Ewiges Hin und Her auf der Donau

Seit 51 Jahren pendelt Theodor Pumberger zwischen Ottensheim und Wilhering

Seit 147 Jahren pendelt die Fähre (genau genommen ist sie eine Drahtseilbrücke) zwischen Ottensheim und Wilhering. Theodor Pumberger, der am Wochenende 76 Jahre alt geworden ist, hat hier einen Großteil seines Berufslebens verbracht.Morgenidylle auf der Donau: Es gibt bestimmt weniger attraktive Arbeitsplätze.
Seit 147 Jahren pendelt die Fähre (genau genommen ist sie eine Drahtseilbrücke) zwischen Ottensheim und Wilhering. Theodor Pumberger, der am Wochenende 76 Jahre alt geworden ist, hat hier einen Großteil seines Berufslebens verbracht. © Röbl

Von Andreas Röbl

OTTENSHEIM — Es ist ein „ewiges Hin und Her“: Kaum einen Beruf könnte man mit diesen wenigen Worten treffender beschreiben, als jenen, den Theodor Pumberger ausübt. Seit 51 Jahren pendelt er als Fährmann zwischen Ottensheim und Wilhering. Und das bis zu 50 Mal am Tag. Zugegeben: Abwechslung sieht anders aus. Dennoch kann sich „Teddy“, wie ihn alle nennen, keinen schöneren Beruf vorstellen. Und langweilig dürfte ihm auch nie geworden sein, wenn man seinen Erzählungen lauscht.

Geboren in Inzell am rechten Donauufer, sah er von Kindesbeinen an, wie erst der Großvater und dann der Vater als Schiffbaumeister Fähren, Schiffe und Boote bauten. Dass er selber dann in Gmunden bei der renommierten Firma Frauscher den Beruf des Bootsbauer erlernte, war da schon recht naheliegend. Dass Pumberger, der am Wochenende 76 Jahre alt geworden ist, letztendlich in Ottensheim auf der Donau landete, war allerdings wieder purer Zufall. Nach der Lehre hätte er sich nämlich – wie so viele in den 60er Jahren in der Voest beworben. „Ich habe mich vorgestellt und hätte am nächsten Tag anfangen können“, schildert er im VOLKSBLATT-Gespräch.

Ein Euro Stundenlohn

Dann kam ihm auf der Heimfahrt die Idee, Verwandte zu besuchen und zu diesem Zweck die Fähre zu benützen — Und alles kam ganz anders. Bei einer Unterhaltung mit der damaligen Mannschaft an Bord, erfuhr er, dass eine Stelle frei wäre. „Am nächsten Tag hab ich angefangen, aber nicht in der Voest, sondern auf der Fähre“. Seither sind 51 Jahre vergangen. Langweilig ist es ihm nie geworden. Obwohl: Lang waren die Dienstzeiten früher schon. Von 5.30 Uhr bis 20 Uhr dauerten diese. An den Stundenlohn kann er sich noch genau erinnern: „13 Schilling und 60 Groschen also umgerechnet ein Euro.“ Nebenbei verdiente er sich auch als Schankbursch in einem örtlichen Wirtshaus ein paar Schillinge dazu.

Beim Plaudern mit Teddy wird die Vergangenheit lebendig: „Früher hat ein Fährmann keine Jause gebraucht, die Fische hat man praktisch mit dem Käscher an Land ziehen können. Heute ist das Wasser ja tot.“ Auch zum Trinken gab es immer was. „Am Wochenende sind die Pfuscher hin und her gependelt und haben uns immer ein paar Flaschen hier gelassen“, schmunzelt er. Generell hat man schnell den Eindruck, dass die Zeiten früher ein wenig lustiger waren. Und auch gefährlicher. „Acht Menschen hab ich aus dem Wasser gezogen, vor dem Kraftwerksbau war die Donau ja ein richtiges Wildwasser.“ Dass es mittlerweile etwas ruhiger zugeht, ist ihm nicht unrecht. Allerdings könnte es wieder einmal regnen. „An so wenig Wasser wie im heurigen Jahr kann ich mich kaum erinnern.“