seine viele kleinen Eigenheiten nicht als Defizite, sondern als Dinge betrachtet hätte, die ihn hervorheben?

Dann hätte der Protagonist von Ewald Baringers Roman „Der Zaunprinz“ nicht als farblos, sondern als schillernd gegolten. So aber zeichnet Baringer in seinem neuen Buch ein liebevolles Porträt eines Gescheiterten bzw. eines sich für gescheitert Haltenden. Gleichzeitig ist es auch eine Liebeserklärung an Italien. Und außerdem noch ein Krimi, bei dem vielleicht sogar die Mafia ihre Hand mit im Spiel hat. Wie das alles zusammengeht?

Gut, wenn man gewillt ist, ein wenig von Alfreds Flaneur-Attitüde anzunehmen, die versucht, alles zu nehmen, wie es eben kommt. Alfreds frühere Freundin, die Auslandskorrespondentin Marianne, ist unerwartet gestorben, ertrunken, und er reist nach Rom, um mehr über die Umstände ihres Todes zu erfahren. Er lässt sich nicht so einfach abwimmeln: von den bekannt trägen Behörden nicht und auch von jenen nicht, denen es am liebsten wäre, wenn er die ganze Sache um den mysteriösen Tod Mariannes auf sich beruhen ließe. Letztlich setzt sich die Erkenntnis durch, dass die Journalistin zuletzt tatsächlich an einem großen Coup dran war …

Ewald Baringer: Der Zaunprinz. Limbus Verlag, 176 Seiten, 18 Euro

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