Ex-Wirecard-Chef Markus Braun auf Kaution frei

Der im Milliardenskandal beim deutschen DAX-Konzern Wirecard unter Verdacht stehende frühere Vorstandschef Markus Braun hat die fünf Millionen Euro Kaution für seine Freilassung aus der Untersuchungshaft bezahlt. Das sagte ein Sprecher des Münchner Amtsgerichts am Mittwoch auf Anfrage. Das Geld sei noch am Dienstagnachmittag hinterlegt worden, Braun wurde anschließend auf freien Fuß gesetzt.

Braun habe die vom Gericht geforderte Sicherheitsleistung von fünf Millionen Euro gezahlt und sei auf freiem Fuß, sagte am Mittwoch auch Brauns Rechtsanwalt Alfred Dierlamm. Abgesehen von der hohen Kaution muss sich Braun für die Dauer der Ermittlungen wöchentlich bei der Polizei melden. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Österreicher in der Affäre um mutmaßliche Luftbuchungen in Höhe von 1,9 Milliarden Euro unrichtige Darstellung der Wirecard-Bilanzen und Marktmanipulation vor.

Braun stieß unterdessen einen großen Teil seiner Wirecard-Aktien ab. In einer Serie von Verkäufen erlöste er Braun am Donnerstag und Freitag voriger Woche insgesamt 155 Millionen Euro. Als Grund wurden sogenannte Margin Calls genannt, das heißt Braun war im Grunde gezwungen, die Aktien zu verkaufen.

Der gefeuerte Wirecard-Vorstand Jan Marsalek hält sich möglicherweise auf den Philippinen auf. Es gebe Hinweise, dass Marsalek weiterhin im Land sein könnte, sagte der philippinische Justizminister Menardo Guevarra am Mittwoch. Informierten Kreisen zufolge droht Marsalek im Münchner Ermittlungsverfahren um den milliardenschweren Bilanzskandal des Zahlungsdienstleisters eine Verhaftung. Guevarra erklärte, Marsalek sei vom 3. bis 5. März auf den Philippinen gewesen. “Es gibt einige Hinweise, dass er vor kurzem zurückgekehrt ist und sich immer noch hier aufhält.” Die Philippinen haben kein Auslieferungsabkommen mit Deutschland.

Der in einem Bilanzskandal steckende Zahlungsabwickler Wirecard hat unterdessen für seine auslaufende Kreditlinie nach dpa-Informationen für einige Tage Aufschub von den Banken erhalten. Die Institute hätten sich entschieden, zunächst die langfristige Überlebensfähigkeit des Unternehmens zu prüfen, bevor sie die ausstehende Summe von 1,75 Mrd. Euro zurückfordern, hieß es am Mittwoch in Finanzkreisen. Zuvor hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg entsprechend berichtet.

Die Beratungsfirma FTI ist dem Vernehmen nach im Auftrag der Kreditgeber dabei, Wirecard zu durchleuchten und möglichst viele Informationen zur finanziellen Lage des Unternehmens zusammenzutragen. Auf dieser Basis wollen die Banken dann möglichst bald die weiteren Gespräche führen, hieß es. In dem Bilanzskandal geht es um mutmaßliche Luftbuchungen in Höhe von 1,9 Mrd. Euro, die den Konzern Wirecard an den Rand des Abgrunds geführt haben.

Der entlassene Vorstand Jan Marsalek will sich einem Zeitungsbericht zufolge der deutschen Justiz stellen. Marsalek wolle sich der Staatsanwaltschaft München Anfang der kommenden Woche stellen, berichtete die “Süddeutsche Zeitung” am Mittwoch unter Berufung auf Informationen aus Kreisen von Kennern des Ermittlungsverfahrens. Sein Kalkül sei es, wie bereits der frühere Wirecard-Chef Markus Braun ebenfalls gegen Kaution und weitere Auflagen von einer Untersuchungshaft verschont zu werden.

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